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Berlin vertraulich!: Von Eiertänzern und Schweinen im Bett

Wer hätte das gedacht? Die Bundestagsabgeordneten der Union lachen am meisten, die der Grünen am wenigsten. Der lustigste Politiker aber kommt aus Reihen der FDP. Weniger lustig finden die Raucher Peter Struck und Franz Müntefering ihre eigenen Gesetze.

Von Hans Peter Schütz

Mal sehen, ob die notorischen SPD-Raucher Franz Müntefering, Frank-Walter Steinmeier und Peter Struck es wagen, sich ihrer Genossin Gesundheitsministerin zu widersetzen. "Passivrauchen ist keine Lappalie", hat Ulla Schmidt jetzt erklärt, und hinzugefügt: "3000 Menschen sterben jedes Jahr durch Passivrauchen." Die resolute Ministerin, vor Jahren selbst am Glimmstängel hängend, versuchte den Noch-Rauchern den Entzug schmackhaft zu machen. "Wer nicht mehr raucht, gewinnt ein Stück Freiheit zurück." In ihrem Ministerium wird sie keine Raucherecken dulden. "Wer rauchen will, muss auf die Straße." Auch Müntefering, bekennender Zigarillo-Fan, will dem guten Beispiel folgen und in seinem Ressort das Rauchen verbieten, denkt aber daran, im Innenhof seines Ministeriums nahe den Fahrradständern eine überdachte Raucherfläche auszuweisen. Die Idee dazu hat er beim kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger geklaut, der im Garten seines Amtssitzes ein Raucherzelt aufstellen ließ. SPD-Fraktionschef Peter Struck wiederum scheint fest entschlossen zu sein, in seinem Bundestagsbüro weiter an seiner Pfeife zu nuckeln. Vorerst darf er das, denn der Gesetzentwurf der Bundesregierung gilt nicht für den Bundestag, der sich das Rauchen selbst verbieten muss. Mit Blick auf Struck haben die Grünen einen Antrag eingebracht, mit dem das Rauchen "in allen Räumlichkeiten" des Bundestags verboten werden soll. Verbraucherschutzminister Horst Seehofer freut sich schon: "Dann muss der Struck auf der Straße rauchen." Womit er dann wieder näher am gemeinen Rauchervolk wäre.

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Bierernste Politik? Nicht im Bundestag. Polixea, ein Servicedienst für politisch Interessierte, hat jetzt verdienstvollerweise statistisch aufbereitet, in welcher Fraktion die größte Heiterkeit zuhause ist. Sieger nach Auswertung der Protokolle der Plenarsitzungen im Jahr 2006 ist die CDU/CSU. 730 Mal notierten die Stenografen Heiterkeit oder Lachen in ihren Reihen. Knapp zurück die SPD, bei der in 727 Fällen gekichert wurde. Am wenigstens zu Lachen hatten die Grünen mit 411 Fällen protokollierter Heiterkeit. Immerhin, nach subjektiver Einschätzung danken wir der grünen Abgeordneten Bärbel Höhn den besten Angriff auf die Lachmuskeln. Sie sagte zum FDP-Mann Hans-Michael Goldmann in einer Debatte über die Größe von Schweineställen: "Ein Einzelbett hat eine Größe von einem mal zwei Metern, also zwei Quadratmetern. Jetzt rechnen Sie sich einmal aus: Drei Schweine à 110 Kilogramm sollen in dieses Einzelbett passen. Ich sage Ihnen: Drei Schweine im Bett, das ist zuviel. Das dürfen wir nicht zulassen. Zwei Schweine im Bett, das finde ich okay." Frage: Ist das noch politisch korrekt?

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Joschka Fischer präsentierte sich vor dem BND-Untersuchungsausschuss wie bei ihm gewohnt: mal pampig und prollig, mal belehrend und dozierend. Nur den FDP-Mann Max Stadler behandelte er mit erkennbarem Respekt, wobei man wissen muss, dass Joschka Liberale wie etwa Guido Westerwelle bereits zum Frühstück im Dutzend wegputzen würde. Fischer nannte ihn überaus freundlich einen "liberalen" Liberalen und antwortete artig auf alle Fragen. Anschließend bemerkte Stadler, der Ex-Außenminister habe sich soeben als "Weltmeister im Eiertanz" erwiesen. Fischer antwortete unverändert lächelnd, in seinem Alter und mit seiner Figur sei ein Eiertanz doch wohl eine respektable Leistung. "Ich glaube, Sie beneiden mich, Herr Kollege Stadler."

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Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Horst Seehofer macht gerade seine Erfahrungen mit der Volksweisheit. Im Kampf um den CSU-Vorsitz erinnern Parteifreunde wie Parteigegner zurzeit gerne an einen Witz, den einst Helmut Kohl dem Bayern erzählte, als der 1994 zum ersten Mal zum stellvertretenden CSU-Vorsitzenden gewählt worden war. Frage Kohl, der am liebsten Witze auf Kosten anderer Leute machte, an Seehofer: "Kennen Sie den Unterschied zwischen einer Hundehütte und einem Stellvertreter?" Seehofer schüttelte den Kopf. Antwort Kohl: "Die Hundehütte ist für den Hund, der Stellvertreter für die Katz." Womit wir ein Motiv hätten, weshalb Seehofer im Herbst Nachfolger von Edmund Stoiber werden will.

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Zum Hofjubler der Woche küren wir den Weilheimer CSU-Abgeordneten Alexander Dobrindt. Bei Bekanntgabe der günstigen Arbeitsmarktzahlen im Februar erklärte er: "Deutschland ist wieder der wirtschaftliche Gipfelstürmer in Europa. Michael Glos ist der Bergführer des Aufschwungs." Hofjubler? Hochjubler!