Wahl im Irak Der Urnengang beendet nicht die Gewalt

Die Schiiten gewannen wie erwartet die ersten freien Parlamentswahlen im Irak seit mehr als fünf Jahrzehnten. Trotzdem herrschen weiter Gewalt und Terror zwischen Euphrat und Tigris.

Das von Großajatollah Ali al-Sistani unterstützte schiitische Wahlbündnis ging als klarer Sieger aus den Wahlen zum irakischen Übergangsparlament hervor. Dem veröffentlichten Wahlergebnis zufolge entfielen allein auf das Wahlbündnis Vereinigte Irakische Allianz 48 Prozent Stimmen. Die Beteiligung lag insgesamt bei 58 Prozent. Die Gewalt im Irak konnte die Wahl aber nicht beenden.

Mit den Schiiten hat nach Jahrzehnten der Unterdrückung die Bevölkerungsmehrheit erstmals politisch das Sagen. Auf den zweiten Platz kam die Liste der Kurden mit 2,175 Millionen Stimmen oder 26 Prozent. Den dritten Platz belegte die Liste des von den USA unterstützten amtierenden Ministerpräsidenten Ajad Allawi mit 1,168 Millionen Stimmen (13,8) Prozent.

Die Einbindung der Sunniten in den politischen Prozess gestaltete sich hingegen als schwierig. Sie waren am Wahltag weitgehend den Boykottaufrufen gefolgt. In der Provinz Anbar, einer der Hochburgen des Widerstands, lag die Wahlbeteiligung bei nur zwei Prozent. Nur 17.893 Stimmen wurden hier abgegeben. In der Provinz Niniveh, zu der auch die drittgrößte Stadt Mossul gehört, waren es 17 Prozent. Landesweit kam die Liste von Präsident Ghasi al Jawer, einem Sunniten, auf 150.000 Stimmen, das sind zwei Prozent. Der sunnitische Politiker Adnan Patschatschi erhielt nur 12.000 Stimmen - 0,1 Prozent.

Mitte Oktober verabschiedete die irakische Bevölkerung die Verfassung, auf deren Grundlage am 15. Dezember ein neues Parlament gewählt wird. Die sunnitischen Araber haben diesmal eine Teilnahme in Aussicht gestellt.

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