Berlin vertraulich! Besserverdienende CO₂-Partei


Viel Lärm um einen Ferrari: Nicht nur aufgrund des hohen CO₂-Ausstoßes gerät der 400-PS-Flitzer des baden-württembergischen FDP-Justizministers Ulrich Goll in die Kritik einiger Parteifreunde. Auch das Parteiimage sei durch die 100.000-Euro-Karre gefährdet.
Von Hans Peter Schütz

Der röhrende Ferrari 360 des baden-württembergischen FDP-Justizministers Ulrich Goll hat inzwischen auch das im Sommerloch dösende Berlin aufgeweckt. Nicht überall auf Wohlwollen ist dort gestoßen, dass die baden-württembergische FDP-Landesvorsitzende Birgit Homburger, die auch als Beisitzerin im FDP-Präsidium sitzt und stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion ist, ihren Landsmann Goll massiv verteidigt und gesagt hat, anders als die Grünen wollten die Liberalen den "Menschen Freiheit für eigene Entscheidungen lassen."

Auch FDP-Generalsekretär Dirk Niebel warf sich mit massiver Verteidigung vor den 400-PS-Oldie Golls. Aber in der FDP-Bundestagsfraktion sehen einige Parteifreunde den Flitzer ungern. Wegen des politischen Schadstoff-Ausstoßes, nicht nur wegen des Klimakillers CO₂, von dem der Ferrari, der innerorts 28 Liter Super frisst, satte 415 Gramm pro Kilometer ausstößt. Denn Goll möble, so der Vorwurf seiner Parteifreunde, damit das verhasste frühere Bild der FDP als "Partei der Besserverdienenden" mit seiner gebrauchten 100.000-Euro-Karre wieder auf. Als der FDP-Bundestagsabgeordnete Werner Hoyer, heute außenpolitischer Experte der FDP-Fraktion, in seinem damaligen Amt als FDP-Generalsekretär der Partei dieses Etikett aufgeklebt hatte, musste er alsbald zurücktreten.

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Begeisterung über den neuen Anlauf der SPD in Hessen, mithilfe der Linkspartei doch noch an die Macht zu kommen, kennt die bayerische SPD nicht. Immer wieder schimpft ihr Spitzenkandidat Franz Maget, dass diese Debatte ganz gewiss den Wahlchancen seiner SPD bei der Landtagswahl im September nicht dienlich sei. Und das klingt oft so, als ob die Berliner SPD-Spitze mit schuld daran sei, dass im schönen Bayern irgendwelche finstere Kommunisten von der CSU als Partner der bayerischen Genossen dargestellt werden können. Aber längst nicht alle weißblauen Sozis laufen auf solcher Distanz zu Die Linke. Etwa jene fünf SPD-Mitglieder, die es in Oberstaufen im Allgäu bei der letzten Kommunalwahl geschafft haben, wieder in den Gemeinderat gewählt zu werden. Sie trafen sich diese Woche in bester Laune mit der Linkspolitikerin Petra Pau, stellvertretende Bundestagspräsidentin. Die macht seit Jahren in Oberstaufen die Schrothkur, die mit Körnern nichts zu tun hat, den Körper gründlich entschlackt und wieder fit macht für neuen Stress. Und die Genossen freuen sich alle Jahre wieder über den Besuch. Petra Pau war jetzt gerne gesehener Gast beim Sommerfest der Oberstaufener Feuerwehr, wanderte mit ihren Mitarbeitern auf den Hochgrat und trug sich auch ins Goldene Buch der Stadt Memmingen ein. Scharfe SPD-Distanz zur Linkspartei? Keine Spur - in Hessen und zuweilen auch in Bayern. "Nach der Kur kehre ich immer wieder topfit nach Berlin zurück," sagte sie stern.de.

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Ganz und gar nicht die Nähe zur bayerischen SPD pflegt allerdings der Bundestagsabgeordnete Klaus Ernst. Der stellvertretende Parteischef der Linkspartei kann es schlicht nicht mehr hören, wie Maget einerseits propagiert, gerne Ministerpräsident werden zu wollen, aber eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei strikt ablehnt. Ernst im Gespräch mit stern.de: "Das ist doch Betrug am Wähler, wenn der Maget und seine SPD sagen, sie wollten an die Regierung. Die wissen doch genau, dass sie nur mit uns überhaupt in die Nähe einer Mehrheit kommen." Maget müsse sich endlich mal ein Beispiel nehmen an so fortschrittlichen SPD-Mandatsträgern wie Karl Lauterbach. "Der weiß, dass die SPD nur mit Die Linke fortschrittliche Politik machen kann."

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Helmut Kohl ist schon lange in politischer Pension. Nächsten Monat geht Eckard Seeber, vom Altkanzler stets nur "Ecki" gerufen, ebenfalls in den Ruhestand. Der 69-Jährige hat für Kohl beachtliche 46 Jahre das Steuerrad geführt, auf rund Millionen Kilometer wird die Lebens-Fahr-Leistung als Kohls Chauffeur geschätzt. Kennen gelernt hat er seinen Chef, als der noch ganz am Anfang seiner Karriere beim Ludwigshafener Chemieunternehmen Giulini als Referent gastierte und eines Tages "Ecki" fragte, ob er denn nicht einen Fahrer für ihn wisse. Der sagte damals Ja und wurde zum treuesten Lebensbegleiter des späteren Bundeskanzlers. Er war es auch, der Hannelore Kohl 2001 tot in ihrem Schlafzimmer auffinden musste. Er war dabei, als Kohl einmal auf einer noch nicht für den Verkehr frei gegebenen Autobahn stecken blieb. "Ecki" könnte viel erzählen, was die Republik vom Altkanzler noch immer nicht weiss. Aber er ist diskret bis heute. Immerhin hat er erzählt, dass Kohl ihm einmal einen Christophorus als Schlüsselanhänger geschenkt hat, nachdem sie beide einen schweren Autounfall unverletzt überstanden hatten.


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