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Berlin vertraulich!: Schmidts Schnauze

Altkanzler Helmut Schmidt kann auch anders, wie in seinem neuen Buch "Zug um Zug" belegt. Dort ist nachzulesen, wie er einen Kontrahenten mal mit Schimpfworten eindeckte. Bitte anschnallen!

Von Hans Peter Schütz

Jetzt ist es ja zu lesen, das Buch "Zug um Zug", das Altkanzler Helmut Schmidt und Kanzlerkandidat Peer Steinbrück angeblich beim Schachspiel entstehen ließen. Und man kann interessante Dinge dabei lernen. Etwa, dass Politik zumindest verbal zuweilen ein schmutziges Geschäft ist. Denn dort steht, was Schmidt 1974 zu ÖTV-Chef Heinz Kluncker nach einer Tariferhöhung gesagt hat, die Schmidt nicht passte: "Du kannst mich am Arsch lecken!" Als Kluncker einen Mülltonnenstreik im Tarifkampf überlegte, drohte Schmidt: "Dann gehe ich ins Fernsehen und sage dem deutschen Volk, dass Du ein Oberschwein bist." Auch nicht gerade der feine hanseatische Umgangston.

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Die Fraktion der Piratenpartei im Berliner Landesparlament setzt neben politischen auch bisher unbekannte modische Akzente. Absoluter Liebling der Fotografen bei der ersten Sitzung war natürlich der Pirat Gerwald Claus-Brunner, der in einer orangeroten Latzhose und einem blau-weiß gemusterten Kopftuch auftrat. Noch mutiger war der Pirat Christopher Lauer, der in einem grauen Dreiteiler antrat. Er trug sogar Krawatte, allerdings nicht um den Hals, sondern ums Handgelenk herum. Das sorgt für klare Distanz zum Regierenden Bürgermeister Wowereit, der sich neuerdings gerne mit hochmodischer Fliege im festlichen Smoking fotografieren lässt.

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Nicht wenige in der CSU trauern noch immer darüber, dass Peter Ramsauer aus dem Amt des Chefs der CSU-Landesgruppe ins Bundesverkehrsministerium gewechselt ist. Kürzlich hat er sich auch selbst wehmütig an die alten Tage erinnert. Denn im Verkehrsministerium ist man nicht in der Lage, Münchner Weißwürste so fachgerecht zuzubereiten und zu servieren wie dies in der bayerischen Landesvertretung der Fall ist. Dort gibt der Landesgruppenchef traditionell in Sitzungswochen seine Journalistenrunde und verwöhnt die Anwesenden mit der bayerischen Leib- und Magenspeise. Als Verkehrsminister Ramsauer jüngst eine Pressekonferenz gab und ebenfalls Weißwürste auftischen ließ, waren einige geplatzt, weil sie man sie in kochendes Wasser geworfen hatte, was Weißwürste bekanntlich nicht unbeschädigt aushalten. Ein noch schlimmeres Wurst-Debakel konnte nur verhindert werden, weil der zuständige Koch bei Ramsauer hatte anfragen lassen, ob man diese Münchner Würste wie die Berliner Currywurst in Scheiben schneiden solle. Herrgottsakrament: Natürlich nicht!

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Wenn es darum geht, dem selbsternannten SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück etwas Gutes zu tun, ist Peter Friedrich (SPD), Bundesratsminister des Landes Baden-Württemberg, nicht kleinlich. Nach der Sommerpause durfte Steinbrück in der Berliner Landesvertretung Baden-Württembergs mit der Hauptstadtpresse eine schöne Party feiern.

Wenn es allerdings darum geht, den nun auch literarisch scheidenden schwäbischen "Tatort"-Kommissar Ernst Bienzle zu würdigen, knausert Friedrich. Gerne hätte der Schauspieler Dietz-Werner Steck, der Bienzle bis 2007 gespielt hat, Anfang November in der Landesvertretung mitgefeiert. Denn zu diesem Zeitpunkt tritt dort sein geistiger Vater auf: Eberhard Hungerbühler, genannt Felix Huby, präsentiert seinen letzten Bienzle-Roman, das 23. Buch der Reihe, das schildert, wie der Kommissar in Pension geht.

Wie die Landesvertretung stern.de bestätigte, muss Hubys Verlag rund 700 Euro für die Bereitstellung der Räume zahlen. Für Steck alias Bienzle will die Landesvertretung kein Geld ausgeben, weder für die Reise noch für ein paar Häppchen. Huby zu stern.de: "Das hat Bienzle nicht verdient, dass er verabschiedet wird, ohne selbst dabei zu sein." Stimmt! Einen Schwaben, der mehr für das Ansehen der Schwaben in Berlin getan hätte, findet man nicht. Er ist, im Gegensatz zum Genossen Steinbrück, Träger der Verdienstmedaille und Ehrenkommissar der baden-württembergischen Polizei. Und zu CDU-Regierungszeiten ging man mit Bienzle viel netter um. Die christdemokratischen Hausherren bezahlten zweimal Feste für ihn in Berlin. Und die schwäbische Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin war sich trotz ihres SPD-Parteibuchs nicht zu schade, Bienzle in der Landesvertretung zu würdigen.

  • Hans Peter Schütz