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Lieder zum Zapfenstreich: Blasmusik mit eigenem Touch

Bundespräsidenten, Kanzler und Verteidigungsminister werden mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet. Hier eine Reihe von Spitzenpolitikern - und was sie sich zum Abschied gewünscht haben.

Von Carsten Heidböhmer

Von Kohl über Schröder bis Köhler. Den Zapfenstreich haben sie sich alle nicht entgehen lassen. Was sich ausgewählte Politiker bisher zum Abschied gewünscht haben - und wie Karl-Theodor zu Guttenberg diese Tradition fortsetzt.

Helmut Kohl

Er wollte sich immer als große Europäer verstanden wissen. Und so wählte Helmut Kohl die Stücke ganz bewusst, mit denen er sich - als erster Bundeskanzler - 1998 mit einem Großen Zapfenstreich aus dem Amt verabschieden ließ. Auf seine Bitte spielte das Musikkorps den Reitermarsch des Großen Kurfürsten, den Choral "Nun danket alle Gott" und schließlich Ludwig van Beethovens "Ode an die Freude", die auch als Europahymne verwendet wird. Die wenig wenig subtile Botschaft: Hier geht kein deutscher Kanzler, hier geht ein Politiker von europäischem Format.

Video von Helmut Kohls Zapfenstreich

Gerhard Schröder

Deutlich gefälliger war dann die Musikauswahl von Kohls Nachfolger Gerhard Schröder, als der sich 2005 verabschieden ließ. Schröder wünschte sich zunächst den Jazzklassiker "Summertime" von George Gershwin, anschließend das "Moritat von Mackie Messer" aus Bertolt Brechts "Dreigroschenoper". Und abschließend spielte ein Trompeter das rührselige "My Way". Ein echter Medienkanzler, auch im Abgang.

Video von Gerhard Schröders Zapfenstreich

Peter Struck

Deutlich sozialdemokratischer fiel der Abschied von Verteidigungsminister Peter Struck 2005 aus. Wenige Tage nach Gerhard Schröder ließ er musikalische Grüße an alle Truppenteile erklingen: den "Fliegermarsch" von Hermann Dostal, den "Gruß an Kiel" von Friedrich Spohr, "Des Großen Kurfürsten Reitermarsch" von Cuno Graf von Moltke. Zum Abschluss ließ er es sich aber nicht nehmen, einen alten Klassiker aus der Arbeiterbewegung zu spielen: "Wann wir schreiten Seit an Seit" von Michael Englert. Dieser Mann - so Strucks Botschaft - stellt sich bis zum Schluss in den Dienst der guten Sache.

Edmund Stoiber

Ministerpräsidenten werden mit einer feierlichen Serenade verabschiedet, auch "kleiner Zapfenstreich" genannt. Edmund Stoiber hatte für seinen Abschied 2007 eine überraschende Wahl getroffen. Nicht etwa ein bayrischer Schuhplattler oder "In München steht ein Hofbräuhaus" - nein, "Let it be" von den Beatles wünschte sich der scheidende Ministerpräsident. Das sorgte auf dem Abschied für Lästerei: "Ich glaube, der kennt keine andere Musikgruppe", mutmaßte einer der Gäste.

Franz Josef Jung

Im Gegensatz zu Edmund Stoiber blieb er stets blass. Und auch bei der Musikauswahl für seinen Zapfenstreich fiel Karl-Theodor zu Guttenbergs Amtsvorgänger Franz Josef Jung 2009 nicht viel ein: Neben drei Märschen ließ er die Melodie von Andrea Bocellis "Time to Say Goodbye" erklingen.

Video von Franz Josef Jungs Zapfenstreich

Roland Koch

Auch Hessens Ministerpräsident Roland Koch ließ sich 2010 mit einem kleinen Zapfenstreich aus dem Amt blasen. Allerdings wählte er ein Medley aus Hits von Udo Jürgens aus - und brachte ein wenig Schunkel-Flair in die ansonsten ernste und staatstragende Veranstaltung.

Video von Roland Kochs Zapfenstreich

Horst Köhler

Auch ein Präsident kriegt mal den Blues: Der 2010 zurückgetretene Bundespräsident Horst Köhler wünschte sich zunächst zwei Märsche, ehe es bewegend wurde. Zum Abschluss spielte das Stabsmusikkorps der Bundeswehr den traurigen "St. Louis Blues" von William Handy - und da konnte sich Köhler das ein oder andere Tränchen nicht unterdrücken.

Video von Horst Köhlers Zapfenstreich

Karl-Theodor zu Guttenberg

Er ist der letzte in der Reihe: Auch der zurückgetretene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg lässt sich mit einem Großen Zapfenstreich verabschieden und zwar auf rockige Art. Der AC/DC-Fan hat sich die Hardrock-Nummer "Smoke on the water" von Deep Purple zum offiziellen Dienstabschied gewünscht. Davor gibt's aber noch zwei zünftige Märsche, "Großer Kurfürst" und "König Ludwig II". Die Botschaft ist klar: Wenn der Rauch verflogen ist, komme ich wieder. Erst als bayrischer Ministerpräsident, dann als Kanzler!