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Schlaganfall-Folgen Usbekischer Machthaber Islam Karimow ist tot

Islam Karimow
Gestorben im Alter von 78 Jahren: der usbekische Präsidenten Islam Karimow
© Bernd von Jutrczenka/DPA
Tagelang wurde darüber gerätselt, ob der usbekische Präsident Islam Karimow nun lebt oder gestorben ist. Sicher war: Er hatte einen Schlaganfall erlitten. Nun hat die Regierung des Landes das Ableben des Autokraten vermeldet.

Wie geht es dem usbekischen Präsidenten und Dauermachthaber Islam Karimow? Diese Frage hatte tagelang zu einer regelrechten Infoschlacht geführt. Noch am Freitagmorgen zitierte die Nachrichtenagentur DPA aus einer offiziellen Regierungserklärung, nach der seine Ärzte die Verfassung Karimows als kritisch bezeichneten. Der Nachrichtenagentur Reuters wiederum lagen Aussagen von Diplomaten vor, nach denen er an den Folgen des Schlaganfalls verstorben sei. Sie sollten Recht behalten. Seit Freitagabend ist es offziell: Der 78-Jährige ist an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben.

Übernehmen nach Karimow Islamisten die Macht?

Karimow regierte das überwiegend muslimische Usbekistan seit 1991. Da die Nachfolgefrage immer noch nicht geklärt ist, befürchten Experten einen Machtkampf. In diesen könnten auch islamistische Extremisten verwickelt sein, für die Usbekistan in den vergangenen Jahren zu einem Rückzugsgebiet geworden ist.

Tagelang wurde vor allem im Internet über den Zustand des Diktators gestritten. Bereits am 29. August hatte die regierungskritische usbekische Nachrichtenseite "Fergana-News" den Tod Karimows vermeldet. Die Nachricht wurde von internationalen Medien aufgegriffen, aber nie offiziell bestätigt. Das hielt eine Reihe von Wikipedia-Autoren jedoch nicht davon ab, das Ableben auf diversen Landesseiten des Lexikons einzutragen. Auf der deutschen Wikipedia etwa wurde das Sterbedatum mehrfach hinzugefügt und wieder gestrichen. 

Karimow lebte oder war tot - je nach Wikipedia-Eintrag

Auf der englischsprachigen Version des Online-Nachschlagewerks wurde dagegen tagelang darüber diskutiert, wie glaubwürdig "Fergana-News" sei, der Todeszeitpunkt wurde aber nicht gestrichen und erst am Freitag mit Verweis auf die Nachrichtenagentur Reuters auf den 2. September aktualisiert. In Russland wiederum artete der Redigierkrieg auf Wikipedia derart heftig aus, dass der Zugriff auf den Karimow-Eintrag teilweise gesperrt werden musste. Einige Administratoren erschien die einzige Quelle "Fergana-News" als zu dünn. Andere glauben, dass das Nachrichtenportal schlicht ein "Propagandainstrument der usbekischen Opposition" sei. Noch am Freitagabend um 19.20 Uhr war er dort noch am Leben.

Trotz der Krankheit des Staatschefs hatte Usbekistan am 1. September den 25. Jahrestag seiner Unabhängigkeit von der Sowjetunion begangen. Die Führung in Taschkent verzichtete aber auf Feierlichkeiten. Karimows traditionelle Fernsehansprache verlas ein TV-Sprecher. Zuletzt wurde Karimow im März 2015 mit mehr als 90 Prozent der Stimmen für ein weiteres fünfjähriges Mandat wiedergewählt. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) äußerte jedoch Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Wahl.

pol/nik

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