Wahl in Frankreich Ausgang völlig offen


In zwei Wochen kommt es zur erwarteten Stichwahl zwischen Nicolas Sarkozy und Ségolène Royal - bis dahin bleibt das Rennen um das höchste Amt in Frankreich spannend. TV-Duelle und die Empfehlung des unterlegenen Kandidaten Francois Bayrou werden das Duell entscheiden.
Ein Kommentar von Tilman Müller

Groß war die Spannung, seit Wochen schon. "Alles kann passieren", titelte die Tageszeitung "Le Parisien" am Sonntag. Diesmal jedoch behielten die Umfragen recht, die seit Monaten ein Duell zwischen Nicolas Sarkozy und Ségolène Royal prognostiziert hatten. Der Ausgang des ersten Wahlganges brachte wie erwartet keine Überraschung, sondern lediglich eine Vorentscheidung; absolut spannend wird es erst beim Finale zwischen der Sozialistin und dem Konservativen am 6. Mai. Gut für Frankreich, dass der Rechtsradikale Jean-Marie Le Pen anders als vor fünf Jahren, als er gegen Jacques Chirac in die Stichwahl kam, abgeschlagen auf Platz vier landete.

Nicolas Sarkozy hat ein Traumergebnis eingefahren. Seit 1983, als Valery Giscard d'Estaing 28 Prozent bekam, hat kein Kandidat der Rechten im ersten Wahlgang soviel Stimmen bekommen. Vielen Anfeindungen in den letzten Tagen zum Trotz wurde der UMP-Chef seiner Favoritenrolle gerecht und hat nun - mit den Stimmen aus den rechtsnationalen Lagern Le Pens und Philippe des Villiers - die besten Chancen, Frankreichs nächster Präsident zu werden.

Royal hat eine kohärente Vision

Ségolène Royal hat es geschafft, die traumatische Niederlage der Sozialisten vor fünf Jahren, als Lionel Jospin schmählich Le Pen unterlag, abzuschütteln wie einen bösen Traum. Sie hat bewiesen, dass die nicht nur eine "Madonna der Meinungsumfragen" ist, nicht nur eine blendend aussehende Frau, sondern eine kluge Politikerin, die eine kohärente Vision hat. Royal weiß weite Teile der Bevölkerung für ein sorgfältig ausgearbeitetes Programm zu begeistern und kann nun eventuell Frankreichs erste Präsidentin werden.

Wer in zwei Wochen die Stichwahl gewinnen wird, ist im Moment noch vollkommen offen. Viel wird davon abhängen, wie François Bayrou, der unterlegene Mann der Mitte, sich mit seinem beträchtlichen Wählerpotential verhält. Noch ist unklar, ob er seine Wähler ermutigt, zu Sarkozy zu wandern oder zu Royal. An einer Allianz Royal-Bayrou basteln verschiedene sozialistische Politiker schon seit etwa 14 Tagen, doch vor der heutigen Wahl äußerten sich beide Spitzenpolitiker nicht zu dem Thema. Bekannt ist allerdings, dass Sarkozy und Bayrou sich nicht mögen und zwischen ihnen seit Mai 2005 Funkstille herrscht. Damals waren die beiden auf einer Veranstaltung zur Verteidigung der EU-Verfassung in der Stadt Rouen. Hinterher bot Sarkozy dem Kollegen Bayrou an, ihn im Flugzeug ins 134 Kilometer entfernte Paris mitzunehmen. Bayrou lehnte ab mit den Worten: "Ist doch lächerlich, für solch eine kurze Strecke einen Flieger zu nehmen."

Bayrou und Royal kommen bei einfachen Leuten an

Bayrou ist ein bodenständiger Typ, ähnlich wie Royal, die mit der Bahn schon mal in der zweiten Klasse fährt. Die Sozialistin und der Zentrumsliberale sind eher Politiker, die bei den einfachen Leuten ankommen. Beide gaben ihre Stimme am heutigen Tag in der Provinz ab. Ganz anders Sarkozy, der Darling der Milliardäre, der im Zentrum der Pariser Macht steht, mit besten Drähten zu den Medien und zum Geheimdienst.

Eigentlich wird das Rennen um den Einzug in den Elysée-Palast erst jetzt so richtig aufregend. Denn bisher gab es keinerlei TV-Debatten zwischen den Kandidaten, nun aber könnte es zu einem direkten Duell der Worte zwischen den beiden Kontrahenten kommen - besonders pikant, weil sich schließlich erstmals ein Franzose und eine Französin gegenüberstehen. Da gibt es auch typisch französische Gebote der Höflichkeit, die aber wohl - beim zunehmend schmutzigen Wahlkampf der letzten Tage - kaum mehr einzuhalten sind. "Sarkozy wird es schwer haben gegen eine Frau", sagt ein UMP-Stratege, "er darf nicht zu sehr den Macho herauskehren". Und François Hollande, Royals Lebensgefährte und Parteiführer der Sozialisten, weiß: "Es ist nicht leicht, Ségolène zu widersprechen."


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