Berlin vertraulich! Eine traurige Figur mit hochrotem Kopf


Die FDP muss nicht nur den Streit zwischen ehemaligem und amtierendem Vorsitzenden ertragen - auch der Generalsekretär Dirk Niebel machte mit unschönen Aussagen auf sich aufmerksam. Letzterer musste sich zur Strafe beim Drei-Königs-Treffen an den Tisch seiner scharfen Kritikerin Cornelia Pieper setzen.

Auf die Plätze, fertig, los! Die Politik hat nicht länger Ruh. Traditionell stellten sich die Freidemokraten auf ihrem Stuttgarter Drei-Königs-Treffen als Erste in die Startlöcher. Dem Liberalen-Treff geht stets der "Dreikönigsball der Liberalen" voraus. Glänzender Laune präsentierte sich dort FDP-Chef Westerwelle (in Begleitung seines Lebensgefährten), flüchtete jedoch alsbald an die Bar. "Ich bin ein miserabler Tänzer." Ist er sauer über die Kritik, die sein Amtsvorgänger Wolfgang Gerhardt an ihm geübt und ihn vor einer One-Man-Show gewarnt hat? "Iwo, das war vollkommen in Ordnung", so Westerwelle zu stern.de. Das derzeit angeblich einzige Problem Westerwelles: Er kann sich nicht an seine Gleitsichtbrille gewöhnen. "Einfach schrecklich."

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Eine traurige Figur mit hochrotem Kopf gab dagegen FDP-Generalsekretär Dirk Niebel auf dem Ball ab. Sein Vergleich der Großen Koalition mit der früheren Nationalen Front in der DDR ließ sämtlich Parteifreunde den Kopf schütteln. Und dann musste er auch mit Amtsvorgängerin Cornelia Pieper an einem Tisch sitzen. Die hatte Niebels Vergleich "entsetzlich" genannt und dem "General" Beschädigung der liberalen Wahlchancen in den neuen Ländern vorgeworfen.

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Einen einzigen Verteidiger fand Niebel in Stuttgart. Der ehemalige FDP-Staatssekretär Karl Moersch jubelte: "Dirk, mach weiter so!" Dazu muss man allerdings wissen, dass der Parteioldie 1982 wütend aus der FDP ausgetreten und erst vor zwei Jahren wieder eingetreten ist, weil die Partei Hans-Dietrich Genscher nach dem Wechsel zu Helmut Kohl erneut zum Vorsitzenden gewählt hat. Seither kann Moersch Genscher nicht mehr ab, und weil der Niebel kritisiert hat, sah Moersch sich zum Loblied genötigt. So kann man alte Rechnungen auch begleichen.

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Gespräche mit Journalisten, die ihn kritisiert hatten, lehnte der FDP-General brüsk ab. "Ich bin Ihnen intellektuell ja nicht gewachsen, deshalb rede ich nicht mit Ihnen", schimpfte er. Ein bemerkenswertes Verständnis von Pressefreiheit für jemand, der sich einen Liberalen nennt.

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Behauptet da Ex-FDP-Chef Wolfgang Gerhardt, die Liberalen seien eine Einmannshow des Guido Westerwelle? So kann nur einer herumkritteln, der in Stuttgart den rheinland-pfälzischen FDP-Bundestagsabgeordneten Rainer Brüderle bei seinem Auftritt als Gastredner beim Landesparteitag der baden-württembergischen FDP nicht gehört hat. Der frühere rheinland-pfälzische Ex-Wirtschaftsminister, dem der Ruf vorauseilt, zu Amtszeiten mindestens 1000 Weinköniginnen geküsst zu haben, zeigte fulminant, welche rhetorischen Talente in der FDP schlummern, so man sie nur reden lässt. Brüderle zur Situation mittelständischer Unternehmer in der globalisierten Wirtschaftswelt: "Mittelständler bekommen bei ihren Banken heutzutage nur noch einen Kredit, wenn sie sich bis auf die Unterhose ausziehen und die hinterlassenen Goldzähne der Großmutter als Pfand hinterlegen." Brüderle über den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger: "Das ist der, der als kleiner Nicolas Sarkosy mit einer neuen Flamme durchs Leben hüpft." Frage von stern.de an Brüderle: "Wollen Sie damit etwas gegen Carla Bruni sagen?" Antwort Brüderle: "Keine Spur! Nur, dass eben jeder die Frau hat, die er verdient."

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Die Berliner CSU-Landesgruppe weilt seit dem heutigen Montag wie immer zum Jahresanfang im Wildbad Kreuth zur traditionellen politischen Klausur. Alle sind zufrieden, endlich liegt mal wieder richtig schöner Schnee im Wildbad. Anders als im letzten Jahr, als der Putsch gegen Edmund Stoiber schon lief, geht es heuer auch nicht um Kopf und Kragen des CSU-Vorsitzenden. Das Programm bietet weniger heikle Polit-Prominenz. EU-Präsident José Manuel Durao Barroso weilt zum "Kamingespräch" in Kreuth. Weiterer Stargast ist die französische Superministerin Christine Lagarder, zuständig im Nachbarland für Finanzen, Arbeit und Wirtschaft. Solche Gäste bereiten weniger politische als vielmehr logistische Probleme. Barroso bestellte im vorab schon mal eine englischsprachige Financial Times. Zwar lerne er gerade Deutsch, aber zu mehr als einem "Grüßgott" reiche es leider noch nicht. Die Französin ließ wissen, ernährungstechnisch stehe sie auf Fisch und Krustentieren. Womit Madame nicht weiß, was ihr entgeht: ein richtiger bayerischer Schweinsbraten!


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