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Rassismusdebatte : Ureinwohner angeblich provoziert: Schüler verklagt "Washington Post" auf 250 Millionen Dollar

Ein junger Trump-Fan habe während einer Demonstration in Washington einen Ureinwohner provoziert und beleidigt - durch sein Lächeln, schrieben im Januar viele US-Medien. Unter ihnen auch die "Washington Post", die nun verklagt wird.  

Jugendliche Trump-Anhänger stören eine Kundgebung von amerikanischen Ureinwohnern 

Im Januar hat ein kurzes Video in den USA die Rassismus-Debatte befeuert. Die Aufnahme zeigt eine Begegnung zweier Demonstrationsgruppen am Lincoln Memorial in Washington: Auf der einen Seite Schüler der Covington Catholic High School aus Park Hills in Kentucky, auf der anderen Seite eine Gruppe von Ureinwohnern, die unter dem Slogan "Indigenous Peoples March" zum Lincoln-Monument gelaufen war. In den Fokus der Videosequenz, die für Diskussionen sorgte, geriet der 16-jährige Nicholas Sandmann. Er wurde dabei gefilmt, wie er ruhig lächelte, während vor ihm der Ureinwohner Nathan Philipps laut sang und die Trommel schlug. Um die beiden herum standen johlende Schüler.

Das Verhalten des Schülers wurde anfangs von vielen als Provokation ausgelegt. Die "Washington Post" war unter den ersten Medien, die über den Vorfall berichteten. Nun verklagt die Familie von Sandmann die Zeitung wegen Diffamierung und fordert Schadenersatz in Höhe von auf 250 Millionen Dollar. In der Anklageschrift heißt es, die "Washington Post" habe den Teenager "angegriffen und gemobbt“, um Präsident Trump in Verlegenheit zu bringen, da Sandmann ein weißer katholischer junger Mann wäre, der eine "Make America Great Again"-Mütze getragen habe. "Die 'Post' hat grundlegende journalistische Standards ignoriert, weil sie ihre bekannte und leicht nachweisbare Agenda gegen Präsident Donald Trump vorantreiben wollte, indem sie Personen beschimpfte, die als Unterstützer des Präsidenten wahrgenommen werden", so die Anklage. 

Um der Zeitung "eine Lektion zu erteilen, die sie nie vergessen wird", fordern die Anwälte von Sandmann 250 Millionen Dollar, "genau die Summe, die Jeff Bezos, die reichste Person die Welt, einst in bar bezahlt hat", als er 2013 die "Washington Post" gekauft hat. 

Weitere Aufnahmen stützten die Version der Schüler 

Tatsächlich war das Zusammentreffen der beiden Gruppen nicht so eindeutig wie anfangs dargestellt. Mehrere Aufnahmen zeigen nämlich, dass die Stimmung auf dem Platz schon zuvor angespannt war. Und zwar wegen einer anderen Demonstrationsgruppe. Bevor die Ureinwohner auf der Bildfläche erschienen waren, predigten die "Schwarzen Hebräer" lautstark vor dem Lincoln-Memorial und beschimpften die Schüler unter anderem als Rassisten, Inzest-Babys und Schwuchteln. Die "Schwarzen Hebräer" sind Afroamerikaner, die behaupten, dass sie von antiken Israeliten abstammen. Manche Teenager zückten ihre Handys und filmten die Szene, die meisten von ihnen blieben anscheinend jedoch ruhig. Ein Video zeigt, wie schließlich wenig später die Gruppe der Ureinwohner zwischen die beiden Gruppierungen läuft. Laut trommelnd stellt sich Ureinwohner Nathan Philipps vor die Schüler. Es kommt zu der Szene, die anschließend für so viel Aufsehen sorgen sollte. 

Philipps selbst erklärte später, dass er gemerkt hatte, wie die Stimmung zwischen den Schülern und "Schwarzen Hebräern" zu eskalieren drohte. Deswegen seien er und seine Mitstreiter zwischen die beiden Gruppen gelaufen. Er habe weiter getrommelt und gebetet, dass die Demonstration friedlich beendet werden können, sagte der 64-Jährige im Interview mit MSNBC.

Sandmann erklärte ebenfalls, dass er die Situation bloß deeskalieren wollte. "Ich betete still, dass die Situation nicht außer Kontrolle gerät", schrieb der Schüler in einer Stellungnahme. Er habe den älteren Mann angelächelt, um ihm zu zeigen, dass er nicht wütend werde, so Sandmann.

Quellen: "Washington Post", United States District Court Eastern District of Kentucky, MSNBC

ivi