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Wahlaufruf für die FDP: Junge AfD-Politikerin steigt aus und warnt: "Die Partei ist verloren"

Ihr Wahlaufruf für die FDP ist eindeutig: Franziska Schreiber, aufstrebende AfD-Politikerin in Sachsen, hat der Alternative den Rücken gekehrt. Wie rechts die Partei geworden sei, nähmen viele Wähler noch nicht ernst.

Franziska Schreiber von der AfD ruft dazu auf, die FDP zu wählen

Als der Bundesparteitag der AfD im April in Köln nicht einmal über einen Antrag zur "Solidarität mit Israel" reden wollte, war dies wohl ein letzter Anstoß. Franziska Schreiber begann ernsthaft an ihrer Partei zu zweifeln, sagte sie "Tag24", dem Webportal der "Morgenpost" in Dresden. Die 27-Jährige ist in der AfD kein unbeschriebenes Blatt. Seit vier Jahren engagiert sich die junge Frau in der Alternative, war bis 2016 Vorsitzende der Jugendorganisation "Junge Alternative" (JA) in Sachsen, anschließend im Vorstand der AfD Sachsen und mit einem Facebook-Post, die Leugnung des Holocausts müsse unter eine "schrankenlose Meinungsfreiheit" fallen, machte sie im Mai 2015 Schlagzeilen. Nun aber hat sie der AfD den Rücken gekehrt und ruft stattdessen dazu auf, die FDP zu wählen.

Über die Webseite der Liberalen kann man persönliche Wahlaufrufe veröffentlichen. Genau diesen Weg nutzte Schreiber nun, um für die FDP zu werben. Bei der AfD gehe es dagegen nur noch darum, gegen Einwanderer zu hetzen. "Am Anfang", so Schreiber zu "Tag24", "konnte man in der Partei noch gute Gespräche führen, heute wird man sofort beleidigt, wenn man zur Mäßigung aufruft."

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AfD - nur noch "gelebte Fremdenfeindlichkeit"

Ein weiterer Knackpunkt, der zu ihrem Austritt aus der AfD führte, sei eine Rundmail gewesen, in der zu einer gemeinsamen Veranstaltung mit Pegida aufgerufen wurde. "Mit Leuten, die Flüchtlinge als Viehzeug bezeichnen. Für so etwas brauche ich keine AfD, für so etwas gibt es genügend rechtsradikale Parteien", so Schreiber weiter. Was in der AfD geschehe, habe nichts mehr mit Konservatismus zu tun, es sei "gelebte Fremdenfeindlichkeit". "Ich befürchte, dass einige Wähler das bisher nicht ernst nehmen", warnt die 27-Jährige auf dem Portal. Ein Land nach dem Geschmack der Rechtspopulisten wäre "das Ende der freiheitlichen Gesellschaft so wie wir sie kennen", zitiert sie die "Berliner Morgenpost"


"Die Partei ist unwiederbringlich verloren", so Schreiber weiter. Hinter den großen und kleinen Skandalen, die die AfD derzeit immer wieder produziert, sieht sie nach eigener Aussage eine Strategie. "Höcke, Gauland und die anderen versuchen, mit möglichst radikalen Aussagen liberale Mitglieder aus der Partei zu drängen", so die Sächsin in der "Morgenpost". Der Co-Spitzenkandidat Alexander Gauland ziele dabei aber weniger auf die Bundestagswahl als auf die Bundesvorstandswahl, glaubt Schreiber.


Eintritt in die FDP angeblich schwierig

Die 27-Jährige, die der AfD beitrat, als diese vornehmlich eine Anti-Euro-Partei war, stammt übrigens aus einer linksorientierten Familie, zwischen ihr und einer in der Antifa aktiven Schwester herrsche Burgfriede. Dass sie aus der AfD ausgetreten ist und auch der separat organisierten JA den Rücken kehren werde, habe die Familie naturgemäß gefreut. Wie AfD-Mitglieder und -Sympathisanten reagieren werden, müsse sich dagegen zeigen. Dass sie bedroht werden könnte, mag Franziska Schreiber nicht ausschließen. "Ein bisschen Sorgen mache ich mir schon", gesteht sie.

Dabei macht Franziska Schreiber, die sich selbst als "libertär" bezeichnet, nun keineswegs eine politische Kehrtwende um 180 Grad. Zwar distanzierte sie sich mehrfach von ihrem Holocaust-Post und gilt in rechten Kreisen inzwischen gar als "ehrenamtliche Israellobbyistin", eine Schusswaffe ist für sie aber immer noch ein Beitrag zur Emanzipation, weil Frauen in der Regel kleiner und schwächer seien als Männer. Im Kinderfilm "Bibi und Tina 4" erkennt sie deutliche Anzeichen von "Überfremdung" und die Krim-Krise kommentiert sie im "Morgenpost"-Bericht mit den Worten: "Wir können eh keinen militärischen Konflikt mit Russland eingehen, daher soll Putin die Krim eben behalten." In diesem Punkt wird die Nähe zur FDP deutlich, hatte deren Gallionsfigur Christian Lindner doch unlängst die Meinung vertreten, die von Russland eingenommene Halbinsel müsse man "zunächst als dauerhaftes Provisorium ansehen".

Die Liberalen will Franziska Schreiber angeblich nun am kommenden Sonntag wählen. Ob die FDP auch ihre neue politische Heimat wird, sei aber noch unklar. Der Eintritt in eine andere Partei sei für AfDler schwierig.


Franziska Schreiber von der AfD ruft dazu auf, die FDP zu wählen


dho