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Vorwahlen der Republikaner in Florida Mitt Romneys Triumph über das Böse


Mitt Romney triumphiert in Florida. Er und sein Team haben Widersacher Newt Gingrich als das Böse dämonisiert. Doch auch nach der vernichtenden Niederlage scheint der Teufel nicht ausgetrieben.
Von Giuseppe Di Grazia, Orlando

Von Mitt Romneys Leuten wird Newt Gingrich als das Böse angesehen, das sich nicht geschlagen geben will. Wie in einem Film, in dem das Böse nach jedem Schlag wie tot am Boden liegt und dann doch wieder aufsteht und hinterhältig von hinten angreift.

Gingrich war bei den ersten Vorwahlen der Republikaner in Iowa und New Hampshire abgeschlagen auf den hinteren Plätzen gelandet, und dann kam South Carolina, als der ehemalige Parlamentspräsident zur Überraschung aller den Favoriten Romney haushoch besiegte.

Das sollte in Florida nicht noch einmal passieren. Bei der Abstimmung im ersten wirklich großen US-Bundesstaat setzten Romney und sein Team alles daran, dem lästigen Konkurrenten endlich den Killerschlag zu verpassen. Romney attackierte Gingrich bei jeder Gelegenheit. Der als zu brav und bieder verschriene Mormone wurde zum Kämpfer, ritt eine Attacke nach der anderen. Er drängte den Rambo Gingrich in die Defensive, und weil er sowieso über viel mehr Geld als sein Konkurrent verfügt, machte er ihn auch noch mit TV-Spots madig.

In der Nacht zu Mittwoch sahen sich Romney und seine Leute bestätigt. Ihre Strategie hat sich ausgezahlt. Romney gewann den Staat mit 46 Prozent der Stimmen, Gingrich erhielt nur 32 Prozent.

Das Böse gibt nicht auf

Ein Triumph. Aber das Böse gibt immer noch nicht auf.

Newt Gingrich kommt in der Wahlnacht in einem Saal des "Rosen Centre Hotel" in Orlando auf die Bühne. Er weiß schon seit Tagen, dass er diese Schlacht verloren hat. Er wusste bloß noch nicht, wie schlimm es wird. Wer Florida gewinnt, gewinnt auch die Nominierung, heißt es immer bei den Republikanern. Aber Gingrich macht das Spiel der Partei nicht mit, er ist sowieso nicht der Liebling des Establishments. Er gratuliert Romney noch nicht einmal zum Erfolg, er spricht stattdessen darüber, was er alles machen wird an seinem ersten Tag als Präsident im Weißen Haus. Er spricht, als wäre er der Sieger. Als lebte er in seiner eigenen Welt. Er glaubt: "Wenn man sich das Ergebnis genau ansieht, dann sind die Stimmen der Konservativen zahlreicher als die für Romney. Wenn sich alle Konservativen zusammentun, dann werden wir Mitt Romney auch schlagen. Und ich bin der Anführer der Konservativen. Ich werde im August der Nominierte der Partei sein."

Was Gingrich meint: Wenn Rick Santorum aufgibt, der andere konservative Kandidat im Präsidentschaftsrennen, wandern dessen Stimmen zu Gingrich - und damit würde er Romney besiegen. In Florida allerdings geht diese Rechnung nicht auf. Santorum kommt bloß auf 13 Prozent der Stimmen. Romney hat somit mehr als Santorum und Gingrich zusammen.

Gingrich in Florida von Anfang an auf verlorenem Posten

Gingrich hatte in den letzten Tagen noch alles gegeben, um den Trend zu drehen. Er absolvierte bis zu sechs Termine am Tag, hetzte von einer Wahlkampfveranstaltung zur nächsten, im Schlepptau immer seine dritte Ehefrau, die jüngere und platinblonde Calista. Er wirkte müde dabei. Einige Male erlebte er das, was ihm in Plant City passierte. Dort unterbrach er Rentner in einem Diner beim Mittagessen, um sie noch für sich zu gewinnen. Doch die grauhaarige Lady am Tisch 7 sagte ihm: "Sorry, ich habe meinen Stimmzettel schon vor zwei Wochen per Post geschickt - für Romney."

Florida ist einer der Staaten, in denen viele Wähler per Briefwahl abstimmen. Etwa 300.000 Bürger haben ihre Stimme bereits vor zwei Wochen abgegeben, als alles nach einem Romney-Erfgolg aussah, noch vor Gingrichs Sieg in South Carolina.

Entscheidend für Romneys Triumph in Florida war aber auch das, was ihn seit jeher stark macht: sein perfekt organisierter Wahlkampf. Er beackert diesen Staat schon seit Monaten, er hat in allen großen Städten Büros und viele Freiwillige. Hinzu kommt: Florida ist viel größer als Iowa oder New Hampshire. Diesen Staat kann man anders als die beiden ersten Vorwahlstationen nicht allein durch Auftritte und Hausbesuche bei den Wählern gewinnen. Wer Florida erobern will, muss viele TV-Spots schalten. Romney und ihm nahestende Gruppierungen haben dafür knapp 14 Millionen Dollar ausgegeben, fast viermal so viel wie Gingrich und seine Gönner.

