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Rhetorik-Experten Warum Christian Lindner der beste Redner im Wahlkampf ist

Christian Lindner
Der FDP-Fraktionsvorsitzende Christian Lindner bei einer Rede im Düsseldorfer Landtag
© Federico Gambarini/DPA
In einer Untersuchung der rhetorischen Qualitäten der Wahlkämpfer überzeugt FDP-Mann Christian Lindner die Experten. Martin Schulz schneidet besser ab als Angela Merkel, der AfD-Spitzenkandidat landet abgeschlagen am Schluss.

Christian Lindner ist Rhetorik-Experten zufolge der beste Redner im Bundestagswahlkampf. Der FDP-Spitzenkandidat sei mit "erkennbarem Abstand" vor den Spitzenkandidaten der anderen Parteien gelandet, sagte die Vizepräsidentin des Redenschreiber-Verbands VRdS, Antje Hermenau, am Freitag. Den zweiten Platz teilten sich Cem Özdemir (Grüne) und Sahra Wagenknecht (Linkspartei).

SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz (SPD) belegte den vierten Platz, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sei im "rhetorischen Mittelfeld", sagte Hermenau. Merkel teilte sich mit CSU-Spitzenkandidat Joachim Herrmann den sechsten Platz. Abgeschlagen am Schluss landete Alexander Gauland von der AfD. Die Experten kritisierten, dass er kaum Blickkontakt mit dem Publikum sucht, kaum Gestik und Mimik nutze und zudem sprachliche Stilmittel fehlen. "Er steht halt da und redet", sagte Hermenau.

Christian Lindner: Humor und starker Publikumsbezug

Anders Lindner: Er improvisiere Stegreifreden, habe einen starken Bezug zum Publikum, beweise Humor und Situationskomik. Komplizierte Fakten könne er gut erläutern, unterstrich Hermenau. Von Schulz habe man etwas mehr erwartet. Die schwierige Situation der SPD könnte ihn auch im Inneren berühren, mutmaßte Hermenau. Und Merkel? Sie sei klar strukturiert, verzichte aber auf "rhetorischen Schmuck". Emotionen kämen bei ihren Auftritten eher durch deren Inszenierung.

Der VRdS hat alle Spitzenkandidaten jener Parteien unter die Lupe genommen, die in den vergangenen drei Monaten in Umfragen über der Fünf-Prozent-Hürde lagen. Von jedem Politiker wurden mindestens zwei Auftritte analysiert. Insgesamt 13 Experten waren im Einsatz. Es sei um Rhetorik und nicht um politische Inhalte gegangen, sagte Hermenau. Das Augenmerk lag auf zehn Kriterien, darunter die Argumentation, die Sprache und der Umgang mit dem Publikum.

Bisher haben immer Oppositionspolitiker in dem Vergleich vorne gelegen. 2009 hatte Guido Westerwelle für die FDP gewonnen, vor vier Jahren lag Linken-Politiker Gregor Gysi vorn.

tim DPA

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