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Berlin³: CDU-Parteitag in Hamburg: Von Siegern, Verlierern und schnöden Abgängen

Der CDU-Parteitag ist Geschichte - und hat ein paar Fronten trotz schmaler Mehrheiten überraschend deutlich geklärt. Zeit, mal schnell zu sortieren, wer gewonnen hat und wer verloren. 

berlin3 - cdu-parteitag - sieger und verlierer

Die drei Hauptprotagonisten des CDU-Parteitags: Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz (r.) und Jens Spahn

DPA

So, zum Anfang mal schnell ins Schwatzkästchen gegriffen, in dem auch die gut abgehangenen Weisheiten für den politischen Infight lagern. Also: Nach dem Parteitag ist vor der nächsten Auseinandersetzung um Posten, Personen und Positionen. Friedrich, der Kampf geht weiter? Ne, geht er nicht. Dieser CDU-Parteitag in Hamburg hat ein paar Fronten bei den Christdemokraten trotz schmaler Mehrheiten überraschend deutlich geklärt. Zeit, mal schnell zu sortieren, wer gewonnen hat und wer verloren. Zunächst zu den Gewinnern.

Da hätten wir, Überraschung, als erstes natürlich Annegret Kramp-Karrenbauer. Ein Sieg für die Frauen, den Mut zum Risiko und für die Etablierung von Doppelnamen in der deutschen Politik, was – siehe Autorenzeile – aufs Schärfste zu begrüßen ist. Die Frau mit dem an ein Schnellfeuergewehr gemahnenden Kürzel "AKK" hat schon mal selbstbewusst angemeldet, dass sie sich noch nicht ganz oben auf der Karriereleiter angekommen fühlt, nächste Sprosse: Kanzleramt. Kann nun beweisen, dass sie das Zeug dazu hätte. Muss das allerdings auch. Kurz nachdem das Wahlergebnis bekannt gegeben wurde, wirkte sie erst, als sei ihr ein Felsen vom Herzen gefallen – und Sekunden danach, als drücke er ihr auf die Schultern.

Merkel kann unverwrackt gehen, Spahn bleibt unbeschädigt

Zweitens: Angela Merkel. Hat ohne den CDU-Vorsitz vielleicht nicht unbedingt mehr Zeit für den Garten in Hohenwalde, muss jetzt aber nicht mehr zu jedem merkwürdigen Landesparteitag. Kriegt jetzt auch nicht mehr die ganzen miesen Wahlergebnisse aufgebürdet (siehe dazu oben unter AKK und Felsen), jedenfalls nicht mehr allein. Muss auch nicht fürchten, dass sie eher über kurz als lang von ihrem Altrivalen M. aus dem Kanzleramt gedrängt wird. Ist dem selbst erklärten Ziel, einigermaßen unverwrackt aus der Politik zu scheiden, einen entscheidenden Schritt näher gekommen.

Drittens: Jens Spahn. Hat zwar nur 15,7 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang erhalten. Das aber waren deutlich mehr, als ihm alle zugetraut hatten. Bleibt damit unbeschädigt und kann sich weiter als Mann für die Zukunft profilieren. Hielt die lässigste Rede der drei Kandidaten. Hatte schließlich auch nicht mehr zu verlieren als seinen Rest-Ruf als Polit-Hasardeur. Wächst nun unversehens in die Rolle der integrierenden Kraft. Er muss nun die enttäuschten Merzianer bei Laune und bei der Stange halten. Echt nicht einfach, reicht aber nicht für die Verlierersparte.

Ziemiak: Für und/oder Spahn geworben, von AKK nominiert 

Viertens: Paul Ziemiak. Jedenfalls gerade noch. Der JU-Chef ist neuer CDU-Generalsekretär und kann damit dem medialen Schlagschatten des omnipräsenten roten Konkurrenten Kevin Kühnert entkommen, ein wenig jedenfalls. Hatte für Merz und/oder Spahn geworben, wurde von AKK nominiert. Muss man auch hinkriegen. Zeigt zumindest eine gewisse Geschmeidigkeit, was nicht von allen CDU-Delegierten goutiert wurde. Durchwachsenes Wahlergebnis. Aber das wächst sich aus – falls Ziemiak an seiner Aufgabe wächst.

Nicht zuletzt: Frank-Walter Steinmeier. Der Bundespräsident muss sich nicht schon wieder mit drohenden Neuwahlen rumschlagen. (Wir uns übrigens auch nicht. Ausnahmsweise deshalb mal an dieser Stelle ein einziges Wort in eigener Sache: DANKE!)

Und damit zu der viel spannenderen Kategorie, den, tatata, VERLIERERN.

Merz mit schnödem Abgang, Schäuble mit Sympathieverlust

Trotz harter Konkurrenz auf Platz eins: Friedrich Merz. Muss man gar nicht groß kommentieren. Wer es schafft, sich als gefeierter Rhetor in 34 Minuten um den sicher geglaubten Posten zu reden, ist entweder zu überheblich oder dem Druck nicht gewachsen. Beides disqualifiziert für den Job, den Merz vor allem wollte: den des Kanzlers. Der CDU-Vorsitz war nur Mittel zum Zweck. Merkte auch der Letzte spätestens, als Merz die Bitte, er möge als Parteivize kandidieren, nicht mal ignorierte. Schnöde im Abgang. Prognose: Kommt auch nicht wieder. Nicht mal in zehn Jahren.

Knapp hinter Friedrich dem Geschlagenen: Wolfgang Schäuble, der (Ex?) Übervater der CDU. Hat sich entgegen den Gepflogenheiten kurz vor der Wahl für Merz in die Bresche geworfen, "der Beste fürs Land", sich damit gegen Merkel positioniert – und damit Schwankende eher ins AKK-Lager getrieben. Dürfte seinen Anteil an Merz' Niederlage haben. Echte strategische Meisterleistung. Hätte man ihm so nicht zugetraut. Hat ihn viele Sympathien gekostet, nicht nur bei eingefleischten Merkelianern.

Co-Verlierer sehr am Rande: Christian Lindner wird wohl noch eine Weile auf die nächste Jamaika-Offerte warten müssen. Kleiner Trost für den FDP-Chef: Muss keine Angst haben, dass ihm eine Merz-CDU Wähler abjagt.

Kevin, der Kampf geht weiter!

Die Volksparteien. Ja, die CDU-Kandidatentour und -kür hat der Partei gut getan und sie belebt. Auch sollte man AKKs Talent nicht unterschätzen, politische Konflikte zu suchen und auch auszutragen – trotzdem: unter Merz wäre es deutlich schärfer und munterer zugegangen. Die Konturen der einzelnen Partei wären wieder deutlicher oder deutlich sichtbarer geworden. Eine stärkere Trennschärfe hätte vielleicht auch der SPD in ihrem verzweifelten Überlebenskampf nutzen können. 

Die GroKo-Gegner in der SPD. Die hatten sich schon auf Fritze Merz gefreut und auf die erste gebotene Gelegenheit gehofft, die der ihnen bieten würde, um endlich den Bruch des verhassten Bündnisses rechtfertigen zu können. Pech gehabt. Unter AKK wird es diese Exit-Chance so schnell nicht geben. Kevin, der Kampf geht weiter!

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