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Trump-Regierung hebt Verbot auf: Waffen aus dem 3D-Drucker: Wie dieser "Krypto-Anarchist" die Welt unsicherer macht

Waffen aus dem 3D-Drucker kennt man hauptsächlich aus Science-Fiction-Filmen. Aber bald wohl auch aus der Realität. Schuld daran sind die US-Regierung unter Donald Trump und ein junger Mann, der sich selbst "Krypto-Anarchist" nennt.

Cody Wilson und sein "Liberator", eine Plastikpistole aus dem 3D-Drucker

Am 1. August wird die Welt ein Stück weit unsicherer werden. Ab diesem Mittwoch nämlich wird es deutlich einfacher, sich eine Schusswaffe zu besorgen - oder besser: sie herzustellen. Mit einem entsprechenden 3D-Drucker kann sich dann jeder seine eigene Waffe bequem ausdrucken und zusammensetzen, ohne Seriennummer, ohne dass irgendeine Regierung der Welt überhaupt wüsste, dass es diese Waffe gibt. Die Baupläne dafür werden ab dem 1. August frei zugänglich im Netz stehen, wie unter anderem CNN, der "Guardian" und die "Washington Post" berichten.

Schuld daran ist zum einen die US-Regierung unter Donald Trump, genauer das Außenministerium. Das nämlich hat Ende Juni einen jahrelangen Rechtsstreit mit einer nicht-öffentlichen, außergerichtlichen Einigung beendet. Und das, obwohl man mehrere Verfahrensrunden gewonnen hatte und eigentlich auf einem guten Wege schien, gegen die Klage zu gewinnen. Der andere Schuldige ist ein junger Mann, der sich selbst als "Krypto-Anarchist" bezeichnet und Waffenkontrolle für "eine Fantasie" hält. 

Der "Liberator", die erste Waffe aus dem 3D-Drucker

Cody Wilson konzipierte und baute 2013 die erste Pistole aus dem 3D-Drucker. "Liberator", Befreier, taufte er sein Werk und feuerte die handliche Plastikwaffe damals medienwirksam vor Journalisten ab. Gebaut wird der "Liberator" hauptsächlich aus ABS-Plastik, dem Material, aus dem auch Lego-Steine sind. Einzige Metallteile sind der Schlagbolzen und ein extra hinzugefügtes Stück, weil Waffen in den USA per Gesetz von Metalldetektoren erkannt werden müssen. Lediglich einen Schuss kann man mit dem "Liberator" abfeuern.

Einzige Metallteile vom "Liberator" sind der Schlagbolzen und ein extra hinzugefügtes Stück, um US-Gesetzen gerecht zu werden

Einzige Metallteile vom "Liberator" sind der Schlagbolzen und ein extra hinzugefügtes Stück, um US-Gesetzen gerecht zu werden

Picture Alliance

Der damalige Jura-Student Wilson stellte die Baupläne kostenfrei mit seiner Non-Profit-Organisation Defense Distributed ins Netz. Innerhalb von zwei Tagen sollen sie hunderttausendfach heruntergeladen worden sein. Doch dann schob die Obama-Regierung dem einen Riegel vor. Das Außenministerium verbot Wilson unter Berufung auf ein Gesetz zum internationalen Waffenhandel, die Baupläne ins Netz zu stellen. So könnten schließlich Menschen in Ländern, in die die USA keine Waffen liefern will, eben jene in die Finger bekommen, so die Argumentation. Wilson fügte sich, doch er reichte Klage dagegen ein. Er berief sich sowohl auf den zweiten Zusatzartikel der Verfassung, der US-Bürgern das Recht auf Waffenbesitz zusichert, als auch auf den ersten Zusatzartikel zur freien Rede. Man könne ihm nicht verbieten, Informationen zum Waffenbau zu verbreiten.

Ende Juni nun einigte sich das Außenministerium mit Wilson. Er und seine Organisation dürfen nun Pläne und 3D-Zeichnungen von Waffen auf ihrer Webseite zum Download anbieten. Diese waren vorher lediglich im sogenannten Darknet erhältlich, einem schwer zugänglichen Teil des Internets. Zudem erstatte das Außenministerium Wilson rund 40.000 US-Dollar an Prozesskosten. "Wir hatten nach den Sternen gegriffen und waren uns sicher, dass die Regierung uns zurückweist, aber sie hatten keine Lust auf einen Prozess", wird ein Anwalt bei CNN zitiert.

Cody Wilson will auch Sturmgewehre zum Download anbieten

Und Wilson geht es nicht nur um seine Ein-Schuss-Pistole, mit der er 2013 Schlagzeilen machte. Wie er einem "Wired"-Journalisten bei dessen Besuch in Wilsons Firmensitz zeigte, arbeitet Defense Distributed an unzähligen Bauplänen für allerlei Waffen. Auch Sturmgewehre sollen so hergestellt werden. Für die Metallteile werden computergesteuerte Fräsen eingesetzt. In den USA ist es ohnehin schon vergleichsweise einfach, sich eine Waffe zu besorgen. Auch halbautomatische Sturmgewehre kann nahezu jeder US-Bürger über 21 Jahren kaufen. Ausgenommen sind lediglich Minderjährige, verurteilte Schwerverbrecher, psychisch Kranke oder - je nach Bundesstaat - andere, die bei background checks durchfallen. Das sind etwa Menschen, die wegen häuslicher Gewalt straffällig geworden sind oder unter Terrorismusverdacht stehen. 

Genau diesen Gruppen - ganz zu Schweigen von Kriminellen auf der ganzen Welt - wird es nun einfacher gemacht, sich eine Waffe zu besorgen. Noch dazu eine, ohne Seriennummer, die für Verbrechen eingesetzt und nicht zurückverfolgt werden könnte. Doch Wilson lässt das nicht als Gegenargument gegen sein Vorhaben gelten. Die Pläne seien bereits "da draußen", der digitale Markt lasse sich nicht mehr regulieren, wir seien im 21. Jahrhundert angekommen. Außerdem gebe es nun mal eine Nachfrage nach "nicht rückverfolgbaren Waffen" und sein Unternehmen würde diese bedienen wollen, sagte er "Wired". Dass Menschen damit "schlechte Dinge" tun werden, sei keine Rechtfertigung für ein generelles Verbot.

Die Entscheidung der Trump-Regierung wird auch in den USA scharf kritisiert. Eine Gruppe von Anti-Waffen-Aktivisten wollte die Genehmigung für Wilsons Firma im Eilverfahren blockieren. Dies wurde jedoch am Freitag abgewiesen, weil die Aktivisten nicht nachweisen konnte, überhaupt klageberechtigt zu sein. 

Der demokratische Senator Edward Markey wies Mike Pompeo vergangene Woche auf die Konsequenzen der Freigabe hin und bat Trumps Außenminister mit Blick auf "die internationale und nationale Sicherheit" eindringlich, die Entscheidung zu überdenken. Dass sich die Hamas Sturmgewehre ausdrucken könnte, sei ganz bestimmt nicht im Interesse der USA, so Markey. Pompeo versprach, sich "das genau anzuschauen".

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