Der Löwe wird zum Hühnchen

Aber der wohl entscheidende Faktor war ein anderer: Es ist der neue Mitt Romney. Wie der ehemalige Gouverneur von Massachusetts den ehemaligen Parlamentspräsidenten Gingrich attackierte, auch mit schmutzigen Tricks, das machte Eindruck auf die Republikaner in Florida. Mit seiner neuen Taktik war Romney in den Fernseh-Duellen dem Debatten-König Gingrich plötzlich überlegen. Romney, der kühle Rechner, gab sich emotional, bestens vorbereitet und parierte nicht nur jeden Angriff, sondern holte immer wieder schnell zum Gegenschlag aus. Gingrich stand nach einigen dieser Treffer mit offenem Mund da, das Großmaul war auf einmal sprachlos.

Gingrich, der von seiner eigenen Brillanz so überzeugt ist, dass er sich auf Redeschlachten nicht vorbereitet, versagte bei den beiden Wortgefechten in Florida. Er dachte, Romney würde nach South Carolina Angst haben vor ihm, das würde reichen, aber Romney schlug zurück. Gingrich, das Rhetorik-Monster, wurde zahm und lahm. Er hatte keine Strategie, er wusste nicht mehr, was er tun sollte.

In den Tagen danach erlebte man auf Wahlkampfveranstaltungen einen Gingrich, der sich darüber beschwerte, dass es bei den Debatten mal zu leise im Publikum war oder mal zu laut. Romney hatte aus dem Löwen ein "chicken" gemacht, wie die Amerikaner sagen. Ein Hühnchen, ein Weichei, eine Heulsuse.

Romneys Attacken beschränkten sich aber nicht nur auf die Debatten und Fernsehspots. Er schickte seine eigenen Anhänger zu den Veranstaltungen seines schärfsten Rivalen, die Gingrich dort immer wieder mit Fragen nach dessen Rolle als Lobbyist in Washington piesackten. Gingrich wurde ungehalten. Genau das, was Romneys Leute bezweckten: Sie wollten den Hitzkopf Gingrich zu Wutausbrüchen verleiten. Dessen Pressesprecher griff sich immer wieder Störenfriede. Es gab verbale Scharmützel vor den Zuschauern und Reportern.

Gingrich-Anhänger sind nicht in Partylaune

Am Ende war allen klar, dass Gingrich in Florida hoch verlieren wird.

Direkt nach Schließung der Wahllokale sind gerade einmal 70 Leute auf seiner Party, normalerweise sind um diese Zeit Säle, die die Kandidaten dafür mieten, längst voll. Gingrich-Anhänger wissen, dass sie in dieser Nacht nichts zu feiern haben. Auf einer großen Leinwand wird das neue Motto eingeblendet: 46 States to go, noch 46 Staaten. Es soll Mut machen.

Die ersten Ergebnisse aus dem Wahlbüro treffen ein: Romney bei 51 Prozent, Gingrich 29 Prozent. Es ist der Trend der Nacht. Aus den Musikboxen erklingt ein Lied von Human League: "Don't you want me baby?" Ungewollt der passende Song für Gingrich an diesem Abend.

Später, als Gingrich auftritt, sind etwa 400 Anhänger im Saal. Er spricht nicht lange, hält seine wirre Rede, er fliegt noch in der Nacht nach Nevada, wo er am Morgen in Reno den ersten Wahlkampfauftritt hat.

Als Romney auf die Bühne seines Hotels in Tampa kommt, wird er von mehr als 2000 Menschen bejubelt. Er gibt sich selbstbewusst, erwähnt Gingrich mit keinem einzigen Wort. Er spricht nur über seinen nächsten Gegner: den Präsidenten. Romney gibt den Versöhner seiner Partei und droht Barack Obama: "Wir lassen uns nicht auseinanderbringen. Wir werden vereint sein und gewinnen." Und drischt dann auf Obama ein.

Newt Gingrich setzt nun auf den Super-Tuesday Anfang März, an diesem Tag wählen die Republikaner in zehn Staaten ihren Kandidaten. Vor allem in Südstaaten wie etwa Georgia hofft Gingrich auf die Stimmen der Evangelikalen. Bis dahin will er Woche für Woche, Staat für Staat aufholen. Am Samstag ist die nächste Schlacht, in Nevada. Auch da stehen die Chancen nicht gut für Gingrich. Aber das stört ihn nicht. Er sagt: "Schaut Euch die landesweiten Umfragen an, da liege ich mit Romney gleichauf."

Das Böse wird weiter aufstehen und angreifen.

Obama sollte sich nicht zu sicher fühlen

Der "New Yorker" zeigt in dieser Woche auf seinem Cover eine Zeichnung, in der Obama entspannt auf dem Sofa sitzt, Bier trinkend, lachend, er schaut sich im Fernsehen den Zweikampf von Gingrich und Romney an, die in Football-Ausrüstung aufeinander losgehen.

Doch Obama sollte sich nicht so sicher sein, dass ein langer Wahlkampf unter Parteifreunden wirklich schädlich ist für den Herausforderer. Er weiß das aus eigener Erfahrung. Während seiner epischen Schlacht mit Hillary Clinton vor vier Jahren wurde der junge und unerfahrene Obama von Woche zu Woche zum besseren Wahlkämpfer. Am Ende besiegte er die Favoritin Clinton, später den Republikaner John McCain und wurde der nächste Präsident der USA.


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