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Zerissenheit zwischen Afghanistan und den USA US-Regierung weist Karsai-Äußerungen zurück


Ein Selbstmordanschlag in Kabul, eine provokante Rede von Präsident Hamid Karsai und eine abgesagte Pressekonferenz: Der erste Afghanistan-Besuch Chuck Hagels war von Zwischenfällen überschattet.

Während des Antrittsbesuchs des neuen US-Verteidigungsministers in Afghanistan hat Präsident Hamid Karsai seine Kritik an den USA deutlich verschärft. Karsai sagte, die jüngsten Anschläge der Taliban spielten den USA in die Hände. Sie dienten der Washingtoner Regierung dazu, eine Präsenz ausländischer Truppen in Afghanistan auch in Zukunft zu rechtfertigen. Das US-Militär reagierte verstimmt auf die Äußerungen Karsais, der sich bereits wiederholt US-kritisch zu Wort gemeldet hatte. Als sich Minister Chuck Hagel in Kabul aufhielt, riss ein Selbstmordattentäter in der Hauptstadt neun Menschen in den Tod. Den USA zufolge war Hagel außer Gefahr. Eine Pressekonferenz des Ministers mit Karsai wurde laut den USA aus Sicherheitsgründen abgesagt.

Der Präsident überraschte am Wochenende zudem mit Äußerungen über angebliche Gespräche der USA mit den Taliban. Sowohl die Islamisten als auch die Washingtoner Regierung wiesen die Darstellung Karsais zurück, ranghohe Vertreter der Taliban und der USA kämen im Golfemirat Katar täglich zu Unterredungen zusammen. "Das ist schlicht falsch", sagte ein Vertreter der US-Regierung. "Die Taliban weisen Karsais Äußerungen entschieden zurück", sagte ein Sprecher der Islamisten.

Die Taliban bekannten sich aber zu dem Bombenanschlag vor dem Verteidigungsministerium am Samstag. Es handele sich um eine Botschaft an US-Minister Hagel, hieß es. Laut US-Militär hielt sich Hagel an einem sicheren Ort in einem Isaf-Gebäude auf. Bei den neun Toten handele es sich um Zivilisten, sagte ein afghanischer Ministeriumssprecher. Bei einem weiteren Anschlag in Afghanistan wurden acht Menschen getötet.

Karsais Äußerungen "schlicht falsch"

Die Bomben hätten nicht den USA die Macht der Taliban demonstriert, sagte Karsai. Sie hätten vielmehr den USA gedient, die so ihre Forderung nach einer Militärpräsenz über 2014 hinaus untermauern könnten. Die Regierung in Washington will bis Ende nächsten Jahres die meisten der noch 66.000 in Afghanistan stationierten Soldaten abziehen. Für die Zeit danach will sie aushandeln, dass ein kleineres Truppenkontingent dauerhaft am Hindukusch bleibt. Viele Afghanen sind der Anwesenheit ausländischer Soldaten müde und stellen die US-Ziele infrage. Die US-geführten Truppen haben die Taliban 2001 von der Macht vertrieben, nachdem die Islamisten Al-Kaida-Führer Osama bin Laden Unterschlupf gewährt hatten.

US-General Joseph Dunford wies entschieden zurück, dass Gewalt oder Instabilität in Afghanistan den USA zugutekäme. Dafür hätten die amerikanischen Truppen zwölf Jahre lang zu hart gekämpft, zu viel Blut vergossen und den afghanischen Sicherheitskräften zu sehr geholfen. "Ich überlasse Anderen die Entscheidung darüber, ob das auf politischer Ebene besonders hilfreich war oder nicht", fügte Dunford mit Blick auf Karsai hinzu.

kave/DPA DPA

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