Berlin vertraulich! Papa Koch klärt seine Kinder auf


Politikerkinder haben es schwer. Wer sonst muss sich von seinem Lehrer vorwerfen lassen, der Vater sei ein 'Massenmörder'? Der Sohn von Helmut Kohl, Wolfgang, jedenfalls musste oft für die Politik des Herrn Papa Schläge einstecken. Hessens Ministerpräsident Roland Koch hat deshalb seine Kinder gut vorbereitet.
Von Hans Peter Schütz

Auf beklemmende Weise hat jetzt Helmut Kohls ältester Sohn Wolfgang (45) in der "Bunten" berichtet, wie schwer das Leben als Kind eines politischen Promis sein kann. Wiederholt sei er in der Schule nach politischen Entscheidungen seines Vaters zur Rechenschaft gezogen worden - "das heißt, ich wurde von den Mitschülern mehrfach zusammen geschlagen." Ungerecht sei auch das Verhalten mancher Lehrer gewesen, von denen einer vor der Klasse seinen Vater als "Massenmörder" bezeichnet habe.

Ist dergleichen heute immer noch denkbar? stern.de befragte den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, dessen zwei Söhne - heute 20 und 21 Jahre alt - in den vergangenen 15 Jahren zur Schule gegangen sind. Es sei für die Kinder politischer Prominenz heute sehr viel einfacher erwachsen zu werden als zu den Zeiten von Kohls Kindern, sagt Koch. "Eine Politisierung in dieser radikal-brutalen Form ist meinen Kindern zum Glück erspart worden." Stets habe er seine Kinder auch über sein Tun und sein politisches Wollen unterrichtet. "Meine Kinder wussten stets genau, was und warum ich etwas tue." Seine Söhne hätten sich längst eine eigene Meinung darüber gebildet und könnten anderen gegenübertreten, wenn sie auf ihn angesprochen würden. Und wer hat seine Söhne letztlich erzogen? Antwort Koch: "Meine Frau und ich haben in der Summe genug Zeit gehabt." Längere Pause. Dann muss der hessische Ministerpräsident über sich selbst lachen und sagt: "Manchmal waren die Anteile ungerecht verteilt." Einer seiner heimlichen Vaterträume scheint sich im übrigen zu erfüllen: Einer der Söhne will auch Jurist werden wie der Vater.

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Wer ist ein starker Politiker? Ganz klar, Wolfgang Clement, zumindest in den Augen der "Seeheimer," dem rechten Flügel der SPD in der Bundestagsfraktion. Ihr Jubelruf über die jüngste Erklärung Clements ging so: "STARKE Parteien brauchen STARKE Flügel, STARKE Flügel brauchen STARKE Charaktere, um Wahlen zu gewinnen. Clement ist so ein Charakter, der unsere Partei STARK gemacht hat." Also wirklich, ein STARKES Loblied. Dabei war Clements Rückzug von der Attacke auf Andrea Ypsilanti allenfalls HALBSTARK. Sein Oberkritiker Erhard Eppler glaubt, es sei "eher unwahrscheinlich", dass die so genannte Entschuldigung Clements der Bundesschiedskommission ausreicht, um ihn vor dem Parteirauswurf zu bewahren. Viele Menschen fanden es allerdings ganz STARK, dass Clement auf dem Fahrrad zu seiner Pressekonferenz in Bonn geradelt ist. War aber auch nur HALBSTARK, denn er hat noch nie in seinem Leben einen Führerschein besessen. "Ich hatte einfach keine Zeit, ihn zu machen", sagt er gerne. Tatsache ist allerdings, dass er schon in relativ jungen Jahren in Dienstwagen gefahren wurde oder seine Frau ihn oft kutschieren musste. Wirklich STARK wäre gewesen, wenn Clement zu seiner Pressekonferenz gejoggt wäre. Hätte er leicht gekonnt, denn erst vor wenigen Wochen lief der 67-Jährige einen Marathon in Düsseldorf in vier Stunden und 33 Minuten. Eine STARKE Zeit für einen 68-Jährigen. Seine Startnummer war: 9999.

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Unter falscher Startnummer läuft Clement in den Augen von FDP-Generalsekretär Dirk Niebel, von seinem Parteichef Guido Westerwelle beauftragt, sich intensiv mit den Politfestspielen im Berliner Sommerloch zu beschäftigen. Nicht einverstanden ist Niebel damit, dass Clement vom nordrhein-westfälischen SPD-Vize Jochen Ott "Graf Rotz" geschimpft worden ist. Wenn schon, so Niebel, dann wäre im Ruhrgebiet "Graf Koks" doch viel angemessener gewesen. Wenn Niebel ausnahmsweise beim Blick auf die SPD mal Recht hat, dann hat er Recht.

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Kein Wunder, dass die beiden Wandervögel Friedrich Merz und Guido Westerwelle nach dem gemeinsamen Marsch durchs Sauerland das Gerücht begleitet, sie seien auf Abwegen. Sicher ist, dass die beiden bei ihrer Wanderung ausgiebig über ihre Duz-Freundin Angela getratscht haben. Sei ja komplett auf Abwege geraten, das Mädchen, auf wirtschaftspolitische natürlich. Sicher ist aber auch, sagen alle Kenner und Freunde von Merz, dass der überhaupt nicht daran denkt, in die FDP einzutreten, auch wenn die ihn als den Erfinder der Steuerreform auf dem Bierdeckel natürlich mit offenen Armen empfangen würde. Viel zu gut wissen die CDU-Parteifreunde, welch dicken Kopf Merz mit sich trägt. Der würde, sagen sie, allenfalls eine eigene Partei gründen. Aber auch das wird nicht geschehen. Dass er etwa 2013 wieder in die Politik zurückkehrt, die er Ende dieser Legislatur zunächst einmal verlässt, hält sogar er selbst für möglich.

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Das härteste Dementi dieser Tage darf nicht zum Wortwert genommen werden. "Das ist völliger Unfug," schimpfte SPD-Sprecher Lars Kühn, auf die Meldung, dass sein Parteichef Kurt Beck nach der Bundestagswahl gen Berlin wechseln werde. Denn es gibt in der SPD durchaus Genossen, die sich das wünschen, weil er dann den SPD-Parteivorsitz mit dem Fraktionsvorsitz verknüpfen könnte. Das würde der geknüppelten SPD einen weiteren Kraftakt ersparen: die Auseinandersetzung darüber, wer denn nach der Bundestagswahl als Nachfolger von Peter Struck den Fraktionsvorsitz übernehmen soll. Zwar hätte die SPD in der Person von Sigmar Gabriel eine so genannte "Rampensau", die das glänzend könnte. Aber die Parlamentarische Linke will das mit aller Gewalt verhindern. Nicht ungewöhnlich wäre es, wenn Kurt Beck für den Bundestag kandidiert, dann aber darauf verzichtet, das Mandat anzunehmen. Ministerpräsident in Mainz ist schließlich auch ein ganz netter Job.


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