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US-Geheimdienstaffäre: Snowdens Vater: "Edward soll in Russland bleiben"

"Ed, wir sind stolz auf dich": Der Vater von Edward Snowden hat seinem Sohn im russischen Fernsehen geraten, im Land zu bleiben und Präsident Putin für den Schutz des 30-Jährigen vor den USA gedankt.

Der Vater des von den USA gejagten Ex-Geheimdienstlers Edward Snowden rät seinem Sohn aus Sicherheitsgründen davon ab, Russland zu verlassen. "Ich denke, dass Russland fest entschlossen und in der Lage ist, meinen Sohn zu beschützen", sagte Lon Snowden in einer am Mittwoch ausgestrahlten Sendung des russischen Staatsfernsehens. "Wenn ich an seiner Stelle wäre, würde ich in Russland bleiben."

Lon Snowden dankte Kremlchef Wladimir Putin dafür, seinem Sohn Schutz vor den US-Behörden zu gewähren. Russland zeige Stärke gegenüber den USA, sagte der Vater. Er sei stolz auf Edward. In dem Fernsehinterview wandte sich Lon Snowden auch direkt an den 30-Jährigen. "Ed, bei uns ist alles in Ordnung, wir lieben dich und ich hoffe, dass wir uns bald wiedersehen. Aber vor allem möchte ich, dass du in Sicherheit bist."

Edward Snowden hält sich seit dem 23. Juni im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo auf. Er kann den Flughafen nicht verlassen, da die USA seine Reisedokumente für ungültig erklärt haben. Snowden hat in Russland sowie in mehreren anderen Staaten Asyl beantragt. Die Moskauer Behörden prüfen derzeit seinen Antrag, während sich unter anderem Venezuela und Bolivien bereit erklärten, den US-Bürger aufzunehmen.

Lon Snowden riet seinem Sohn jedoch von einer Ausreise nach Südamerika ab. "Wir haben ja gesehen, was mit dem Flugzeug von Präsident Evo Morales passiert ist", mahnte er. Der bolivianische Staatschef Morales hatte Anfang Juli auf der Reise von Moskau in sein Heimatland einen Zwangsstopp in Wien einlegen müssen, da mehrere europäische Länder seinem Flugzeug die Überflugrechte verweigerten. Hintergrund war der Verdacht, an Bord der Maschine könnte sich Snowden befinden.

Snowden will seinen Sohn besuchen

Anwalt Anatoli Kutscherena sicherte in der Fernsehsendung zu, dass Moskau den Verfolgten niemals ausliefern werde. Kutscherena hatte Snowden bei dessen Antrag auf vorläufiges Asyl in Russland unterstützt. Russland glaube nicht an ein gerechtes Gerichtsverfahren in den USA, sagte Kutscherena.

Snowdens Vater bedauerte, dass er keinen Kontakt zu seinem Sohn habe. Er wolle ihn jedoch bald in Moskau besuchen. Dazu gebe es bereits Gespräche mit der russischen Botschaft in den USA. Auch das FBI würde Lon Snowden offenbar gerne in Moskau sehen. In einem Interview mit der "Washington Post" sagte der frühere Mitarbeiter der US-Küstenwache am Dienstag, die amerikanische Bundespolizei habe versucht, ihn dazu zu bewegen, nach Moskau zu fliegen um seinen Sohn zur Heimkehr in die USA zu überreden. Er habe jedoch abgelehnt, weil das FBI ein Treffen mit Edward Snowden nicht garantieren konnte und er sich nicht als emotionales Druckmittel missbrauchen lassen wollte.

Edward Snowden hatte Anfang Juni mit der Enthüllung geheimer Spähprogramme der USA und weiterer Länder zur Überwachung der weltweiten Internet- und Telefonkommunikation international für Aufsehen gesorgt. Er floh zunächst nach Hongkong und dann nach Russland. Die US-Regierung forderte mehrfach erfolglos seine Auslieferung.

mad/AFP/DPA / DPA