HOME

Luan will nicht in den Kosovo: Abschiebung eines Mitschülers? Findet die "Schüler Union Leipzig" normal

Luan ist mit seinen Eltern aus dem Kosovo gekommen und geht seit zwei Jahren in Leipzig zur Schule. Weil dem 18-Jährigen Abschiebung droht, bitten seine Mitschüler um Hilfe. Nur die Schüler Union Leipzig versteht den ganzen Wirbel nicht.

Luan

Luan vor dem Tor seiner Schule

Es waren warmherzige Worte seines Mitschülers Benjamin, die eine Welle des Mitgefühls in Leipzig auslösten. Der 18-jährige Luan soll zurück in den Kosovo und Benjamin hat dafür kein Verständnis, denn dort erwartet den Jungen nichts. Der 16 Jahre alte Benjamin verfasst eine Online-Petition mit folgendem Inhalt: 

Luan soll bleiben !

Luan ist 18 Jahre alt und besucht in meiner Schule die 9. Klasse.

Er hat gestern einen Brief von der Ausländerbehörde bekommen, indem ihm gesagt wird, dass er bis spätestens 23.2 abgeschoben wird und schon seine Sachen packen soll.

Er soll in den Kosovo zurück, doch er hat in diesem Land keine Perspektive, da er kein Haus, keine Arbeit, keine Familie, keine Chance auf Bildung und einfach keine Möglichkeiten hat ein sorgenfreies Leben zu leben.

Er wird höchstwahrscheinlich auch von seinen Eltern getrennt, da seine Mutter sehr krank ist und somit toleriert wird.

Ich schreibe diesen Text mit Tränen in den Augen, uns wird nicht nur irgendeine Person genommen, sondern ein Freund.

Bitte helfen Sie Luan und unterstützen sie diese Petition

mit hilfesuchenden Grüßen Benjamin Heinsohn 16 Jahre

Erst kommt das Mitgefühl, dann die Schüler Union

Mehr als 4000 Unterschriften sind bereits zusammengekommen, doch ob sie etwas bewirken, muss sich erst noch zeigen. Und die Zeit wird knapp, die Frist der Ausländerbehörde endet am 23. Februar. Das Amt hatte Luan "eine sogenannte Grenzübertrittsbescheinigung zugeschickt", berichtet die "Leipziger Internet Zeitung": "Darin heißt es einleitend: 'Sie sind verpflichtet, bis zum 23.02.17 auszureisen.'" Komme er der Forderung zur Ausreise nicht nach, könne er zur Festnahme ausgeschrieben werden, eine Abschiebung wäre die Folge. 

22 Mitschüler von Luan verfassten daraufhin einen Brief an die Ausländerbehörde, in dem sie seine guten schulischen Fortschritte, seine Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft schildern. Er endet mit den Worten "Luan soll bleiben. Refugees welcome. Kein Mensch ist illegal".

Die Schüler Union Leipzig allerdings versteht den Wirbel nicht. Sie gab eine Pressemitteilung heraus, aus der ein Leipziger Journalist Auszüge bei Twitter veröffentlichte. Darin zeigt sich Christoph Leonhardt, der 17-jährige Vorsitzende und genau wie Luan Schüler am Max-Klinger-Gymnasium, verwundert über den Einsatz der Mitschüler und ihre emotionale Begründung. "Es gab ein rechtsstaatliches Verfahren, in dem die Gründe für ein Bleiberecht sorgfältig abgewogen wurden. Das Ergebnis war jedoch die Ablehnung des Antrags", wird er zitiert. Gelungene Integration und Schulfreunde seien kein Grund zu bleiben. "Das allein genügt aber doch nicht, um die Asylregelungen außer Kraft zu setzen. Wo kommen wir denn da hin?", heißt es weiter.


"Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte, wo kämen wir hin und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen", sagte schon der am 11. Februar 2017 verstorbene Schweizer Pfarrer und Schriftsteller Kurt Marti. Er wäre in vier Jahren 100 geworden.

Christoph Leonhardt und seine Schüler Union sollten sich diesen Satz mal durch den Kopf gehen lassen.