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US-Präsidentschaftswahlkampf: Unbekannter nominiert Donald Trump für Friedensnobelpreis

Was ist mit Donald Trump los? Da wird er für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen, doch die Egomaschine lässt das einfach unerwähnt. Vielleicht ahnt der Milliardär, dass er nicht zum engen Favoritenkreis gehört.

Trump auf Eis

In Iowa auf Eis gelegt: Donald Trump

Nach seiner Niederlage bei der Vorwahl in Iowa war Donald J. Trump erst überraschend ruhig, dann überraschend besonnen, um wenig überraschend am Ende doch noch der Raserei anheim zu fallen: In einem erbosten Twittersturm beschuldigte der Milliardär den siegreichen Konkurrenten Ted Cruz, die erste Abstimmung im US-Präsidentschaftswahlkampf verfälscht zu haben. Niemand hatte erwartet, dass Donald Trump ein guter Verlierer sein würde, aber dass er in seinem Furor eine ihm mehr als schmeichelnde Nachricht einfach unerwähnt liegen lassen würde, ist für die Egomaschine doch ungewöhnlich. Nämlich die Mitteilung, dass er für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wurde. Kein Scherz. Kristian Berg Harpviken, Direktor des Osloer Friedenforschungsinstituts, bestätigt den Eingang der Nominierung.

Wer diese hübsche Idee hatte, ist leider nicht bekannt, außer, dass es sich um ein männliches Mitglied des US-Senats oder -Kongresses handelt, wie der britische "Telegraph" berichtet. Trump selbst kann es also nicht gewesen sein. Als Begründung führt der Unbekannte an, Trumps "energische Frieden-durch-Stärke-Ideologie sei eine effektive Abschreckungswaffe gegen den radikalen Islam (konkret: den Islamischen Staat), einen nuklear bewaffneten Iran sowie gegen das kommunistische China". Dafür, dass der Immobilienmogul einen Friedenspreis kriegen soll, fällt die Argumentation zu seinen Gunsten allerdings reichlich waffenstarrend und feindfokussiert aus. Üblicherweise neigen die Norweger ja dazu, ihren prestigeträchtigen Preis Menschen des Wortes, der Diplomatie, kurz Versöhnern, zu verleihen, weswegen bislang weder Stalin (zwei Nominierungen), noch Silvio Berlusconi, Mussolini und Hitler (je eine Nominierung) zu den Ausgezeichneten gehörten.

Das Friedenforschungsinstitut in Oslo gehört zu den wenigen seriösen Institutionen, die jedes Jahr eine Prognose zu den möglichen Gewinnern abgeben. Und Direktor Harpviken ist sich relativ sicher, dass Donald Trump nicht zu den Gewinnern gehören wird. Was möglicherweise auch mit den Äußerungen des Möchtegern-Präsidentschaftskandidaten zu tun haben könnte, wie eine kleine Auswahl nahelegt:

  • "Schaut Euch dieses Gesicht an... Würde jemand für so etwas stimmen? Könnt ihr euch das vorstellen, das hier ist das Gesicht unseres nächsten Präsidenten?" (über die republikanische Mitbewerberin Carly Fiorina)
  • "Sie fängt an, mir alle möglichen absurden Fragen zu stellen. Man konnte sehen, dass Blut aus ihren Augen kam, Blut aus ihr woher auch immer." (über die Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly) 
  • "Ich könnte mitten auf der 5th Avenue stehen und auf jemanden schießen, und ich würde trotzdem keine Wähler verlieren."
  • "Wenn Mexiko seine Leute schickt, schicken sie nicht ihre besten. Sie schicken Leute, die eine Menge Probleme haben, und sie bringen die Probleme zu uns. Sie bringen Drogen. Sie bringen Verbrechen. Sie sind Vergewaltiger. Und manche, nehme ich an, sind gute Leute." (über mexikanische Immigranten) 
  • "Wir müssen mit dem Bau einer Mauer anfangen. Einer großen, schönen, mächtigen Mauer. Keiner baut Mauern besser als ich, glaubt mir. Sie kann ein Tor haben, sie kann eine Tür haben. Wir lassen Leute legal hinein. Mexiko muss für die Mauer bezahlen." (über die Grenze zu Mexiko) 

Friedensforscher Harpviken glaubt übrigens schlicht, dass jemand Trump mit der Nominierung einen PR-Gefallen tun wollte. Was gelungen ist, wie auch dieser kurze Text beweist. Dass der ansonsten zur Selbstbeweihräucherung neigende Unternehmer zu der Angelegenheit schweigt, nährt die Hoffnung, dass er vielleicht doch noch einen klitzekleinen Rest gesunder Selbsteinschätzung besitzt.