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13. Februar 1945: Dresden gedenkt der Zerstörung vor 60 Jahren

Mit Kranzniederlegungen und Gottesdiensten hat Dresden des 60. Jahrestags seiner Bombardierung durch die amerikanische und britische Luftwaffe gedacht. Der Aufmarsch von 5000 Neonazis trübte die Gedenkfeier.

Eine der größten Neonazi-Demonstrationen seit Jahren hat am Sonntag die Gedenkfeiern zum 60. Jahrestag der Bombardierung Dresdens überschattet. Laut Polizei zogen rund 5.000 Rechtsextremisten durch die Stadt. An der größten Gegendemonstration nahmen nachmittags 4.500 Menschen teil. Bundeskanzler Gerhard Schröder warnte davor, die Geschichte umzudeuten und das Leid der Menschen zu missbrauchen.

Viele trugen weiße Papierrosen zur Erinnerung

Der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) und Oberbürgermeister Ingolf Roßberg legten Kränze am Mahnmal für die 25.000 bis 35.000 Todesopfer der alliierten Angriffe nieder. Begleitet wurden sie von den Botschaftern der USA, Großbritanniens und Frankreichs, Daniel Coats, Peter Torry und Claude Martin. Auch Abgeordnete der im Landtag vertretenen Parteien von CDU, SPD, FDP, PDS und Bündnis 90/Grüne sowie Bürger legten Kränze am Mahnmal auf dem Heidefriedhof nieder, ebenso nahmen Vertreter der NPD-Fraktion teil.

Der "Trauermarsch" war von der rechtsextremistisch unterwanderten Jungen Landsmannschaft Ostpreußen (JLO) angemeldet worden. Der Zug wurde von hunderten Polizisten geschützt. An der Spitze gingen die Parteichefs von NPD und DVU, Udo Voigt und Gerhard Frey, sowie der frühere Republikaner-Vorsitzende Franz Schönhuber. Am Mittag nahm die Polizei rund 50 Demonstranten aus dem linken Spektrum in Gewahrsam, weil sie sich vermummt hatten.

Vor dem Parlamentsgebäude war weithin sichtbar ein Transparent mit der Aufschrift "Die Würde des Menschen ist unantastbar - Aktion Weiße Rose" zu sehen. Parlamentssprecher Ivo Klatte sagte, es sei auch als Aufruf an die Teilnehmer der JLO-Demonstration zu sehen, Menschenwürde und Toleranz zu wahren. Die Bürger waren zuvor aufgefordert worden, als Zeichen ihrer Solidarität gegen die Rechtsextremisten am Sonntag eine weiße Rose zu tragen - sehr viele folgten dem Aufruf.

Schröder wandte sich gegen Umdeutung der Geschichte

Schröder prangerte an, dass 60 Jahre nach Kriegsende die "Schuld und Verantwortung, die Nazi-Deutschland für den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, für Vernichtung und Terror hatte", geleugnet werde. "Wir werden diesen Versuchen der Umdeutung der Geschichte mit allen Mitteln entgegentreten. Das sind wir allen Opfern des Nazi-Terrors und des Krieges, insbesondere auch den Opfern von Dresden schuldig", betonte er. "Verantwortung vor unserer Geschichte heißt eben auch, Untat und Leid nicht gegeneinander aufzuwiegen", erklärte der SPD-Politiker.

Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe betonte zu Beginn einer Demonstration der "Friedensaktion Dresden": "Von Dresden geht die Botschaft aus, dass es nie wieder Krieg geben darf und dass die Extremisten nicht die Oberhand gewinnen dürfen."

In der Neonazi-Demonstration marschierten dutzende Fackelträger mit. Einige trugen Holzkreuze mit der Aufschrift "Bagdad, Vietnam, Hiroshima, Dresden".

Vor 60 Jahren, am 13. und 14. Februar 1945, hatten mehrere hundert britische und amerikanische Bomber das Stadtzentrum Dresdens angegriffen. Die Alliierten warfen tausende Brand- und Sprengbomben ab, die das historische Stadtzentrum fast vollständig zerstörten und einen Feuersturm entzündeten. Es kamen zwischen 25.000 und 35.000 Menschen ums Leben, die meisten Zivilisten. Die Angriffe trafen eine Stadt, die hunderttausende Menschen und unersetzliche Kulturgüter wie den Zwinger und die Semperoper barg, aber zugleich auch umfassend in die deutsche Kriegsführung einbezogen war.

AP