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Berlin vertraulich!: KT - (K)ann (t)äuschen

Immer neue Enthüllungen rücken Baron zu Guttenberg ins Zwielicht. Er stehe "mit der Wahrheit auf Kriegsfuß" schreiben zwei Journalisten, die dieser Tage eine Biografie des Ministers veröffentlichen.

Von Hans Peter Schütz

Sieben Jahre will Baron zu Guttenberg geschrieben und nachgedacht haben, um den "Dr." vor seinen Namen setzen zu können. Weg war der "Dr." auf der Homepage des Ministers und von seinem Briefkopf dann in 20 Minuten. Auf dem Schreiben, mit dem er sich bei den Berliner Journalisten dafür entschuldigte, dass er nur "ausgewählte Medienvertreter" zur Verteidigung seiner Doktorspiele zugelassen hatte, war nur noch "Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg" als Absender aufgedruckt. Der Brief endet mit dem Satz "Ich hoffe auf Ihr Verständnis." Vermutlich eine unerfüllbare Hoffnung. Denn die Dr.-Guttenberg-Affäre ist schon Anlass für sarkastische Bemerkungen. Ein von den Journalisten viel belachter Witz geht so: Kommt ein Mechaniker ins Verteidigungsministerium. Fragt ihn der Pförtner: "Was wollen Sie?" Antwort: "Ich soll den Kopierer reparieren!" Antwortet des Pförtners: "Tut mir leid, das geht jetzt nicht, der ist gerade in Afghanistan." Noch ein Witz gefällig? Okay: Arbeitsministerin Ursula von der Leyen hat bei der Kanzlerin einen anderen Platz am Kabinettstisch beantragt. Sie möchte nicht länger neben zu Guttenberg sitzen. "Der schreibt zu viel ab."

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Seit bekannt ist, dass Guttenberg seinen Doktortitel offenbar nicht korrekt erworben hat, sind spöttische Anspielungen politischer Alltag in Berlin. Ex-Vizekanzler Joschka Fischer, ohne Dr. und ohne Abitur, etwa präsentierte dieser Tage den zweiten Band seiner Erinnerungen mit dem Hinweis "Ich habe das selbst gemacht, keine Hilfe." Und fügte an: "Auf Fußnoten habe ich verzichtet." Auch darüber wurde heftig gelacht. Die FDP-Fraktionschefin Birgit Homburger wiederum, einst Studentin an der Universität Konstanz, verriet stern.de, wie sie zum Doktor gekommen ist: "Ich habe keinen Doktor gemacht, sondern einen Mann mit Doktortitel geheiratet." Und sie fügte an, "einen Dr. med. dent", einen Zahnarzt also, was in ihrem kleinen Wohnort Hilzingen genüge, um mit "Grüß Gott, Frau Doktor!" begrüßt zu werden. Homburger räumte allerdings fairerweise mit hellem Lachen ein, dass zu Guttenberg nie eine Chance hatte, seinen Doktor auf diesem Weg zu machen.

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Auf die Solidarität Horst Seehofers darf zu Guttenberg nicht hoffen. Auf die seiner Ministerkollegen sowieso nicht. Als die turbulente Bundespressekonferenz, vor der sich Guttenberg gedrückt hatte, abgelaufen war, sagte eine Bundesministerin am gleichen Tag auf die Frage, wie sie jetzt zu Guttenberg helfen wolle oder könne: "Wieso denn, der kann doch scheinbar alles. Ich weiß zwar nicht wie und wieso, aber der wird es auch dieses Mal schaffen." Allerdings nicht ohne Spottnamen: In Berlin wird er "Schummel-Baron" genannt. Auch das Namenskürzel Guttenbergs - KT - wird neu übersetzt: "(K)ann (t)äuschen". Den Beleg dafür lieferte er im Übrigen mit seiner Erklärung, dass er den Dr. zunächst ruhen lassen werde. Die grüne Fraktionschefin Renate Künast wies unverzüglich darauf hin, dass derartiges "Ruhen" gar nicht möglich ist. Man hat oder man hat nicht.

