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ATOMTRANSPORTE: Alles lief nach Plan - diesmal

Ein Transport abgebrannter Brennelemente aus dem stillgelegten Atomkraftwerk Rheinsberg in Brandenburg hat ohne Zwischenfälle das Zwischenlager Lubmin nahe Greifswald erreicht.

Ein Transport abgebrannter Brennelemente aus dem stillgelegten Atomkraftwerk (AKW) Rheinsberg in Brandenburg hat am Mittwoch ohne Zwischenfälle das Zwischenlager Lubmin nahe Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern erreicht. Der Zug mit den vier Castor-Behältern sei gegen 14.00 Uhr im Zwischenlager angekommen, sagte eine Sprecherin der Polizeidirektion Anklam. Es habe nur einige wenige friedliche Proteste kleinerer Demonstrantengruppen gegeben, hieß es. Zu Verzögerungen sei es nicht gekommen. Ein Demonstrant sei vorläufig festgenommen worden, weil er einen Polizisten getreten habe, teilte die Staatsanwaltschaft Neuruppin mit.

Der Zug mit den 246 Brennelementen hatte sich kurz nach 05.00 Uhr in Rheinsberg in Bewegung gesetzt. Polizei und Bundesgrenzschutz (BGS) schützten den Transport mit mehreren tausend Beamten. Im brandenburgischen Herzberg hätten rund 20 Atomkraftgegner versucht, die Gleise mit einer Sitzblockade zu versperren, sagte eine Polizeisprecherin. Die Polizei habe die Blockade aber sofort aufgelöst. Der Neuruppiner Staatsanwaltschaft zufolge widersetzte sich ein 30-jähriger Demonstrant dem Wegtragen. Gegen ihn sei ein Verfahren wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit versuchter schwerer Körperverletzung eingeleitet worden.

In Greifswald, Sponholz und Brünzow demonstrierten nach Polizeiangaben kleinere Gruppen von Atomkraftgegnern gegen den Transport. Nirgendwo seien es jedoch mehr als 25 Personen gewesen. Unbekannte legten in Mecklenburg-Vorpommern Holzbohlen auf die Schienenstrecke, die nach Polizeiangaben aber entfernt wurden, bevor der Zug diese Stelle erreichte.

Abtransport als Auftakt

Der Abtransport der Brennelemente gilt als Auftakt des Rückbaus des AKW Rheinsberg, das als erstes Kernkraftwerk der DDR im Mai 1966 in Betrieb gegangen war. Es wurde 1990 abgeschaltet und soll nach Angaben des des brandenburgischen Umweltministeriums bis 2010 demontiert werden. Die dabei anfallenden radioaktiven Abfälle sollen ebenfalls in das Zwischenlager Lubmin gebracht werden.

Ende März war es beim ersten Atommülltransport seit 1997 aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague in das Zwischenlager Gorleben in Niedersachsen zu teilweise massiven Protesten gekommen. Im April hatte es dagegen bei einem Transport von Brennelementen aus den Atomkraftwerken Neckarwestheim und Biblis in die britische Wiederaufbereitungsanlage Sellafield keine größeren Behinderungen von Atomgegnern gegeben.