US-Republikaner Offensive "Hockey Mum"


Familie, Provinz, amerikanische Stärke - Sarah Palin hatte ihren Auftritt auf dem Parteitag der US-Republikaner ganz unter das Zeichen traditioneller Werte gestellt. Besonders beim Thema Familie konterte sie die Vorwürfe des Gegners - und streifte auch den heißesten Punkt der vergangenen Tage.

Die Schwangerschaft ihrer 17-jährigen Tochter hatte Sarah Palin in den vergangenen Tagen etwas ins Zwielicht gebracht. Schließlich dient es der Glaubwürdigkeit der konservativen und sehr religiösen Vizepräsidentschaftskandidatin nicht unbedingt, wenn ihre unverheiratete Tochter ein Kind erwartet. Auf dem Parteitag in St. Paul/Minnesota erwähnte sie den heiklen Punkt nicht explizit, sagte aber, dass auch die Palins eine ganz normale Familie "mit allen Höhen und Tiefen" gemeint seien, in der auch die Freude mit "Herausforderungen" verbunden seien - eine Anspielung auf die Kritik der vergangenen Tage.

Gleich mehrere Minuten widmete die fünffache Mutter ihren Kindern, ihrem Mann und ihren Eltern, alle im Saal anwesend Palin gab sich quasi als "Mutter von nebenan, oder in ihren Worten als "durchschnittliche Hockey Mum". So werden in Amerika normale Mütter genannt, die ihre Kinder beispielsweise zum Eishockey begleiten.

Mit ihrer Familie versuchte die 44-Jährige auch politisch zu punkten. Ihr 19-jähriger Sohn habe sich freiwillig für den Irak-Krieg gemeldet, und ihr Mann sei Gewerkschafter, sagte Palin. Genau bei letzteren, weißen Arbeitern, hat der politische Gegner Barack Obama, Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Nachholbedarf bei den Wählern. Überhaupt Palins Mann: Mit ihm sei sie seit der High School zusammen, seit zwei Jahrzehnten verheiratet - und er sei immer noch ihr "Kerl", sammelte Palin Treuepunkte bei der konservativen Klientel.

Palin gilt vor allem als wichtig im Hinblick auf den Stimmenfang im ländlich geprägten und tief religiösen Mittleren Westen. Folglich sprach die Gouverneurin von Alaska, früher Bürgermeisterin ihrer Heimatstadt Wasilla, von den Herausforderungen, die ihre Arbeit als Kleinstadtbürgermeisterin mit sich gebracht hätte. "Ich komme aus einer kleinen Stadt", betonte Palin und gewann damit den Jubel der Delegierten. Die Gefolgschaft der Republikaner speist sich viel mehr als die der Demokraten aus der Provinz. Die Bemerkung konterte allerdings auch einen Vorwurf der Demokraten, Palin sei zu unerfahren und weise nur als Provinzpolitikerin Routine auf.

Programmatisch stürzte sich Palin vor allem auf die Energiepolitik, aufgrund der immens gestiegenen Spritpreise ein wichtigs Thema in den USA. Amerika müsse mehr Öl und Gas fördern, um unabhängiger von der "Gnade" der ausländischen Lieferanten wie Russland zu werden, sagte die Gouverneurin des rohstoffreichen Alaska und forderte mehr Pipelines. Sie propagierte aber auch einen Energiemix aus Kernkraft, Kohle und Alternativen Energien.

Während sie beim republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain vor allem seine Eignung als starker Führer, als "Commander in Chief" hervorhob, verschonte sie den Gegner Barack Obama weitgehend. Zwar spottete sie mit Hinblick auf das von Obama abgelehnte Gefangenenlager Guantanamo, dass ihm die "Rechte von Terroristen" offenbar wichtiger seien, als den Irak-Krieg zu gewinnen - obwohl doch jetzt der Sieg bevorstehe.

Es war aber Palins Vorgänger als Redner, Rudy Giuliani, vorbehalten, auf Obama einzudreschen. Der unterlegene Bewerber der Republikaner und ehemalige Bürgermeister von New York nahm sich das Lieblingsthema seiner Partei vor: Obamas angebliche Unerfahrenheit. Er sei kein "Commander in Chief", sagte Giuliani. Er habe keine Krisen bewältigen müssen und sei statt eines Führers nur ein "Prominenten-Senator".

John McCain wurde auf dem Parteitag offiziell zum US-Präsidentschaftskandidaten der Republikanischen Partei nominiert. Bei der Abstimmung der Einzelstaaten erhielt er die notwendige Zahl von Delegiertenstimmen. Seine Antrittsrede will er in der Nacht zum Freitag halten.

ben

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