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US-Präsidentschaftswahlen: Hillary - ab auf den Mars?

Nach den Demokraten im Juli waren nun die Republikaner dran: Die Bewerber um die Kandidatur für das US-Präsidentenamt mussten Fragen von Bürgern beantworten, die diese als Video auf Youtube gestellt hatten: Einige Kandidaten überzeugten, andere waren überfordert. Und Hillary Clinton bekam ein besonderes Jobangebot.

Von Malte Arnsperger

Ein junger Mann mit grauem T-Shirt steht in der Wüste. Er hält ein Gewehr, feuert mehrmals in den Sand. Dann tritt er vor die Kamera und sagt: "Ich komme aus einer kleinen Stadt, und wie in jeder Kleinstadt lieben auch wir unsere großen Waffen. Nun meine Frage: Was halten Sie von Waffenkontrolle?" Der junge Mann nimmt wieder sein Gewehr zur Hand, lädt es durch und sagt: "Keine Angst. Sie können antworten, wie Sie wollen."

Dieser Auftritt von Jay Fox aus Kalifornien ist kein Ausschnitt aus der Sendung "Die kuriosesten Heimvideos". Dieses kurze Filmchen war eines von rund 40, die in der vergangenen Nacht während der US-Präsidentschaftsdebatte der Republikaner in St. Petersburg in Florida gezeigt wurden. Nachdem die Kandidaten der Demokraten im Juli zum ersten Mal in der Geschichte der US-Wahlen auf Fragen antworten mussten, die von Nutzern der Internet-Videoplattform Youtube gestellt wurden, waren nun die Republikaner an der Reihe.

Youtube-User waren aufgerufen, maximal 30 Sekunden lange Videos mit einer konkreten Frage an CNN zu schicken. Aus den rund 5000 eingesandten Filmchen wählte die Redaktion einige aus, die der Sender den acht Männern vorspielte. Ein voller Erfolg, denn eins wurde klar: Dieses Format ist nicht nur moderner als die altbekannten und steifen "Journalist fragt, Kandidat antwortet"-Debatten. Die Bürgerbefrager sind kreativ und lustig, ihre Fragen sehr direkt und nah am wirklichen Leben. Sei es der betagte Militär-Veteran, der wissen will, weshalb sich homosexuelle Soldaten wie er während ihrer Dienstzeit nicht offen zu ihrer Sexualität bekennen dürfen. Sei es die hübsche Studentin aus Arizona, die von den Kandidaten eine Strategie gegen neue Staatsschulden hören möchte. Oder aber sei es die Comicfigur, die aussieht wie Vizepräsident Dick Cheney, und erfahren will, welche Macht der künftige Vizepräsident haben soll. Kurzum: Die Fragen bereiteten die Grundlage für eine interessante und außergewöhnliche Debatte. Und die Kandidaten spielten mit.

Reizthema illegale Einwanderung

Gleich zu Beginn entwickelte sich eine hitzige Auseinandersetzung zwischen den beiden republikanischen Topfavoriten Mitt Romney und Rudy Giuliani über eines der wichtigsten Themen dieses Wahlkampfes: illegale Einwanderung. Romney und Giuliani warfen sich gegenseitig vor, nicht genug dagegen getan zu haben. Romney, Ex-Gouverneur von Massachusetts, hielt dem ehemaligen New Yorker Bürgermeister vor, aus New York City eine "Zufluchtsstätte" für illegale Einwanderer gemacht zu haben. Giuliani seinerseits wies dies weit von sich und schlug sofort zurück. Romney habe nicht ausreichend auf den Zustrom der Einwanderer reagiert und sogar selbst welche für den Bau seines Privathauses beschäftigt. Mehrere Minuten attackierten sich die beiden, sodass die anderen sechs Mitbewerber kaum zu Wort kamen.

Das Duell Romney gegen Giuliani sollte auch bei anderen Themen im Mittelpunkt stehen. Anders als in den Debatten zuvor war ihr Hauptangriffsziel nicht die Favoritin der Demokraten, Hillary Clinton. Nein, sie konzentrierten sich wie alle anderen Kandidaten darauf, sich von der Konkurrenz abzugrenzen.

Der Grund: Das Rennen um die Nominierung der GOP (Grand Old Party) ist offener denn je. Giuliani führt zwar in bundesweiten Umfragen vor Romney, Fred Thompson und John McCain. Doch wer gegen die Demokraten ins Rennen um das Weiße Haus gehen will, muss die Vorwahlen in den einzelnen Staaten gewinnen - vor allem die ersten. Am 3. Januar steht schon der erste Test in Iowa an, wenige Tage später folgt New Hampshire. Und in beiden Staaten sieht es schlecht aus für Giuliani. Er liegt in Umfragen jeweils hinter Romney, und sogar der bisherige krasse Außenseiter Mike Huckabee rechnet sich noch Chancen aus. So kurz vor dem Auftakt der Vorwahlen war vergangene Nacht also für alle Kandidaten Offensive angesagt.

