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Pressestimmen

Saarland-Wahl: "Zweifel wachsen, ob die Schulz-Welle die SPD ins Kanzleramt spült"

Trotz aller Erwartungen: Ein Testlauf für die Bundestagswahl war der Urnengang an der Saar beileibe nicht. Dass die SPD es zuließ, die Saarländer quasi über die Chancen von Martin Schulz abstimmen zu lassen, nennen Kommentaren einen fatalen Fehler. Die Pressestimmen.

Martin Schulz verlässt Willy-Brandt-Haus nach seinem Statement zur Saarland-Wahl

Hatte sich bei der Saarland-Wahl ein besseres Ergebnis erhofft: Martin Schulz (l.) verlässt nach seinem Statement das Podium im Berliner Willy-Brandt-Haus.

Fast herrscht so etwas wie Ernüchterung. Nein, die Wahl im kleinen Saarland war kein Testlauf für die Bundestagswahl. Und ja, die Saarländer sahen mehrheitlich überhaupt keinen Grund, ihre erfolgreiche CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer abzuwählen. Daran änderte auch der Hype um SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz nichts. Den Bundestagswahl-Kämpfern haben die Saarländer dennoch ein paar Denkaufgaben mitgegeben - auch angesichts der hohen Wahlbeteiligung.

So sehen die Kommentatoren die Lage nach der Saarland-Wahl. Die Pressestimmen:

"Süddeutsche Zeitung": Hype kommt, Hype geht

"Hype kommt, Hype geht. In einer Demokratie zählt nicht der Hype, sondern das Wahlergebnis. Und das bleibt für die SPD im Saarland weit hinter dem Hype zurück. Die Begeisterung für die Martin-Schulz-SPD ist in den Umfragen brausender, als sie sich im Saarland zeigt. Das Wahlergebnis dort ist für die euphorisierte SPD ernüchternd; es zeigt sich, dass der Auferstehung der Partei noch lange nicht ihre Himmelfahrt folgt. Für die von der Schulzomania verstörte Union aber ist das Wahlergebnis Labsal. So überraschend der Schulz-Aufschwung (nicht nur) für die Union war, so unerwartet ist jetzt (nicht nur für die Union) der Erfolg der Annegret Kramp-Karrenbauer. Angela Merkel mag sich sagen: Man darf sich nur nicht aus der Ruhe bringen lassen. Das mag schon sein; aber auf dem Ruhekissen wird die Kanzlerin den Wahlkampf nicht verbringen können."


"Frankfurter Allgemeine Zeitung": Kapitaler Fehler der SPD

"Noch vor wenigen Monaten deutete nichts darauf hin, dass die erste Landtagswahl des Jahres 2017 zu einem veritablen Aufgalopp für die folgenden Wahlgänge in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen bis hin zu der ... anstehenden Bundestagswahl werden sollte. Doch nach der Inthronisation des Halb-Saarländers Martin Schulz als 100-Prozent-Kanzlerkandidat war auch in dem kleinsten, oft als provinziell geschmähten Flächenland nichts mehr so, wie es lange Zeit schien... Jetzt machten die im Schulz-Rausch vollkommen enthemmte Sozialdemokraten die Saar-Wahl zu einem Plebiszit über die Ambitionen ihres neuen Vorsitzenden auf die Kanzlerschaft. Zugleich sollten die Saarländer über die Machtoption der SPD befinden, zusammen mit der Linkspartei die Union aus der Landesregierung zu drängen. Was für ein kapitaler Fehler!"

"Hannoversche Allgemeine Zeitung": Merkel muss raus aus der Schläfrigkeit

"Bundeskanzlerin Merkel sollte sich hüten, das Saar-Ergebnis falsch zu interpretieren. Ja, es ist für die CDU ein guter Start in dieses Superwahljahr. Aber es sagt dann doch noch nicht allzu viel aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird raus müssen aus der Schläfrigkeit, mit der sie die Union führt und bis zum Sommer ruhigstellen will. Schon die Wahl in Nordrhein-Westfalen bringt die wirklich wichtige Kraftprobe."


"Saarbrücker Zeitung": Kramp-Karrenbauer der neue CDU-Star

"Die CDU Deutschlands hat mit Annegret Kramp-Karrenbauer einen neuen Star und die SPD mit Martin Schulz einen Hoffnungsträger, der gerade seinen ersten harten Dämpfer erhalten hat. (. . .) Selbst Schulz spricht von einem "Kramp-Karrenbauer-Effekt" - eine starke Form der Anerkennung durch den neuen SPD-Chef und Kanzlerkandidaten. Da er sich selbst so stark in den Wahlkampf im Geburtsland seines Vaters eingebracht hat, ist es auch seine Niederlage."

