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ATTENTATE: BKA hat Hinweise auf verschärfte Gefährdungslage

Der US-Geheimdienst hat das Bundeskriminalamt vor einem unmittelbar bevorstehenden Attentat islamischer Terroristen gewarnt. Potenzielles Ziel sei der öffentliche Personennahverkehr.

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat Hinweise auf eine verschärfte Gefährdungslage in Deutschland. Dem Amt seien »von einem ausländischen Dienst Hinweise zugegangen, die eine erhöhte Aufmerksamkeit verlangen«, sagte eine Sprecherin am Samstag. Das Nachrichtenmagazin »Focus« berichtete, das BKA sei vom US-Geheimdienst vor einem unmittelbar bevorstehenden Attentat einer islamistischen Terrorgruppe, bestehend aus drei Männern, gewarnt worden. Potenzielles Ziel sei der öffentliche Personennahverkehr, möglicher Termin der Ausgang des islamischen Fastenmonats Ramadan an diesem Wochenende.

Zur Beurteilung der Lage und zur Absprache weiterer Maßnahmen trafen sich nach BKA-Angaben die Staatsschutzleiter von BKA und den Landeskriminalämtern unter Teilnahme des Bundesamtes für Verfassungsschutz zu einer Sitzung in Meckenheim bei Bonn.

Zur Beurteilung der Lage und zur Absprache weiterer Maßnahmen trafen sich nach BKA-Angaben die Staatsschutzleiter von BKA und den Landeskriminalämtern unter Teilnahme des Bundesamtes für Verfassungsschutz zu einer Sitzung in Meckenheim bei Bonn. Nähere Einzelheiten wurden wegen noch anstehender Ermittlungen nicht mitgeteilt. In Bayern haben Polizei und Bundesgrenzschutz bereits reagiert und ihre Präsenz verstärkt. Das Personal sei im Bahnbereich, vor allem an S- und U-Bahnen, aufgestockt worden, sagte ein Sprecher des Lagezentrums im bayerischen Innenministerium am Samstag in München.

»Focus« berief sich auf ein BKA-Fernschreiben an das Kanzleramt und alle deutschen Sicherheitsbehörden. Der Geheimdienst habe ein verschlüsseltes Gespräch abgehört, demzufolge die Terrorzelle darauf vorbereitet sei, »die Partie zum Fest zu spielen«. Angeblich sei der Gruppe am 12. Dezember der Befehl zum Zuschlagen erteilt worden, die Attentäter könnten sich aber bis zu vier Monate Zeit lassen.

»Alles unterlassen werden, was zu Panik führt«

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Dieter Wiefelspütz kritisierte im »Inforadio Berlin Brandenburg«, dass solche Warnungen von den Medien veröffentlicht wurden. »Die Öffentlichkeit muss informiert werden, aber bitte nicht dann, wenn es nur vage ist.« Es müsse alles unterlassen werden, was zu Panik führe. »Dann, wenn es ganz konkret wird, wird sicherlich auch die Öffentlichkeit benachrichtigt. Diese Konkretheit haben wir gegenwärtig nicht, und deshalb gibt es auch keine Nachrichten aus den Sicherheitsbehörden.«

Zweifel an der Beteiligung saudi-arabischer Bürger an den Terroranschlägen vom 11. September äußerte der saudische Innenminister Prinz Naif. »Wir Saudis haben noch keinen einzigen Beweis, dass Saudis die Täter waren«, sagte Naif dem »Spiegel«. Den Ermittlungen zufolge stammen 15 der 19 Attentäter aus Saudi-Arabien. Nach Naifs Einschätzung steckt zudem

eher Osama bin Ladens Stellvertreter Al-Sawahiri hinter den Anschlägen.

Verbindung zwischen Binalshibh und Mousaoui

Der in den USA angeklagte mutmaßliche Terrorist Zacarias Moussaoui wird dem Nachrichtenmagazin »Der Spiegel« zufolge durch Indizien aus Deutschland belastet. Auf Überweisungen am Moussaoui hätten sich Fingerabdrücke des international gesuchten mutmaßlichen Terrorhelfers Ramzi Binalshibh gefunden, der sich lange in Deutschland aufhielt. Moussaoui gilt als möglicher »20. Mann« der Attentate. Er habe offenbar die Rolle eines Bankiers innegehabt.

Der »Focus« berichtete, dass ein Neffe des mutmaßlichen Terrorpiloten Ziad Jarrah bis kurz nach den Anschlägen in den USA im bayerischen Atomkraftwerk Gundremmingen gearbeitet habe. Er habe eingeräumt, Bin Laden persönlich zu kennen. Das Magazin beruft sich dabei auf eine Mitteilung von Bundesinnenminister Otto Schily in einer nichtöffentlichen Sondersitzung des Bundesrat-Innenausschusses am 21. November.