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Berlin vertraulich! Brüderle mag keine Froschschenkel


Mit seinen Frosch-Metaphern steht FDP-Chef Rösler ziemlich allein da. Fraktionschef Brüderle kann an den Tieren jedenfalls nicht viel finden. Auch nicht im gekochten Zustand.
Von Hans Peter Schütz

Wie definiert sich eine "wilde Ehe", von der in politischen Kreisen seit der Nominierung des Präsidentschaftskandidaten allerorten die Rede ist, weil Joachim Gauck seit zwölf Jahren ohne Trauschein mit einer Journalistin zusammen lebt? Der baden-württembergische Kabarettist Christoph Sieber hat darüber spekuliert, was wohl Unionsfraktionschef Volker Kauder darunter versteht: "Für Kauder ist wilde Ehe wahrscheinlich, wenn einmal in der Woche nicht warm gekocht wird." So gesehen lebt Kauder in einer verdammt wilden Ehe: Er ist die meiste Zeit in Berlin, seine Frau Elisabeth, mit der er seit 1976 glücklich verheiratet ist, ist eine hoch engagierte Ärztin. Fürs gemeinsame Kochen und Essen bleibt da nur wenig Zeit.

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In einem Anflug von Größenwahn hat FDP-Chef Philipp Rösler bekanntlich die Kanzlerin mit einem Frosch verglichen, der langsam gegart wird. Seitdem behandelt Angela Merkel ihren Vize mit sichtbarer Kühle. FDP-Fraktionschef Brüderle indes hält die Frosch-Frage und die angeblich in ihr steckende politische Brisanz für vollkommen harmlos: "Ich verstehe sie nicht!" Und fügt grinsend an: "Ich gehöre außerdem nicht zu denen, die Froschschenkel gern essen." Ein eindrucksvolles Loyalitätsbekenntnis zu Angel Merkel.

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60 Jahre jung ist der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki dieser Tage geworden. Wird nun auch er altersweise? Kubicki jedenfalls versprach aus diesem Anlass, nie mehr seinen Spruch zu wiederholen, wonach die FDP "als Marke generell verschissen" habe. Das sei eine "punktuelle Beschreibung" seiner Partei gewesen, sagt er jetzt. Kommentieren wir diese Einsicht so: Kubicki hat seinen Goethe gut gelesen. Der hat einmal gesagt, ohne die Liberalen zu kennen, "in allen Dingen ist hoffen besser als verzweifeln".

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So hektisch im Bundestag von den Volksvertretern zuweilen auch gekläfft und gebellt wird: Echte Hunde bleiben ausgesperrt! Das hat Bundestagspräsident Norbert Lammert dem SPD-Abgeordneten Sebastian Edathy auf Anfrage mitgeteilt. Der wollte ab und an seinen Hund wenigstens in sein Büro im Bundeshaus mitnehmen, da der Mischling Felix beim Hundesitter oft kläglich winselte. Erlaubt sind aber weiterhin nur Blindenhunde im Hohen Haus oder allenfalls die Spürhunde des Bundeskriminalamts. Edathy mochte die Bitte von stern.de um einen Kommentar dieser Entscheidung nicht erfüllen. Was beweist: Politisch scharfe Hunde, die sonst gerne bellen, beißen nicht. Felix muss weiterwinseln.

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Die saarländische SPD engagiert sich im Wahlkampf mit aller Leidenschaft für den Mindestlohn. Die Losung heißt: "Gute Arbeit. Faire Löhne." Aber das sind offenbar nur warme Worte. Denn die SPD ließ ihre Großplakate für den saarländischen Wahlkampf in Polen drucken. Dort werden Drucker 30 Prozent schlechter bezahlt als bei uns. Die SPD will davon nichts gewusst haben. FDP-Generalsekretär Patrick Döring kommentierte den Vorgang gegenüber stern.de: "Die SPD zeigt im Saarland mal wieder ihren bekannten Spagat zwischen Worten und Taten, wie ihn Heiko Maas jetzt erneut vorführt. Die Übung muss misslingen, weil Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander klaffen. Wenn die SPD derart Arbeit exportiert, kann sie sich neben Druckkosten gleich das ganze Thema gerechte Entlohnung sparen! Im Saarland im Kleinen, bei der Finanztransaktionssteuer im Großen: Wer Arbeit außer Landes jagt, darf keinen Lohn erwarten."

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Das Amt ist weg, die "schwarze Karte" hat und behält er. Wie alle Alt-Bundespräsidenten darf Christian Wulff auch künftig überall mit der Bahn gratis hinfahren. Erster Klasse versteht sich.


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