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Vor einer überaus schwierigen diplomatischen Aufgabe steht der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer Ende Februar in Berlin. Er soll im Hotel Adlon eine von den "FAZ"-Journalisten Eckart Lohse und Markus Wehner geschriebene Guttenberg-Biografie (Droemer Verlag) vorstellen. Wie geht er dabei mit der Dr.-Guttenberg-Affäre um? Es dürfte einen Rekordandrang zu der Buchvorstellung geben, weil alle wissen wollen, wie Seehofer mit den Werbesprüchen auf der Einladung zur Buchvorstellung umgeht. Dort liest man "Zwei Drittel aller Deutschen sind begeistert von ihm." Und: "Doch was weiß man wirklich über ihn?" Das ist in der Tat die Schlüsselfrage.

Der Verlag wirbt mit dem Spruch, die Biografie erzähle das private wie politische Leben dieses Instinktpolitikers. Na ja, zumindest bei seiner Doktorarbeit hat ihn dieser Instinkt offenbar im Stich gelassen. Wie Seehofer das wohl zum Ausdruck bringt? Vermutlich gar nicht, man könnte fast darauf wetten, dass die Buchvorstellung ohne ihn stattfindet.

Schade drum, wenn sie etwa ganz ausfallen würde. Denn zu gerne würde man in der Biografie nachlesen, ob drinsteht, was deren Autoren jetzt in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" über Guttenberg seitenbreit ausgeplaudert haben. Dass Guttenberg seinen Lebenslauf geschönt habe, ein wenig fleißiger Schüler gewesen sei und kaum Interesse am Anwaltsberuf entwickelt habe. Seine ökonomische Kompetenz, die er mit einer siebenjährigen Mitgliedschaft in einem Aufsichtsrat zu belegen suche, stehe "nur auf dem Papier". Arg übertrieben sei auch die Behauptung Guttenbergs, er habe als "Freier Journalist" für die Tageszeitung "Die Welt" gearbeitet. Die Wahrheit: Es sei nur ein nur mehrwöchiges Praktikum gewesen, bei dem er acht kleinere Beiträge in sechs Monaten geschrieben habe, vier davon zusammen mit Kollegen. Ehrenrühriger noch: Im Zusammenhang mit der Entlassung von Staatssekretär Wichert und Generalinspekteur Schneiderhan legen die Autoren nahe, dass Guttenberg falsche Informationen über seine beiden Mitarbeiter verbreitet und ehrenrührige Behauptungen nie richtig gestellt habe. Fazit der Biografie-Schreiber: "Guttenberg hat es mit der Wahrheit nicht so genau genommen." Dass diese Charakterisierung in der bereits gedruckten Biografie steht, lässt einen respektvoll den Hut vor den Autoren ziehen. Dienen doch Biografien von Politikern in aller Regel der Schönschreiberei. *

Auf intensives Interesse trifft vermutlich auch eine weitere geplante Buchvorstellung. Die renommierte Wolfgang-Herrhausen-Gesellschaft präsentiert das Buch "Der kleine Wählerhasser. Was Politiker wirklich über die Bürger denken", geschrieben von dem renommierten "Bild"-Journalisten Nikolaus Blome. Zeit sei es, schreibt Blome, "endlich auch über die Bürgererdrossenheit der Politiker zu reden", nicht nur über die Politikverdrossenheit der Bürger. Blome will die Entfremdung zwischen Wählern und Gewählten entlarven. Das Buch soll von Guttenberg vorgestellt werden, einem Politiker, der momentan wie kein anderer die Entfremdung von den Wählern beflügelt. Aber vermutlich wird er sich nicht an sein der Herrhausen-Gesellschaft gegebenes Wort halten. Denn dass Guttenberg sich in seiner Doktorarbeit wörtlich aus Fremdtexten bediente und sogar aus dem Reiseführer Wildniswandern in Kanada und Alaska: Zu Fuß und im Kanu abgekupfert haben soll, ist schon, mit Verlaub, dämlich. Und wenn die Bürger es auch so sehen, wovon auszugehen ist, dann gibt es keinen Grund für Guttenberg, den kleinen Wählerhasser zu geben. Also: Man darf vermuten, dass er den Buchtermin nicht wahrnimmt. Schade.