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US-Wahl Weite Wege, langes Warten: Was Amerikaner für die Wahl alles auf sich nehmen

US-Astronautin Kate Rubins wählt an Bord der ISS.
Wahl im All: US-Astronautin Kate Rubins hat an Bord der ISS ihre Stimme abgegeben.
© NASA / AFP
Viele Wege führen zur Wahl. Bei der US-Präsidentschaftswahl in anderthalb Wochen wollen viele Bürger nichts dem Schicksal überlassen – und sicher gehen, dass ihre Stimmen gezählt werden.

Die diesjährige US-Präsidentschaftswahl wird wichtig. Das lässt sich auch an dem ungewöhnlich hohen Zulauf der Briefwahl und des "Early Voting" erkennen: Rund anderthalb Wochen vor der Wahl haben bereits mehr als 48,5 Millionen US-Amerikaner ihre Stimmen abgegeben. Das ergaben Zählungen der spezialisierten Internetseite "US Elections Project".

Die Möglichkeit des "Early Voting" ist per Post, per Einwurf des Zettels in eine im Freien stehende, gesicherte Urne oder durch persönliches Erscheinen in einem Wahllokal möglich. Einige Amerikaner gingen dabei extra auf Nummer sicher.

US-Astronautin wählt aus dem All

Zu den Millionen von US-Bürgern, die schon vor dem eigentlichen Termin der Präsidentschaftswahl am 3. November gewählt haben, gehört auch eine Astronautin im All. "Ich habe heute gewählt", erklärte Kate Rubins, die sich derzeit in der Internationalen Raumstation (ISS) aufhält, am Donnerstag via Twitter.

Zu Rubins' Internetbotschaft stellte die Weltraumbehörde Nasa ein Foto der 42-Jährigen, auf dem ihr langes blondes Haar in der schwerelosen Umgebung horizontal von ihrem Kopf absteht. Sie steht vor einem Schrank, an dem ein Zettel mit den Worten "ISS Wahlurne" hängt. Die Astronautin bleibt für ein halbes Jahr an Bord der Raumstation.

Die Stimmabgabe aus dem All ist seit 1997 erlaubt. Der texanische Verwaltungsbezirk Harris County hatte Rubins einen gegen Datenraub geschützten Wahlzettel per E-Mail zugeschickt. Zu dem Bezirk gehört die Großstadt Houston, wo die Nasa eines ihrer Zentren hat. Die Astronautin füllte den Wahlzettel elektronisch aus und schickte ihn auf gleichem Wege zurück. Schon bei der Wahl vor vier Jahren hatte Rubins ihre Stimme aus der ISS heraus abgegeben.

94-Jährige fährt für Stimmabgabe mehr als 300 Meilen

Als eine 94-Jährige aus Michigan ihre Briefwahlunterlagen nicht rechtzeitig erhielt, nahm sie die Sache selbst in die Hand. Mildred Madison bestand darauf, dass ihr Sohn sie in das mehr als 300 Meilen entfernte Detroit fährt, damit sie persönlich abstimmen konnte, wie der US-Sender CNN berichtet.

Madison wohnt zwar selbst in Detroit, lebt jedoch seit September 2019 bei ihrem Sohn Julian in Zion, Illinois, da es ihr damals nicht gut ging. Sie beschloss während der Pandemie in Zion zu bleiben und beantragte, dass ihr Stimmzettel nach Illinois geschickt wird. Die Unterlagen ließen jedoch auf sich warten. Obwohl noch Zeit gewesen wäre, dass der Stimmzettel per Post kommt, sagte Madison, sie wolle kein Risiko eingehen. "Ich habe in den letzten 72 Jahren bei jeder Wahl abgestimmt, egal ob Stadt, Bundesstaat, Landkreis oder National", sagte sie.

Also machte sich das Mutter-Sohn-Duo am 12. Oktober gegen 6.30 Uhr auf den Weg und erreichte kurz vor Mittag das Rathaus in Detroit. Julian schob seine Mutter die letzten Meter im Rollstuhl zur Wahlurne. Sie trug eine schwarze Maske mit der Aufschrift "Vote". Nach ihrer Stimmabgabe sagte Madison mit einem Lachen: "Ich habe es geschafft und für die Leute gestimmt, für die ich stimmen wollte, und ich hoffe, sie gewinnen.“ Insgesamt fuhren die beiden mehr als 600 Meilen (mehr als 900 Kilometer) hin und zurück.

Die 94-Jährige engagiere sich schon ihr ganzes Leben als Aktivistin für politisches Engagement und plane auch im hohen Alter damit weiterzumachen. Um jungen Menschen den Wert des Wählens beizubringen, sei es ihr Traum, eines Tages das Mildred Madison Center für bürgerschaftliches Engagement zu eröffnen. Und diese Wahl sei ihr besonders wichtig: "Ich denke, dies ist die wichtigste Abstimmung, die wir jemals hatten", sagte Madison.

Stundenlanges Anstehen vor Wahllokal

Bereits vor Sonnenaufgang standen die ersten Wähler zum Auftakt des "Early Voting" vor einem Wahllokal im texanischen Harris County. Eine 65-Jährige erzählte der "Washington Post", dass sie um 4 Uhr morgens aufgestanden sei, um ihre Töchter – die beide Cheerleader sind – zum Wahllokal zu bringen, damit sie die Leute in der Schlange aufheitern.

In Albuquerque, New Mexico, wartete eine College Studentin stundenlang mit ihrem Vater darauf, dass sie zum ersten Mal ihre Stimme abgeben konnte. “Ich denke, dass bei dieser Wahl einiges auf dem Spiel steht", sagte die 18-Jährige gegenüber der "Washington Post". "Es ist mir sehr wichtig."

Auch an vielen anderen Orten in den USA stehen die Bürger oft stundenlang vor den Wahllokalen in der Schlange – manchmal einen ganzen Tag lang. Doch den meisten ist es das wert.

Manche fürchten, dass es am eigentlichen Wahltag am 3. November Unruhen und Unregelmäßigkeiten geben könnte. Kein Wunder nach den letzten Äußerungen von Präsident Donald Trump, der angekündigt hatte, eine Wahlniederlage nicht zu akzeptieren. Auch die Corona-Pandemie ist ein wichtiger Grund für die zahlreichen Frühwähler. Viele wollen den vermutlich großen Menschenandrang am eigentlichen Wahltag vermeiden.

Weitere Quellen: CNN, "Washington Post"

les / mit Nachrichtenagentur AFP

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