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Kommentar

Bildung als Wahlkampfthema: Investiert in Schulen und Kitas - aber bitte richtig!

Gammelige Toiletten, marodes Mobiliar: Deutschlands Schulen sind mitunter in einem erbärmlichen Zustand. Die technischen Aufrüstung im Internet-Zeitalter stockt. Die Politik verspricht Besserung - oder sind das nur leere Wahlkampfversprechen?

Ein Klassenzimmer und eine veraltete Schultoilette

Ein Klassenzimmer und eine Schultoilette in Berlin. Für die Sanierung fehlt das Geld.

Mehr Geld für Bildung – das klingt gut und niemand wird etwas dagegen sagen. Vor allem nicht im Wahlkampf. So fordert es nun Martin Schulz von der SPD, auch die Grünen und die FDP schreiben groß "Bildung" in ihr Programm.
Doch einfach nur mehr Geld bringt nicht automatisch bessere Bildung. Sondern die Frage lautet: Wo und wie wird investiert?
Da sind zum einen die völlig maroden Gebäude mit Toiletten auf die kein Kind freiwillig gehen mag, weil sie verdreckt und verschmiert sind, nicht mal Toilettenpapier oder Seife vorhanden sind. Turnhallen in denen es durchs Dach regnet; zu kleine Klassenräume bei denen der Putz von der Wand bröselt. Keinem Erwachsenen würde man zumuten in solchen Räumen zu arbeiten, Kindern und Jugendlichen schon. Wie sollen die Mädchen und Jungen in so einer Umgebung das Gefühl bekommen, Lernen und Bildung sei wichtig? Warum sollten sie achtsam mit ihrer Umgebung umgehen, wenn nicht achtsam mit ihnen umgegangen wird? Eine schöne und durchdachte Lernumgebung hat nichts mit Kuschelpädagogik zu tun, sondern der Raum gilt als dritter Pädagoge. 34 Milliarden müssten investiert werden, schätzen Experten.


Medienkompetenz? Inklusion? Wie denn?

 Die Sanierung der Schulen ist Voraussetzung für die Umsetzung der Inklusion: Viele Schulen kämpfen täglich darum, alle Kinder gemeinsam zu unterrichten. Aber viele scheitern, weil ihnen die räumliche Ausstattung und das nötige Fachpersonal fehlen. Jede Schule braucht dazu ein multiprofessionelles Team in dem Lehrkräfte, Sozialpädagogen und Psychologen zusammenarbeiten.

Drittens ist Deutschland Schlusslicht beim Einsatz von digitalen Medien im Unterricht. Auch das ist eine Frage der Ausstattung. Dabei reicht es nicht, Klassen mit Notebooks oder Tablets auszustatten und Breitbandkabel zu verlegen – mehr Technik führt nicht automatisch zu besserem Unterricht. Es fehlt eine generelle Strategie zum Erlernen von Medienkompetenz. Der von Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) bereits im Herbst 2016 angekündigte "Digitalpakt" mit fünf Milliarden Euro lässt auf sich warten. Stattdessen basteln die Länder lieber an teuren Einzellösungen. So entwickeln derzeit Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz für Millionenbeträge eigene Lernplattformen. Auch das Bildungsministerium in Berlin gab im Juni den Startschuss zu der Entwicklung einer "Schul-Cloud". Außerdem sollte mehr Geld in die Kitas fließen.

Mangelnde Qualität der Kindergärten

Eine guter Kindergarten hat nicht nur ausreichend Personal, sondern auch qualifizierte Erzieher und Erzieherinnen, die sich um die Kleinen kümmern. Gerade erst hat eine Studie der Bertelsmann Stiftung vorgerechnet, dass zwar die Zahl der Plätze ausgebaut wurde, aber es an der Qualität mangelt. An vielen Orten sind die Gruppen zu groß, gibt es zu wenig Betreuer für die Kita-Kinder. Rund 100.000 Erzieherinnen und Erzieher müssten zusätzlich eingestellt werden. Hierhin sollte das Geld fließen – nicht in gebührenfreie Plätze, da bereits die Kosten eines Kitaplatzes in den allermeisten Kommunen und Gemeinden nach der Höhe des Einkommens der Eltern festgelegt wird. Denn Bildung zahlt sich nicht nur für jeden einzelnen, sondern langfristig auch für die Gesellschaft aus. Je höher der Schulabschluss und die Qualifizierung, desto seltener wird ein Mensch arbeitslos, desto länger arbeitet er oder sie und zahlt in die Sozialkassen. Wer gebildet ist, der lebt sogar gesünder. Doch Deutschland produziert nach wie vor zu viele Bildungsverlierer: Jedes fünfte Kind kann nicht ausreichend lesen, schreiben und rechnen. Dabei steigen die Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt. In keiner anderen Industrienation hängt der Bildungserfolg so sehr vom Elternhaus ab wie in Deutschland. Auch daher wäre es richtig mehr in die Kitas zu investieren, denn in der frühkindlichen Bildung werden die Grundsteine für lebenslanges Lernen gelegt.


Diese Handlungsfelder in der Bildung sind bei Fachleuten und auch der Öffentlichkeit lange bekannt. Und die Politik hätte längst ihre Hausaufgaben machen, die Schulen sanieren, mehr Erzieher und Lehrer ausbilden und einstellen können. Bleibt zu hoffen, dass die Wähle-rinnen und Wähler kritisch hinter-fragen, was ihnen diesmal wieder versprochen wird – und abzuwarten, ob die neue Regierung in Deutschlands Zukunft investieren wird.

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