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Widerstand bei der Bevölkerung Flüchtlingsstrom überflutet Lampedusa


Die Bevölkerung geht auf die Barrikaden: Der Ansturm von Flüchtlingen auf die süditalienische Insel Lampedusa schwillt wieder an, die Aufnahmelager sind überfüllt. Nun sollen ein Marineschiff und Zeltlager etwas Abhilfe schaffen.

Immer mehr Flüchtlinge drängen auf die süditalienische Felsinsel Lampedusa. Insgesamt strandeten am Samstag 378 Flüchtlinge an verschiedenen Orten der winzigen Insel, am Sonntag wurden weitere Boote erwartet. Die Flüchtlinge stammen zumeist aus Tunesien und kommen mit kleinen Booten auf Lampedusa an. Italien bemüht sich um eine rasche Vereinbarung mit der neuen Regierung in Tunis, um den Strom einzudämmen.

Mit knapp 3800 Flüchtlingen waren das Aufnahmelager und andere Auffangstellen auf Lampedusa am Wochenende völlig überfüllt. Das Lager ist nur für 850 Menschen ausgelegt. "Die Situation ist menschenunwürdig. Es fehlt selbst an Wasser", berichteten Helfer im öffentlichen TV-Sender RAI.

Die Insel habe bei der Regierung von Silvio Berlusconi um ein Marineschiff gebeten, um in der angespannten Lage zumindest vorübergehend Abhilfe zu schaffen, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf militärische Quellen. Das Schiff soll etwa 1000 Einwanderer von der Insel in andere Lager bringen.

Viele der Einwohner Lampedusas wehren sich gegen die Flüchtlinge. Hunderte Bürger verhinderten am Sonntag zunächst, dass ein anderes Schiff mit Zelten für die Flüchtlinge im Hafen anlegen konnte. Sie wollen keine Zeltlager dort, sondern die Verlegung der Immigranten.

Auf Lampedusa war es bereits am Freitag zu Zwischenfällen gekommen. So hatten aufgebrachte Bürger über Stunden die Molen der zwei Häfen besetzt und Anlegemanöver der Küstenwache blockiert. Sie wollten damit die Ankunft weiterer Flüchtlinge verhindern, die von ihren brüchigen Schiffen gerettet worden waren. Erst am späten Abend gelang es den Behörden, die rund 200 Bootsflüchtlinge von den insgesamt vier Schiffen der Küstenwache an Land gehen zu lassen.

Das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) warnte, die Lage könnte sich dramatisch zuspitzen, falls auch eine Fluchtwelle aus Libyen einsetze. Was die Migranten aus Tunesien angehe, hoffe Italien darauf, bereits in den nächsten Tagen mit Tunis zu einer Lösung zu kommen, erklärte Außenminister Franco Frattini. Rom stelle dafür 90 Millionen Euro bereit und könne auch mit Schiffen helfen, Flüchtlingsboote bereits vor der tunesischen Küste zu stoppen.

Nach dem Sturz des tunesischen Diktators Zine el Abidine Ben Ali hatten Mitte Februar innerhalb weniger Tage mehr als 5600 Menschen aus dem nordafrikanischen Land Lampedusa erreicht. Die nur 20 Quadratkilometer große Insel selbst zählt etwa 4500 Einwohner. Nur 130 Kilometer von Tunesiens Küste entfernt und wegen der Nähe zu Afrika gilt die Insel seit langem als ein "Tor nach Europa".

vim/DPA DPA

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