"Kölner Stadt-Anzeiger": Zweifel an der Schulz-Welle wachsen

"Die Sozialdemokraten müssen sich nun erst einmal fragen, was die Saarland-Wahl für den Schulz-Hype bedeutet. Die Zweifel, ob allein die Schulz-Welle die SPD im Herbst ins Kanzleramt spülen kann, werden nun wachsen. Zumal auch die Klippen der Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen im Mai noch überstanden werden müssen. Schnurrt das Gerechtigkeitsprofil der Schulz-Truppe unter Sachzwängen und Pragmatismus zusammen, dürfte ihre neue Mobilisierungskraft erlahmen."

"Nürnberger Nachrichten": Ergebnis für SPD heilsam

"Die Sozialdemokraten erleben ein Ende des teils surrealen Schulz-Höhenflugs - ein vielleicht heilsames Ergebnis: Zu gewagt waren die sehr frühen Hoffnungen auf einen Durchmarsch von den Umfrage-Hochs direkt ins Kanzleramt. Solche Wunder muss man sich hart erarbeiten - härter, als dies die SPD bisher auf Wolke Sieben getan hat. Aber auch die CDU kann sich nun nicht erleichtert zurücklehnen. (...) Weder in Schleswig-Holstein noch in Nordrhein-Westfalen verfügt die CDU über Zugpferde, über Sympathieträger, die den SPD-Amtsinhabern bisher wirklich gefährlich werden konnten. Dort drohen der Union jene Rückschläge, die sie nun dank einer starken Amtsinhaberin samt einer gut funktionierenden Großen Koalition in Saarbrücken vermeiden konnte."


"Straubinger Tagblatt": CDU-Wahlkämpfer haben Thema verloren

"So erfreulich es für die CDU ist, klare Hinweise darauf, wie die SPD nun wirklich denkt, wird es im Saarland kaum geben. Denn ein Bündnis mit den Linken ist rechnerisch nicht möglich. Eigentlich wollten die Wahlkämpfer um CDU-Chefin Angela Merkel Herausforderer Schulz ein mögliches solches Bündnis im kleinsten Flächenland um die Ohren hauen. Doch daraus wird nichts. Und wie hält es der SPD-Kandidat mit selbst-erklärtem Anspruch auf die Kanzlerschaft nun wirklich mit der Linken? Die Antwort darauf ist vorerst verschoben."

"Volksstimme": Landeschefs werden wiedergewählt - gleich welcher Couleur

"Das hatten sich die Wahlkämpfer von SPD und Linken ganz anders vorgestellt: Nach den jüngsten Umfragen sah es ganz nach dem ersten rot-roten Bündnis im Westen Deutschlands aus. Daraus wird nun nichts. Annegret Kramp-Karrenbauer hat den Landtagswahl-Trend des vergangenen Jahres fortgesetzt, als sämtliche Regierungschefs gleich welcher Couleur hinzugewinnen konnten. Zwar hat die SPD nach der Ausrufung von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten an der Saar wieder deutlich zulegen können. Doch der gestrige Wahlabend zeigt, dass der 'Schulz-Effekt' seine Grenzen hat."

"Stuttgarter Nachrichten": Aus dem Umfragetief geführt

"Die Begeisterung, die Schulz seit seiner Nominierung als Kanzlerkandidat entfacht, hat die SPD im Saarland aus dem Umfragetief herausgeführt, in dem sie noch im Januar festsaß. Die Sozialdemokraten sind in der Wählergunst zurück auf dem Niveau, das sie bei der letzten Landtagswahl an der Saar vor fünf Jahren erreichten. Das ist weit mehr, als sie vor einigen Wochen erwartet haben. Aber es ist deutlich weniger, als sie - euphorisiert vom bundesweiten Schulz-Hype - zuletzt erhofft haben."

"Der Standard" (Wien): Umfragen sind noch keine Wahlergebnisse

"Schulz hat zwar mit seinem Auftauchen in der Bundespolitik selbige wieder spannend gemacht, weil er der frustrierten SPD Hoffnung gab und der Einzug ins Kanzleramt durchaus in den Bereich des Möglichen rückte. Schließlich liegen Union und SPD in Umfragen seit einiger Zeit gleichauf. Aber es sind eben nur Umfragen und noch keine Wahlergebnisse. Dazwischen gibt es, wie sich nun im Saarland zeigt, doch noch einen Unterschied."


dho