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Berlin vertraulich!: Westerwelle und das Private

Die barock-lustvolle CSU darf sich einiges erlauben: Hahnenkämpfe, Intrigen, private Affären - den Umfragewerten schadet alles nichts. Auch FDP-Chef Westerwelle scheint die fröhlich-bayerische Mischung von Politik und Privatem zu animieren: So hatte er auf seiner offiziellen Chinareise einen interessanten Begleiter.

Von Hans Peter Schütz

Die CSU-Führung atmet auf: Annette Fröhlich, wird nicht zum CSU-Parteitag Ende September nach München reisen. Horst Seehofers langjährige, sorgsam verborgene Geliebte und Mutter einer Tochter aus dieser Liaison, besitzt zwar eine Gästekarte. Schließlich ist die in Franken geborene Bayerin auch CSU-Mitglied. Aber mit Blick auf das Medien-Tohuwabohu, sagt Frau Fröhlich, wolle sie nun doch lieber in Berlin bleiben. Sie könne die Ereignisse ja gewiss hautnah über Phoenix miterleben. Wem sie die Daumen drückt? Ihrem Ex-Horst oder dem Erwin? Kein Kommentar, antwortet sie.

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Leicht neidvoll beobachtet die CDU, dass die CSU in Umfragen schon wieder bei 55 Prozent liegt. Dabei hat die Schwesterpartei Monate hinter sich, in denen ordentlich geputscht und intrigiert wurde. Obendrein holten sich 6000 Bayern in dieser Zeit das CSU-Mitgliedsbuch; andere Parteien wären schon fröhlich und von ihrem Erfolg berauscht, wenn sie die alten Mitglieder halten können. Eine originelle Antwort aufs CSU-Phänomen gab jetzt bei einem Berlin-Besuch die nordrhein-westfälische SPD-Vorsitzende Hannelore Kraft. "Die einen sind eingetreten wegen Gabriele Pauli, die sie für ihren Mut bewundern. Die anderen deswegen, weil sie in der CSU endlich diskutieren und dürfen." Da könnte was dran sein.

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Guido Westerwelles Lebenstraum besteht darin, wie es sich für einen FDP-Vorsitzenden gehört, 2009 Außenminister zu werden. Seit Guidos jüngster China-Reise bereitet der Gedanken etlichen Berufsdiplomanten im Auswärtigen Amt erhebliche Magenbeschwerden. Dass der liberale Fähnleinführer außer dem außenpolitischen Sprecher der FDP-Fraktion Werner Hoyer und dem Parlamentarischen Geschäftsführer Jörg van Essen auch noch seinen Lebensgefährten Michael Mronz im Tross hatte - na ja, auch im Peking des Jahres 2007 halten chinesische Politiker gleichgeschlechtliche Beziehungen inzwischen aus. Aber Mronz ist nicht nur "Sportmanager des Jahres 2006", der das Kultereignis des Aachener Reitturniers weltweit medial vermarktet und auch mit der Vermarktung von Medienrechten anderer Sportereignisse viel Geld verdient. Er berät auch die Investoren für ein gewaltiges Reitsportzentrum in Peking. Mitberater vor Ort war mit großem Eifer Guido Westerwelle, der zuweilen weniger über die liberalen außenpolitischen Positionen der FDP bei seinen Gesprächspartnern referierte, sondern mehr über die Manager-Qualitäten seine Lebenspartners Mronz. Ein klarer Verstoß gegen Westerwelles Lebensregel, dass "wir unser privates Leben privat führen." Beim Lockruf des großen Geldes müssen offenbar kleine Ausnahmen erlaubt sein.

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Ordentlich getratscht wird in Berliner FDP-Kreisen allerdings auch über einen räumlich etwas näher liegenden Eklat: Beim Saarbrücker Sommerfest der Bild-Zeitung hatte CDU-Ministerpräsident Peter Müller, nie einem guten Tropfen Wein abgeneigt, Andrea Hartmann, die Ehefrau des saarländischen FDP-Vorsitzenden Christoph Hartmann in einigen Metern Entfernung in der Gästeschar entdeckt. Unverzüglich blubberte Müller lautstark in Richtung der liberalen Dame los: Mit Euch machen wir keine Koalition nach der nächsten Wahl, nach all dem, was dein A....loch von Mann alles über meinen neuen Wirtschaftsminister gesagt hat. Da machen wir lieber eine Große Koalition." Die Rede war von Joachim Rippel, neuer Wirtschafts- und Finanzminister im Saarland. Dabei hatte Christoph Hartmann den Neuling keineswegs übel geschmäht, sondern sich nur ein wenig lustig gemacht darüber, dass es schon erstaunlich sei, dass an der Saar jetzt schon ein Lehrer Wirtschaftsminister werden könne. Ein liberaler Ohrenzeuge trug die derbe Beleidigung mit Fassung: "Wir im Saarland sind eben etwa fäkaler veranlagt als im Rest der Republik." Stimmt, das weiß man seit Oskar Lafontaines Zeiten.

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Otto Schilys politisches Leben war nie von Konstanz geprägt. Der Münchner Abgeordnete (ja, das ist er auf dem Papier immer noch) war Verteidiger der Roten Armee Fraktion, dann unerbittlicher "roter Sheriff." Das Parteibuch hat er gewechselt von grün in rot. Mal war er gegen das "System" demonstrativ unterwegs, mal sein treuer Diener. Nur bei einem war er verlässlich: Er liebte immer den repräsentativen Auftritt. Als er grün in den Bundestag einzog und seine Mitstreiter mit der Bahn reisten, fuhr er im Auto. Als sein Parteifreund Willi Hoss, den "Dienstwagen-Gebrauch zu Demos" rügte, belehrte in Schily sofort, Demos fielen "als politische Angelegenheit in den Aufgabenbereich des Abgeordneten" und damit könne von Missbrauch keine Rede sein. Schmerzlich berührt den Genossen, dass er seit einiger Zeit nicht mehr im Panzer-Daimler vorfahren kann, wie zu Minister-Zeiten. Und außerdem nicht länger mit vier Body-Guards ungebrochene Wichtigkeit beweisen darf. Umso mehr genießt er es, dass er beim Flug auf sein toskanisches Anwesen auf dem römischen Flughafen Fiumcino noch immer von einer bewaffneten Blaulicht-Eskorte abgeholt wird.