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US-Embargo gegen den Iran Große Weltpolitik im Apple-Store


Wegen des Atomkonflikts mit Teheran verweigern Apple-Mitarbeiter in den USA den Verkauf von iPads an iranischstämmige Kunden. Omid Nouripour von den Grünen will deshalb seine Apple-Geräte zurückgeben.
Von T. Steinmann, S. Mertins und A. Rungg

Ein echter Apple-Freak ist er nicht. Aber auf iPhone und iPad verzichten will der Grünen-Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour auch wieder nicht. Sein Problem ist nur: Er ist in Teheran geboren, hat neben dem deutschen auch einen iranischen Pass und fühlt sich nun als Kunde nicht mehr willkommen, wie er in einem bösen Brief an den Konzern schreibt. "Die sollen mir mal sagen, ob ich meine Geräte behalten darf", sagt er.

Das klingt wie eine Schmonzette, doch hinter Nouripours Ärger steckt die große Weltpolitik. Aufgeschreckt haben ihn Berichte, wonach Verkäufer in Apple-Stores in den USA zwei iranischstämmigen Kunden den Kauf von iPads verwehrt haben sollen, nur weil sich diese auf Persisch unterhalten hätten. Begründung: die schlechten Beziehungen zwischen den USA und dem Iran. Auch in Australien gab es laut iranischen Medien einen Fall, bei dem sich eine Studentin iranischer Herkunft mitten im Konflikt um Teherans Atomprogramm wiederfand. Als sie fragte, ob das iPad, mit dem sie liebäugelte, im Iran nutzbar sei, weil sie einen Familienbesuch plane, habe ihr ein Verkäufer den Kauf verwehrt - und erklärt, dass das US-Embargo gegen den Iran für alle Apple-Produkte gelte.

Der Iran ist nicht der Feind

Für Nouripour ist Apples Firmenpolitik ein Beispiel dafür, wie westliche Konzerne im Umgang mit dem Iran überreagieren - aus Angst vor Problemen mit ihren Regierungen. Kaufverbote allein aufgrund der Muttersprache seien ein "klarer Fall von Diskriminierung", rügt er in seinem Brief. Dabei seien die "Schikanen völlig nutzlos": Die meisten iranischstämmigen Menschen im Ausland hätten keinerlei Neigung, der Regierung und ihrem Atomprogramm "durch den Kauf von Geräten der Unterhaltungselektronik in Großstädten der westlichen Welt (technisch fragwürdige) Dienste zu leisten".

Apple weist diese Kritik zurück, ohne auf konkrete Fälle einzugehen. "Wir sind stolz darauf, Kunden aus aller Welt und aller Ethnien zu bedienen", sagt ein Sprecher. "Wir diskriminieren niemanden." Auf der Website wird zudem auf Bestimmungen verwiesen, die Lieferung von Apple-Produkten aus den USA oder durch US-Staatsbürger in Länder, gegen die ein Wirtschaftsembargo besteht, ohne Genehmigung der Regierung verbieten.

Dass Apple-Produkte auch im Iran ohne große Probleme erhältlich sind, kann der Konzern dennoch nicht verhindern. Über den Umweg Dubai kommen auch iPhones und iPads ins Land.

FTD

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