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Berlin vertraulich!: Warum Eisbär Knut schwul wird

Angela Merkel will 2009 Kanzlerin der Einheit werden und Ex-Außenminister Joschka Fischer kann von der Politik nicht die Finger lassen. Am schlimmsten hat es in der vergangenen Woche aber einen kleinen Eisbären aus dem Berliner Zoo erwischt. Die CDU spekulierte über seine sexuellen Vorlieben.

Von Hans Peter Schütz

Ein Fall von illegaler Parteienfinanzierung? Die Frage stellte sich dem Hamburger Bürgermeister Ole von Beust, als er unlängst die neue Zwei-Euro-Münze im Kanzleramt von Angela Merkel entgegen nehmen durfte. Oder ein Trick im laufenden Hamburger Wahlkampf? Nein. Die Hamburger haben zurzeit die Präsidentschaft im Bundesrat und bekommen aus diesem Anlass wie alle anderen Bundesländer auch eine Sonderprägung der Zwei-Euro-Münze gewidmet, in diesem Fall mit dem Wahrzeichen der Hansestadt, dem Michel. Der Hamburger Regierungschef hätte - Wahlkampf hin, Wahlkampf her - die Sondermünze ohnehin gerne erst später für den Stadtstaat bekommen, dann mit der aufgeprägten Neuen Elbphilharmonie, die noch im Bau ist. Und mit Parteienfinanzierung hat die Aktion auch nichts zu tun. Von Beust zu stern.de: "Ich bekomme die erste Box mit den neuen Münzen ja nur gezeigt, nicht geschenkt."

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Politiker müssen einiges aushalten an Narretei von Rosenmontag bis Aschermittwoch. Aber zuweilen geht das auch weit über das hinaus, was man gerade noch als halbwegs politisch korrekt durchgehen lassen könnte. Angela Merkel könnte da einiges erzählen, von dem, was ihr geboten wurde, als sie vergangene Woche mit ihrer Büroleiterin Beate Baumann im vorpommerschen Demmin eine Aschermittwoch-Veranstaltung besuchte. Der Büttenredner Werner Kuhn, ein Ex-Bundestagsabgeordneter der CDU, der bis 2005 im Bundestag firmierte und jetzt im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern sitzt, thematisierte das SPD-Linkspartei-Bündnis in Berlin und seinen Chef Klaus Wowereit. Der Sozialdemokrat schwimme ja leider gern mit Eisbär Knut, "so wird der Eisbär auch noch schwul." Großes Gejohle, das konservative Publikum war entzückt. Und zur Begrüßung spielte die CDU-Blaskapelle lautstark das Lied vom "Polenmädchen". Der Song gehörte einst zum Liedgut der Wehrmacht, mit dem sie 1939 Polen überfallen hat. Hat es jemand gestört? Nein, im Gegenteil, auch Merkel versprach, wiederzukommen zu dieser Veranstaltung mit der Überschrift "Zeit für deutliche Worte". Eines allerdings ist jetzt klar: In Passau hauen die CSUler deutlich geschmackvoller auf denselben.

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Die nächste Bundestagswahl könnte am 3. Oktober 2009 stattfinden, vorausgesetzt, das schwarz-rote Elefantenbündnis wurstelt sich bis dahin durch. Fest entschlossen dazu geben sich die Beteiligten dazu ja. Die mit dem Termin befassten Strategen sehen bei diesem Datum eine überaus günstige Gelegenheit, die unbequeme Linkspartei mal wieder als "unbelehrbare Kommunisten" zu attackieren. Angela Merkel soll das Datum energisch ins Auge gefasst haben, könnte sie sich doch als die Nachfolgerin von Helmut Kohl als "Kanzlerin der Einheit" verkaufen. Viel früher kann nicht gewählt werden, denn Bundestagswahlen können erst nach dem Ende der letzten Sommerschulferien in einem Bundesland stattfinden, und das ist in Bayern am 14. September der Fall.

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Normalerweise hält sich Ex-Außenminister Joschka Fischer ja raus aus dem grünen Parteigeschäft. Bei der Frage nach der nächsten Grünen-Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl 2009, die intern jetzt schon heftig umstritten ist, hat es ihn aber doch wieder mal gejuckt. Man solle doch ein Kandidatenwesen mit dem Namen "Robükünkutrin" kreieren. Damit könnten Claudia Roth, Reinhard Bütikofer, Renate Künast, Fritz Kuhn und Jürgen Trittin ganz gewiss supergut leben. Und außerdem werde das Wesen auch bei allen Wählern mit Migrationshintergrund Eindruck machen, denn irgendwie klinge es schon türkisch-arabisch-libanesisch.

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Die unaufhaltsame Unterwanderung der oberbayerischen Politik durch fränkische Elemente wie dem neuen CSU-Ministerpräsidenten Günther Beckstein war am Mittwoch in der Berliner Landesvertretung Bayerns zu besichtigen. Mit Markus Söder begrüßte ein Franke die Gäste aus Diplomatie und Journalismus als neuer "Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten und Bevollmächtigter des Freistaats Bayern beim Bund", was unstrittig der eindrucksvollste Titel ist, den Bayern seit Königszeiten zu vergeben hat. Danach gab es fränkischen Fisch von einem fränkischen Koch und fränkischen Wein. Im Lauf des Jahres soll es obendrein ein fränkisches Spargelfest geben, danach ein fränkisches Schäufele-Essen, natürlich mit fränkischem Rauchbier. Die Ehre der Oberbayern sollte an diesem Abend CSU-Bundestagsvizepräsidentin Gerda Hasselfeldt mit einer Fastenrede retten. Dann aber wies die Rednerin von sich aus darauf hin, dass sie aus Haibach stamme, was bekanntlich in Niederbayern liegt. Der Franke Söder war dankbar dafür und schenkte ihr "unser edelstes Teil" - nein, nein, nicht das, es war ein bayerischer Löwe aus Porzellan. Wenigstens der ist den Oberbayern geblieben, die Jahrzehnte die CSU-Politik dominierten.