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Asylstreit in der Union: Die CSU hat die CDU schon einmal verlassen - und kehrte schnell wieder zurück

Der Streit über die Flüchtlingspolitik droht CDU und CSU auseinanderzureißen. Das Gespenst von Kreuth geistert wieder durch die Union. In dem Kurort beschloss die CSU schon einmal die Trennung von der Schwesterpartei.

Helmut Kohl (l.) und Franz Josef Strauß nach dem ersten Gespräch zwischen CDU und CSU nach dem Kreuther Beschluss

Machtkampf zweier Intimfeinde: Helmut Kohl (l.) und Franz Josef Strauß im Dezember 1976 nach dem ersten Gespräch zwischen der CDU und der CSU nach dem Kreuther Beschluss

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Die Union streitet ungewöhnlich heftig um die künftige Regelung der Migration in Deutschland und der EU. Bundesinnenminister Horst Seehofer und seine CSU wollen durchsetzen, dass Deutschland im Alleingang Asylbewerber ohne Papiere sowie bereits abgeschobene Bewerber an der Grenze zurückweist. Bundeskanzlerin Angela Merkel will dies aber nur im Rahmen einer europäischen Lösung erreichen und dafür Vereinbarungen mit den am stärksten von der Flüchtlingsmigration betroffenen Ländern treffen. Die Fronten sind völlig verhärtet. Der Asylstreit droht die Union zu zerreißen.

Es wäre nicht das erste Mal, dass die CSU sich von der CDU lossagt. Schon im November 1976 kündigte die christsoziale Landesgruppe in Wildbad Kreuth mit 30 zu 18 Stimmen die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU im Bundestag auf. Mit Franz Josef Strauß an der Spitze wollte die CSU bundesweit antreten. Merkels Vorgänger Helmut Kohl drohte daraufhin mit der Ausdehnung der CDU auf Bayern. Nach drei Wochen knickte Strauß ein und die Schwestern fanden wieder zusammen. Seither hat die CSU ein festgeschriebenes Recht auf Eigenständigkeit für politische Aussagen - so konnte der CSU-Chef damals halbwegs sein Gesicht wahren. Und seither fällt auch immer mal wieder das "böse" Wort Kreuth, wenn es in der Union kracht.

CSU und CDU hatten Wahlsieg verpasst

Die Situation vor 42 Jahren war allerdings eine völlig andere als heute. Die Union saß seit Jahren auf der Oppositionsbank und ihr Spitzenkandidat Kohl hatte es sechs Wochen zuvor bei der Bundestagswahl trotz eines mit 48,6 Prozent hervorragenden Wahlergebnisses knapp verpasst, der sozialliberalen Koalition unter Helmut Schmidt die Kanzlerschaft zu entreißen. Franz Josef Strauß, der Kohl für "total unfähig" hielt und ihm "die charakterlichen, die geistigen und die politischen Voraussetzungen" absprach, um Kanzler zu werden, glaubte, gemeinsam mit der CDU niemals einen Machtwechsel in Bonn erreichen zu können und wollte es deshalb auf eigene Faust versuchen.

Heute sitzen CDU und CSU dagegen seit einer gefühlten Ewigkeit auf der Regierungsbank und bei einem Schlag mit der Kreuther Keule würde nicht nur die Union, sondern wohl auch die schwarz-rote Koalition k. o. gehen. Und das in einer Zeit, in der Europa auseinanderdriftet, die Allianz mit den USA bröckelt und eine starke handlungsfähige Bundesregierung wichtiger ist denn je.

Für viele schwarze Minister und Abgeordnete könnte ein zerbrechen der Bundesregierung zudem den Verlust ihrer Posten bedeuten - vielleicht hält wenigstens das die Streithähne ja davon ab, den Geist von Kreuth wieder aus der Flasche zu lassen.