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Pressestimmen

100 Tage GroKo: "Keiner mag wetten, ob dieses Projekt die 200-Tage-Marke erreicht"

Die Große Koalition ist hundert Tage im Amt und in desolatem Zustand. Trotzdem hat das vierte Kabinett Merkel auch schon einiges umgesetzt. Wie es weitergeht, wagt aber kaum jemand zu prognostizieren. Die Pressestimmen.

100 Tage GroKo: Die Pressestimmen zur Großen Koalition

Die Parteichefs der Großen Koalition: Angela Merkel (CDU), Horst Seehofer (CSU) und Andrea Nahles (SPD, v. l.)

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Nach 117 Tagen hat sich das vierte Kabinett Merkel zusammengerauft. Nun ist das Regierungsbündnis aus Union und SPD hundert Tage alt - und kaum jemand weiß, ob die Große Koalition (GroKo) auch in den nächsten hundert Tagen noch Bestand haben wird: Die Migrationsfrage droht die Schwesterparteien CDU und CSU zu entzweien, die SPD sieht ihre sozialdemokratische Linie in Gefahr - die Zukunft der GroKo scheint ungewiss. 

Insofern ist die obligatorische Bilanz der Bundesregierung nach hundert Tagen auch eine Zukunftsprognose, versehen mit vielen Fragezeichen: Wie soll es nach dem Zwist weitergehen (lesen Sie hier mehr zu den möglichen Szenarien)? Können sich die Koalitionspartner zusammenraufen? Oder wird das vierte Kabinett Merkel als kürzeste Regierungszeit in die bundesdeutsche Historie eingehen? In der Presse blickt kaum jemand mit Begeisterung auf die letzten hundert Tage der Großen Koalition zurück. Das Medienecho.

Die Presse-Bilanz zur Großen Koalition

"Frankfurter Allgemeine Zeitung": "Es ist beachtlich, wie schnell die Koalition in ihren ersten hundert Tagen von einem Thema eingeholt wurde, das etliche ihrer Mitglieder schon im Wahlkampf am liebsten ganz nach hinten verdrängt hätten. Ja, hundert Tage sind schon vergangen – und ob die Bundesregierung die nächsten hundert Tage übersteht, hängt nicht zuletzt davon ab, wie die Verdrängungskünstler miteinander umgehen: diejenigen unter ihnen, die weiterhin das Thema Asyl und Einwanderung für nicht so wichtig halten, und diejenigen (meist in Bayern zuhause), die alle anderen Themen verdrängen wollen."

"Rheinische Post": "Die Stimmung zwischen den Verantwortlichen ist so verfahren, dass wohl kaum einer wetten mag, ob dieses Projekt auch die 200-Tage-Marke erreicht. (...) Gewöhnlich signalisieren die ersten hundert Tage einer Regierung, wieviel die Menschen von ihr in den folgenden tausend Tagen bis zum nächsten Wahlkampf erwarten dürfen. Diese hundert Tage haben indes das mühsame Suchen nach Mehrheiten und Schnittmengen aus den Koalitionssondierungen nicht beendet, sondern verstärkt."

"T-Online": "Innenpolitisch hat die Koalition manches auf den Weg gebracht (...) Man vergisst das manchmal, über all dem Streit, aber: die Regierung regiert auch. (...) Im Großen aber steht die Regierung da, wo sie vor 100 Tagen schon stand: Die Kanzlerin und ihre Unterstützer auf der einen und die CSU und kleinere Teile der CDU auf der anderen Seite sind sich fundamental uneinig darüber, ob Flüchtlinge und der Islam ein Riesenproblem sind (Merkel: nein; CSU: ja, ja, ja, ja, ja!). So begann es am Tag der Vereidigung, so geht es derzeit weiter."

"Frankfurter Rundschau": "Es war einmal eine Zeit, da galten große Koalitionen als träge, aber stabil. Einhundert Tage nach Gründung der vierten schwarz-roten Bundesregierung hat man eher den gegenteiligen Eindruck: statt langweilig und solide wirkt die große Koalition hysterisch und labil; was früher als Hort der Stabilität galt, klingt eher nach Kinderhort. (...) Die drei Partner des Bündnisses haben haben völlig verschiedene Ziele, die einander oft genug widersprechen."

"Der Spiegel" (Video): "Wir hatten die längste Regierungsbildung aller Zeiten, jetzt haben wir eine gute Chance auf die kürzeste Regierungszeit aller Zeiten. Halten CDU und CSU durch? Gibt es noch eine Union in hundert Tagen? Da bin ich mir wirklich nicht sicher. Eine Bundesregierung wird es in hundert Tagen sicherlich noch geben - die Frage ist nur, wie die dann aussieht. (...) Wenn CDU und CSU wirklich auseinanderbrechen, wird es am Ende auf Neuwahlen hinauslaufen müssen. Nichts anderes wäre demokratisch legitimiert." 

fs