HOME

Aufnahme-Exzesse: Bundeswehr tauscht Führung in Mittenwald aus

Die Bundeswehr-Führung macht ernst: Als Konsequenz aus den Berichten über ekelhafte Aufnahmerituale im bayerischen Mittenwald verlieren die Verantwortlichen des dortigen Hochgebirgsjägerzugs ihre Posten. Sechs Feldwebel und Unteroffizieren werden wegkommandiert.

Als erste Konsequenz aus den Berichten über entwürdigende Aufnahmerituale in der Bundeswehr wird die Führung des Hochgebirgsjägerzugs im bayerischen Mittenwald komplett ausgetauscht. Das kündigte Heeres-Inspekteur Hans-Otto Budde am Mittwoch im Verteidigungsausschuss des Bundestags an. Im Zuge der Ermittlungen habe man sich für einen "personellen Neuanfang" in Mittenwald entschieden, sagte ein Sprecher des Heeres der Deutschen Presse-Agentur (DPA).

Die Maßnahme betrifft sechs Feldwebel und Unteroffiziere und soll im Oktober vollzogen werden. Insgesamt gehören dem Hochgebirgsjägerzug derzeit 24 Soldaten an, zum größten Teil Grundwehrdienstleistende oder freiwillig länger Wehrdienstleistende. Der Sprecher betonte, dass die Ermittlungen noch liefen und weitere Konsequenzen möglich seien. "Wenn erforderlich, werden sofort Maßnahmen ergriffen."

Vor zwei Wochen hatte der Wehrbeauftragte Reinhold Robbe dem Verteidigungsausschuss berichtet, dass es in Mittenwald seit Jahrzehnten Aufnahmerituale gibt, zu denen das Essen roher Schweineleber und Alkoholkonsum bis zum Erbrechen gehört. Am Montag hatte er 23 weitere Zuschriften ehemaliger Soldaten über Exzesse auch in anderen Truppenteilen vorgelegt.

Guttenberg verspricht schnelle Aufklärung

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) spricht trotzdem weiterhin von Einzelfällen. "Ich verwahre mich dagegen, dass man ein Pauschalurteil über alle Soldaten der Bundeswehr spricht", sagte er. Jeder einzelne Fall sei einer zu viel. "Aber wir sprechen gleichzeitig von 250.000 Soldaten, wo der ganz ganz überwältigend große Teil einen erstklassigen Dienst verrichtet", betonte Guttenberg. Der CSU-Politiker versprach erneut, die Vorgänge schnell aufzuklären. Wenn Verfehlungen nachgewiesen würden, müssten Konsequenzen gezogen werden.

Der Kommandeur der 10. Panzerdivision und oberste Truppenvorgesetzte der Mittenwalder Einheit, General Erhard Bühler, sagte dem Konstanzer "Südkurier", dem Hochgebirgsjägerzug sei das Ritual in den zurückliegenden zehn Jahren mehrfach verboten worden. Dennoch sei es im Geheimen fortgeführt worden. Dies gehe auch aus sichergestellten Tagebüchern hervor.

DPA / DPA