Afghanistan Jung lehnt weitere Truppen vorerst ab


Verteidigungsminister Franz Josef Jung und seine Nato-Ministerkollegen gehen vor einer eventuellen Entsendung weiterer Soldaten nach Afghanistan vorerst in Warteposition. Um ein größeres finanzielles Engagement kommt Deutschland aber wohl nicht herum.

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung lehnt die Entsendung zusätzlicher Soldaten nach Afghanistan zum gegenwärtigen Zeitpunkt ab. Die Obergrenze von 4500 Soldaten solle bei der Erneuerung des Bundeswehr-Mandats Mitte Dezember unverändert bleiben, erklärte Jung am Freitag beim Treffen der Nato-Verteidigungsminister in Bratislava. Erst nach der geplanten internationalen Afghanistan-Konferenz könne man "dann noch einmal neu diskutieren".

Einen konkreten Termin für diese Konferenz, die auf eine deutsch-französisch-britische Initiative zurückgeht, gibt es bislang nicht. Sie sollte ursprünglich noch in diesem Jahr stattfinden. Da die neue afghanische Regierung noch nicht steht, dürfte dieser Zeitplan aber nicht zu halten sein. Jung signalisierte Bereitschaft, nach der Konferenz über die Entsendung zusätzlicher Militärausbilder für die afghanischen Streitkräfte nachzudenken. Bedingung dafür sei eine neue Gesamtstrategie für die Stabilisierung Afghanistans. Im Moment gehe er davon aus, dass es erst einmal "bei der derzeitigen Mandatsobergrenze" bleibe.

Obama wird sich bald entscheiden

Andere Minister sagten nach Angaben von Nato-Diplomaten, sie wollten mit Entscheidungen warten, bis die künftige Regierung Afghanistans feststehe und bis auch US-Präsident Barack Obama entschieden habe, ob er zusätzliche Soldaten entsenden werde. US-Verteidigungsminister Robert Gates teilte mit, innerhalb von "zwei bis drei Wochen" werde er Obama "konkrete Optionen" vorlegen. Die USA stellen derzeit 35.000 Soldaten in der Isaf und haben weitere 30.000 unter eigenem Kommando in Afghanistan stationiert.

Isaf-Oberkommandeur US-General Stanley McChrystal hatte in seinem Bericht gefordert, die Isaf müsse nicht nur Terroristen bekämpfen, sondern auch andere Aufständische in Afghanistan. Wichtig sei, die Unterstützung der Bevölkerung wieder zu gewinnen. Zudem müsse die afghanische Regierung von den Bürgern akzeptiert und die zivile Entwicklung des Landes stärker als bisher gefördert werden. "Es löst kein Problem, nur einzelne Terroristen zu jagen und zu töten", sagte auch Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen. "Was wir brauchen, ist eine viel breiter angelegte Strategie, die die gesamte afghanische Gesellschaft stabilisiert."

Verstärkung der Isaf unausweichlich

Rasmussen stellte klar: "Wir werden mehr Ausbilder-Teams brauchen, wir werden mehr Geld brauchen." Alle Nato-Staaten hätten zugestimmt, dass die Ausbildung intensiviert werden müsse, "und ich habe den Ministern sehr deutlich gemacht, dass das nicht kostenlos sein wird", sagte Rasmussen.

Gegenwärtig sind in Afghanistan 59 Ausbilder-Teams zur Betreuung afghanischer Einheiten im Einsatz, neun weniger als eigentlich benötigt würden. Im kommenden Jahr müsste ihre Zahl auf 103 erhöht werden, wenn bis dahin wie geplant 134.000 afghanische Soldaten ausgebildet werden sollen.

Da die Ausbilder-Teams jeweils aus 15 bis 30 ausländischen Soldaten bestehen, ist unabhängig von der Entscheidung über den McChrystal-Bericht eine Verstärkung der Isaf um mehrere hundert Mann unausweichlich. Der Isaf-Kommandeur hat überdies empfohlen, die Sollstärke der afghanischen Streitkräfte auf 240.000 und die der Polizei auf 160.000 zu erhöhen - damit würden noch weitaus mehr Ausbilder benötigt.

AP/DPA DPA AP

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