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US-Diplomaten: Pläne für US-Angriffe auf Iran bereits fertig?

Nach Angaben des britischen Rundfunksenders BBC hat das US-Militär für einen möglichen Angriff auf den Iran bereits konkrete Pläne. Mit Bunker brechenden Bomben soll aus der Luft gegen Atomanlagen und militärische Einrichtungen vorgegangen werden. Die Nachricht kommt zu einem heiklen Zeitpunkt.

Das US-Militär hat nach Informationen des britischen Rundfunksenders BBC bereits Details für einen möglichen Militärschlag gegen den Iran festgelegt. Geplant habe das Zentralkommando des US-Militärs in Florida Luftangriffe sowohl gegen die Atomanlagen, als auch die wichtigsten Militäreinrichtungen des Landes, berichtete die BBC unter Berufung auf nicht näher genannte Diplomaten. Das unterirdische Atomforschungszentrum Natanz im Zentraliran solle etwa mit so genannten Bunker brechenden Bomben angriffen werden, die aus B2-Stealth-Langstreckenbombern abgeworfen werden sollen.

Die Regierung in Washington hat zwar mehrfach unterstrichen, sie strebe keine Militäraktion an. Gleichzeitig hat sie aber eine solche nicht ausgeschlossen, wenn Teheran sein umstrittenes Urananreicherungsprogramm nicht einstellt. Nach BBC-Angaben könnte aber auch ein folgenschweres Attentat auf US-Soldaten im Irak, hinter dem nachweislich der Iran steckt, einen US-Militärschlag auslösen.

Gesprächsbereit, aber kein Atom-Stop

Die Meldung kommt zu einem heiklen Zeitpunkt: Einen Tag vor Ablauf einer vom UN-Sicherheitsrat gesetzten Frist haben der Iran und die UN-Atombehörde IAEO wieder Verhandlungen über das iranische Atomprogramm aufgenommen. Der iranische Atom-Chefunterhändler Ali Laridschani traf am Dienstag in Wien mit IAEO-Chef Mohammed el Baradei zusammen.

Gleichzeitig bekräftigte Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad, sein Land sei im Atomstreit mit dem Rest der Welt gesprächbereit, wolle sein Urananreicherungsprogramm aber nicht aufgeben. Der Iran sei, so Ahmadinedschad weiter, nur dann zu einem Stopp der Urananreicherung bereit, wenn die westlichen Staaten ihre Programme ebenfalls aussetzen.

"Die Gerechtigkeit erfordert, dass die, die mit uns Gespräche führen wollen, ihre Programme für Brennstoffkreisläufe ebenfalls schließen. Dann können wir einen Dialog in gerechter Atmosphäre führen." Verhandlungen müssten ohne Vorbedingungen geführt werden. Das iranische Volk werde "bis zu Letzt" sein Recht auf zivile Nutzung der Atomenergie verteidigen.

El Baradei warnt vor Sanktionen

Beobachter werteten die Äußerungen Ahmadinedschads als im Vergleich zu früheren Aussagen gemäßigt. Er wolle offenbar die Gespräche von Atom-Chefunterhändler Laridschani mit IAEO-Chef el Baradei nicht gefährden.

Dennoch: Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass Teheran seine Bemühungen um die Anreicherung von Uran bisher nicht eingestellt hat. Dies wird in der UN-Resolution 1737 vom 23. Dezember ultimativ verlangt. In Wien wird für möglich gehalten, dass el Baradei seinen Report erst am Donnerstag oder am Freitag an den Sicherheitsrat übermittelt.

El Baradei warnte inzwischen vor allzu harten Maßnahmen gegen den Iran. Der Westen müsse dem Iran stattdessen ein größeres Gefühl der Sicherheit geben, statt ihn mit Sanktionen zu bedrohen. "Der Fall Iran lässt sich nicht durch Sanktionen allein aus der Welt schaffen", warnte der Friedensnobelpreisträger.

Zweite Resolution soll Druck verstärken

In seiner einstimmigen Resolution vom 23. Dezember hatte der Sicherheitsrat el Baradei 60 Tage für einen Bericht gegeben, ob Teheran seine umstrittenen nuklearen Aktivitäten für die Urananreicherung aufgegeben hat. Baradei erwartet nach eigenen Angaben, dass der Westen die Sanktionen gegen den Iran im Falle einer Missachtung der Resolution verstärkt. Vor allem die EU-Unterhändler Deutschland, Frankreich und Großbritannien möchten - zusammen mit den USA - über eine zweite Resolution den politischen Druck auf den Iran verstärken. Der Sicherheitsrat befürchtet, dass Teheran eigene Atombomben entwickeln will. Die iranische Führung bestreitet das.

DPA/AP / AP / DPA