HOME

US-Präsident Obama: "Nur weil wir den besten Hammer haben, ist nicht jedes Problem ein Nagel"

Barack Obama wendet sich gegen seine Kritiker: Die USA seien so stark wie lange nicht mehr und führten in der Welt. Dennoch will der Präsident künftig mehr auf Diplomatie statt aufs Militär setzen.

US-Präsident Barack Obama hat den weltweiten Führungsanspruch Washingtons bekräftigt. "Amerika muss auf der Weltbühne immer führen. Wenn wir es nicht tun, tut es kein anderer", sagte er am Mittwoch in einer außenpolitischen Grundsatzrede in der Militärakademie in West Point (Staat New York). "Isolation ist keine Option."

Das Militär sei "das Rückgrat dieser Führerschaft", fügte er hinzu. "Unser Militär hat kein gleichwertiges Gegenüber." Doch Obama räumte ein, Militäraktionen seien nicht die einzige, oder gar die primäre, Komponente der amerikanischen Führungsrolle. "Nur weil wir den besten Hammer haben, ist nicht jedes Problem ein Nagel."

Obama widersprach Kritikern aus den Reihen der Republikaner, dass sich Amerika im Niedergang befinde und er den Führungsanspruch aufgegeben habe. Die Stellung der USA sei zu kaum einer anderen Zeit stärker gewesen als gegenwärtig.

Diplomatie und Hilfe statt Militärschläge

Der US-Präsident verteidigte auch die Sanktionspolitik gegen Russland wegen der Ukraine-Krise. Die Strafmaßnahmen der internationalen Gemeinschaft würden Russland treffen und der Ukraine helfen, "ohne dass ein Schuss gefallen ist", sagte er mit Blick auf Kritiker im eigenen Land. "Das ist amerikanische Führung."

Zugleich lehnte Obama künftige unilaterale Militäreinsätze der USA bei Krisen in der Welt ab. Wenn Probleme keine direkte Bedrohung für die Vereinigten Staaten seien, dann müsse die Schwelle für Militäroperationen höher liegen. "Unter solchen Umständen sollten wir es nicht alleine machen."

Stattdessen sollten Alliierte und Partner für gemeinsame Aktionen mobilisiert werden. Auch müssten verschiedene Mittel angewandt werden, etwa Diplomatie und Entwicklungshilfe oder Sanktionen. Multilaterale Militärschläge müssten "berechtigt, notwendig und effektiv" sein.

Neue Strategie in der Terrorbekämpfung

Zugleich plädierte Obama dafür im Kampf gegen den internationalen Terrorismus neue Wege zu gehen. Amerika und seine Partner müssten darauf reagieren, dass die Bedrohung heute von dezentral organisierten Gruppen und Extremisten mit verschiedenen Zielen ausgehe. "Eine Strategie, die bedeutet, in jedes Land einzumarschieren, das Terrornetzwerke beherbergt, ist naiv und unhaltbar." Stattdessen sollte mit den betroffenen Ländern zusammengearbeitet werden.

Das Bestreben der Vereinigten Staaten müsse sein, ihren Einfluss zu vergrößern, "ohne Truppen zu senden". Ziel sei ein Netzwerk aus Partnern von Südasien bis Afrika. Obama kündigte die Gründung eines Fonds an. Die USA wollten andere Länder mit insgesamt fünf Milliarden Dollar (3,7 Milliarden Euro) im Anti-Terror-Kampf unterstützen. Das Geld solle in Training und Ausbildung in den betroffenen Ländern fließen.

Zudem werde die US-Regierung ihre Unterstützung für die syrische Opposition ausbauen. Dabei bezog sich Obama auf Regierungsgegner, "die eine Alternative zu Terroristen und einem brutalen Diktator anbieten".

mad/DPA / DPA