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US-Whistleblower Edward Snowden hat die russische Staatsbürgerschaft – muss er jetzt in der Ukraine kämpfen?

Edward Snowden, hier im Oktober 2021 bei einer Videokonferenz, hat jetzt die doppelte Staatsbürgerschaft Russlands und der USA
Edward Snowden, hier im Oktober 2021 bei einer Videokonferenz, ist jetzt russischer und US-amerikanischer Staatsbürger
© Alberto Pezzali / AP / DPA
Edward Snowden hat einen russischen Pass erhalten. Nach eigener Aussage erhofft sich der US-Whistleblower dadurch mehr Sicherheit. Das US-Außenministerium hält jedoch angesichts des Ukraine-Krieges auch das Gegenteil für möglich.

Edward Snowden ist jetzt russischer Staatsbürger. Nachdem der Whistleblower aus den USA im Jahr 2020 vor der Geburt seines ersten Sohnes einen russischen Pass beantragt hatte, wurde ihm dieser am Montag gewährt. Für den 39-jährigen ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiter bedeutet die Einbürgerung nach eigenen Angaben vor allem mehr Sicherheit: "Nach zwei Jahren des Wartens und fast zehn Jahren im Exil wird ein wenig Stabilität für meine Familie einen Unterschied machen", schrieb Snowden am Montag auf Twitter. "Ich bete um Privatsphäre für sie – und für uns alle."

Als Begründung für seinen Einbürgerungswunsch hatte Snowden 2020 erklärt, er wolle vermeiden, von seinem zukünftigen Sohn getrennt zu werden, falls die Grenzen geschlossen würden, wie es während der Coronavirus-Pandemie der Fall war. "Nachdem wir jahrelang von unseren Eltern getrennt waren, möchten meine Frau und ich nicht von unserem Sohn getrennt sein", twitterte er damals. "Deshalb beantragen wir in dieser Zeit der Pandemien und geschlossenen Grenzen die doppelte US-amerikanisch-russische Staatsbürgerschaft." Snowden versicherte zudem, nicht nur die US-Staatsbürgerschaft behalten zu wollen, was in Russland seit einigen Jahren möglich ist, sondern sein Kind auch nach dem Werteverständnis Amerikas erziehen zu wollen, "einschließlich der Freiheit, seine Meinung zu sagen".

USA halten Kriegseinsatz von Edward Snowden für möglich

Während Snowden sich über mehr Sicherheit freut, sieht das US-Außenministerium eine ganz andere mögliche Konsequenz, die dem Neu-Russen nun drohe: die Einberufung in die russische Armee. "Unsere Position hat sich nicht geändert: Herr Snowden sollte in die Vereinigten Staaten zurückkehren, wo er sich der Justiz stellen sollte, wie jeder andere amerikanische Bürger auch", kommentierte Ministeriumssprecher Ned Price die Einbürgerungsnachricht vor Reportern. "Das Einzige, was sich vielleicht geändert hat, ist, dass er aufgrund seiner russischen Staatsbürgerschaft nun anscheinend zum Kampf in Russlands Krieg in der Ukraine eingezogen werden kann."

Snowdens Anwalt Anatoli Kutscherena ist sich dagegen sicher, dass sein Mandant nicht in der Ukraine kämpfen muss. Die Frage einer Einberufung des Whistleblowers stelle sich nicht, da er nicht in der russischen Armee gedient habe und keine entsprechende Erfahrung habe, sagte Kutscherena der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Interfax.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte in der vergangenen Woche eine Teilmobilmachung von 300.000 Reservisten für den Krieg gegen das Nachbarland verkündet. Die Behörden versicherten, dass davon nur Menschen mit militärischer Erfahrung oder speziellen Fähigkeiten betroffen seien. Tatsächlich wurden in vielen Fällen aber auch ältere Menschen, Kranke, Männer ohne Erfahrung sowie Studenten eingezogen. 

Snowden hat sich bislang in den sozialen Medien mit Äußerungen über Russlands Invasion in der Ukraine weitgehend zurückgehalten. Der IT-Experte hatte im Jahr 2013 tausende streng geheime Dokumente über die Überwachungs- und Spionagepraktiken der US-Geheimdienste veröffentlicht. Er tauchte anschließend unter und floh nach Russland, wo er seitdem lebt. In den USA droht ihm eine lange Haftstrafe unter anderem wegen Spionage.

Quellen: Edward Snowden auf Twitter, Fox News, Deutschlandfunk

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