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Wink mit dem Zaunpfahl: Warum das Gipfeltreffen von Trump und Kim in Vietnam stattfindet

US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un treffen sich zum zweiten Mal auf offizieller Bühne. Aber warum eigentlich in Vietnam? Der Austragungsort ist ein Wink mit dem Zaunpfahl.

Vietnam als Vorbild: Warum Trump und Kim in Hanoi aufeinandertreffen

Donald Trump (r.), US-Präsident, und Kim Jong Un, Machthaber von Nordkorea, begrüßen sich zu Beginn ihres Treffens auf der Insel Sentosa (Singabur)

DPA

Nach der Glitzermetropole Singapur nun also Hanoi. Der zweite Gipfel zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un geht diese Woche in Vietnams Haupstadt über die Bühne. Das ist kein Zufall.

Vietnam ist ein kapitalistisch erfolgreicher, sozialistisch gelenkter Einparteienstaat mit rund 95 Millionen Einwohnern und einer florierenden Wirtschaft. Das war allerdings nicht immer so.

Vietnam als Vorbild ...

Wie Korea heute war auch Vietnam in Nord und Süd geteilt. Im Vietnamkrieg kämpfte (und siegte) der kommunistische Norden gegen den von den USA gestützten Süden. Die Zahl der vietnamesischen Kriegsopfer wird auf mindestens zwei Millionen Menschen geschätzt, andere Schätzungen gehen von über fünf Millionen aus. Die beiden vietnamesischen Staaten wurden 1976 unter kommunistischer Führung wiedervereinigt, Mitte der 80er-Jahre wurden marktwirtschaftliche Reformen - eine Öffnung und Liberalisierung der Wirtschaft - angestoßen.

Und Vietnam blühte wieder auf: Durch ein schwungvolles Wirtschaftswachstum, die Aufhebung eines US-Handelsembargos, den Abschluss eines Handelsabkommens und schließlich dem Ende des rund 50 Jahre bestehenden Waffenembargos, das Trumps Amtsvorgänger Barack Obama aufhob. Die einstigen Feinde hatten sich wieder angenähert.

Und das ist die Botschaft: Das, was Vietnam heute ist, könnte (Nord-)Korea werden. Dabei hat nicht nur Vietnam als Vorbild den Ausschlag zum Gipfeltreffen gegeben.

... und Gastgeber, auf den sich alle einigen können

Sowohl die Vereinigten Staaten als auch Nordkorea unterhalten zu dem kommunistischen Staat in Südostasien gute Beziehungen. Für Nordkorea ist die "Sozialistische Republik Vietnam" quasi ein Bruderstaat. 

So sieht die Sondermarke aus

So sieht die Sondermarke aus

DPA

Das Gastgeberland würdigt den Gipfel von Trump und Kim sogar mit einer Sonder-Briefmarke. Sie zeigt zwei ineinander greifende Hände in einem stilisierten Herz. Die Hände sind in der Farben der Flaggen Nordkoreas und der USA dargestellt. Links oben auf der Briefmarke ist die Flagge Vietnams abgebildet, daneben eine Friedenstaube und die englische Aufschrift: "Partnerschaft für nachhaltigen Frieden". Das Informationsministerium des Landes teilte mit, mit der Briefmarke wolle Vietnam sich als "verantwortungsvoller und verlässlicher Partner der Internationalen Gemeinschaft bei der Erhaltung von Frieden, Stabilität und Entwicklung" präsentieren. Vietnam fühlte sich geehrt, den Gipfel ausrichten zu dürfen.

Darüber hinaus hat Hanoi mit internationalen Großereignissen Erfahrung. Hier fand auch schon ein Asien-Pazifik-Gipfel mit Staats- und Regierungschefs aus mehr als 20 Ländern statt. 2016 war Trumps Vorgänger Barack Obama zu Besuch. Obama ging sogar in eine traditionelle Küche. Dort saß er auf einem kleinen Hocker, löffelte Suppe und trank Bier aus der Flasche. Der Tisch steht heute hinter Plexiglas.

Der Gipfel findet aller Voraussicht nach im Gästehaus der Regierung und/oder in Hanois Präsidentenpalast statt. Trump hätte es dann von seinem Luxushotel etwas näher als Kim von seiner Unterkunft. Dafür hat der US-Präsident - wie schon in Singapur - die deutlich weitere Anreise: 13.500 zu 4500 Kilometer.

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fs / mit Material der DPA