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CSU-Vorsitzender: Offener Brief auf Facebook: "Sie, Herr Seehofer, sind nicht mein Bayern"

Ständig schießt die CSU mit Äußerungen gegen den Islam quer. Jörg Brühmann, ein Urbayer, hatte "die Schnauze voll". Sein offener Brief auf Facebook an Horst Seehofer wird nun tausendfach geteilt.

Jörg Brühmann ist 34 Jahre alt, ein waschechter Bayer und er findet: "Wir müssen reden." Denn der gebürtige Regensburger, der heute in Rosenheim wohnt, macht sich Sorgen um seine geliebte Heimat. Die Politik der CSU, die in Bayern seit Jahrzehnten reagiert, und vor allem die Ansichten von deren Vorsitzendem Horst Seehofer stoßen Brühmann sauer auf. Seinem Ärger hat er jetzt in einem Facebook-Post Luft gemacht, der in den sozialen Netzwerken für Aufsehen sorgt.

Wir müssen reden. Es geht um einen Mann, dessen Aufgabe es lange war, das Land aus dem ich komme zu vertreten. Und den...

Gepostet von Jack Brewman am Mittwoch, 21. März 2018

"Mein Bayern braucht keine Mauern und keine scharfen Grenzen. Keine Überwachung oder Geheimpolizei", schreibt Brühmann: "In meinem Bayern glauben wir an ein freies Europa und suchen nicht den Schulterschluss mit Populisten." Direkt an den CSU-Chef und neuen Bundesinnenminister gewandt stellt er fest: "Sie, Herr Seehofer, sind nicht mein Bayern."

Statt die bayrische Kultur zu konservieren, müsse man sie feiern – "und jeden einladen, der sie mit uns feiern will". Jörg Brühmanns Post wurde mittlerweile schon mehr als 3.000 Mal geteilt. Sein Motto lautet: "Ned mei Bayern, ned mei Horst."

Ein Zeichen gegen Seehofers Islam-Aussagen

"Nach der letzten Seehofer-Aussage hatte ich die Schnauze voll", sagte der promovierte Biologe dem stern. Seehofer sowie CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hatten zuletzt wieder deutlich gemacht, dass der Islam für sie "nicht zu Deutschland gehört".

"Das Thema wird wie die sprichwörtliche Sau durch's Dorf getrieben, während man hintenrum über das Polizeiaufgabengesetz redet, die Grenzen stärker kontrollieren will und an den Grundfesten Europas rüttelt." Dagegen wollte er mit seinem vielbeachteten Post ein Zeichen setzen.

Das Feedback, das er auf seinen Text bekomme, sei durchaus gemischt, berichtet Brühmann im Gespräch mit dem stern. Viele werfen ihm vor, kein echter Bayer zu sein: "Dass man mir vorwirft, Hochdeutsch zu reden, passiert mir zum ersten Mal", schmunzelt er. Einige der Reaktionen hat Brühmann in einem weiteren Post gesammelt.

Ok, der Post ist seit etwa 40 h online. Über 5.000 Reaktionen, fast 3.000 mal geteilt, (bisher) 2 Presse-Artikel. Ich...

Gepostet von Jack Brewman am Freitag, 23. März 2018

Doch mit seinen Aussagen hat er auch einen Nerv getroffen: "Neben dem ganzen Geschrei sagen mir unglaublich viele Leute 'Recht hat er'. Das zeigt mir, dass ich mit meiner Meinung nicht alleine dastehe."