Nicht jedermanns Sache

Das Format der Debatte mit seinen überraschenden Fragen schien jedoch einigen der sonst so souverän auftretenden Politiker nicht entgegenzukommen. Vor allem Fred Thompson wirkte teilweise schlecht vorbereitet. Thompson, ein ehemaliger Hollywood-Schauspieler, dem die große Bühne eigentlich liegen sollte, gab ein trauriges Bild ab. Egal, ob es um illegale Einwanderung oder Wirtschaftspolitik ging: Thompson stammelte häufig unentschlossen vor sich hin, schaute immer wieder hilfesuchend auf seine Zettel und gab oft unklare Antworten.

Mitt Romney wiederum machte seinem Image als "flip-flopper", als Mann ohne Überzeugungen, der ständig seinen Standpunkt wechselt, alle Ehre. Zunächst musste er zum wiederholten Male zugeben, dass er früher nichts gegen Abtreibung hatte und erst seit Kurzem ein entschiedener Gegner ist. Ein wunder Punkt für Romney. Nicht nur dass er als Mormone der evangelikalen Basis der Partei sowieso suspekt ist. Zudem will ein Großteil der republikanischen Stammwählerschaft ein Verbot von Abtreibung.

Doch damit nicht genug. Alle von Romneys Konkurrenten sprachen sich für die Beibehaltung der so genannten "Don't ask, don't tell"-Richtlinie im US-Militär aus. Diese Verfahrensweise besagt, dass Homosexuelle nur in der Armee dienen dürfen, solange sie niemanden von ihrer Neigung erzählen. Ein sehr heikles und für die tiefreligiösen Wähler entscheidendes Thema. Romney, der seit Wochen verzweifelt versucht, diese Gruppe von sich zu überzeugen, musste jedoch zugeben, dass er sich vor einigen Jahren gegen diese Regel ausgesprochen hat. Doch nun sei er natürlich für die geltende Methode. Dieses Hin und Her kam überhaupt nicht gut an. Romneys Lohn vom Publikum: laute Buhrufe.

Unbequem und überzeugend: McCain

Unmutsbekundungen bekam auch McCain zu hören. Etwa als er seine Unterstützung für die die Irak-Strategie von US-Präsident George W. Bush äußerte. Doch insgesamt gab McCain von allen Kandidaten die überzeugendste Figur ab. Der Senator aus Arizona unterstrich sein Image als unbequemer Politiker, der für seine Überzeugungen einsteht. Sei es seine Haltung zum Irak-Krieg oder seine äußerst umstrittene Gesetzesinitiative, die vielen illegalen Einwanderern die Möglichkeit zur Einbürgerung gegeben hätte. Seine beste Szene hatte McCain, als er sich - anders als seine Konkurrenten - gegen jegliche Form von Folter aussprach. McCain, der im Vietnamkrieg selbst Kriegsgefangener war, warf seinen Widersachern böse Blicke zu und sagte mit verbissener Miene: "Bei diesem Thema geht es darum, wie sich die Vereinigten Staaten definieren. Wir sollten alle sagen, dass die USA niemals foltern."

Den Youtube-Nutzern ist es zu verdanken, dass es aber auch was zum Schmunzeln gab. Für die Lacher war größtenteils der ehemalige Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee, zuständig. Ein junger Mann aus Tennessee etwa fragte, was nach Ansicht der Kandidaten Jesus Christus mit der Todesstrafe machen würde. Der Ex-Priester Huckabee wusste zwar keine schlüssige Antwort, sagte aber: "Jesus war zu schlau, um sich für ein öffentliches Amt zu bewerben."

Die kurioseste Frage des Abends stammte am Ende von Steven Nielson aus Denver. In seinem Filmchen, das er mit Bildern von der ersten Mondlandung und vom Mars unterlegte, wollte er wissen, ob es einen Kandidaten gebe, der bis 2020 einen Amerikaner zur Entdeckung des Mars ins All schicken will. Mike Huckabee, mit gutem Gespür für Situationskomik, sagte mit Hinblick auf die Person, die unter Republikanern als der personifizierte Teufel angesehen wird: "Ich weiß nicht, ob wir wirklich jemanden auf den Mars schicken sollten. Aber wenn wir es tun, hätte ich einige Vorschläge. Hillary Clinton sollte zur ersten Besatzung gehören."

  • Malte Arnsperger