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USA kritisieren Asyl für Edward Snowden: "Das ist keine positive Entwicklung"

Moskau brüskiert Washington und gewährt dem gejagten "Whistleblower" Snowden für ein Jahr Asyl. Nach wochenlangem Hin und Her darf er in Russland einreisen. Die USA sind "äußerst enttäuscht".

Zuflucht für Edward Snowden: Auf seiner Flucht vor der US-Justiz gewährt Russland dem Geheimdienstexperten für ein Jahr Asyl. Nach mehr als fünf Wochen bangen Wartens konnte der 30-Jährige am Donnerstag den Moskauer Flughafen Scheremetjewo unbemerkt von der Öffentlichkeit verlassen und ins größte Land der Erde einreisen. Laut seinem Anwalt will er vorerst in Russland bleiben.

Snowden ist die Quelle immer neuer Enthüllungen über den amerikanischen Geheimdienst NSA und dessen weltweite Datenspionage. Die NSA bestreitet auch jüngste Veröffentlichungen mit weiteren brisanten Details zur Überwachungspraxis nicht grundsätzlich, sondern betont, alles sei streng reglementiert.

"Wir haben eine Schlacht gewonnen"

Snowdens russischer Anwalt Anatoli Kutscherena hatte am Nachmittag als Erster bekanntgegeben, dass dessen Antrag auf vorläufiges Asyl genehmigt worden sei. Die russische Einwanderungsbehörde bestätigte dies später. Das Recht habe gewonnen, erklärte Snowden über die Enthüllungsplattform Wikileaks, die ihn auf seiner Flucht unterstützt.

Wikileaks stellte auch ein Foto online, das Snowden beim Verlassen des Flughafens mit der eigenen Mitarbeiterin Sarah Harrison zeigt, und twitterte: "Wir haben die Schlacht gewonnen - jetzt kommt der Krieg." Kutscherena sagte, sein Mandant halte sich nun an einem sicheren Ort auf.

Verstimmung zwischen USA und Russland wächst

Die USA suchen Snowden wegen Geheimnisverrats und fordern seine Auslieferung. Das lehnt Russland strikt ab. Kommentatoren in Moskau betonten, dass der Asylstatus eine Auslieferung Snowdens verbiete.

Der außenpolitische Berater des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Juri Uschakow, nannte den Fall eine "ziemlich unbedeutende Angelegenheit", die sich nicht negativ auf die Beziehungen mit den USA auswirken werde. Es gebe keine Signale, dass US-Präsident Barack Obama einen für Anfang September vor dem G20-Gipfel geplanten Besuch zu bilateralen Gesprächen in Moskau absagen könnte.

Aus Washington kamen allerdings entgegengesetzte Signale. Obama prüfe die "Nützlichkeit" eines Treffens mit Putin, hieß es aus dem Weißen Haus. Über die Entscheidung Russlands sei man "äußerst enttäuscht". "Das ist keine positive Entwicklung", sagte der Präsidentschaftssprecher Jay Carney.

Europa statt Südamerika?

Auch Venezuela, Ecuador und Bolivien hatten Snowden Zuflucht angeboten. Dieser will aber zunächst in Russland bleiben. "Er hat derzeit nicht die Absicht, nach Lateinamerika zu fliegen", sagte Kutscherena der russischen Agentur Itar-Tass zufolge. Im Gegenteil: Sein Mandant habe ihm gegenüber angedeutet, dass irgendwann sein nächstes Reiseziel in Europa liegen könnte.

dho/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters