HOME

Blair-Vorwürfe gegen Iran: "Elemente des Regimes unterstützen Terror"

Nach Freilassung der britischen Soldaten hat Premierminister Tony Blair schwere Vorwürfe gegen das Teheraner Regime erhoben: Teile der iranischen Führung würden den Terror im Irak finanzieren.

Premierminister Tony Blair forderte nach der Ankunft der freigelassenen britischen Soldaten weiteren internationalen Druck auf Teheran. Blair betonte zugleich, dass die Freilassung "ohne irgendeine Abmachung, ohne irgendwelche Verhandlungen, ohne eine wie auch immer geartete Vereinbarung am Rande" zu Stande gekommen sei. Die Rückkehr der 15 Briten wurde durch einen Bombenanschlag auf britische Truppen im Irak überschattet, bei dem vier Panzersoldaten starben.

"Während wir froh sind über ihre Rückkehr, trauern wir zugleich um jene, die bei einem terroristischen Anschlag in Basra getötet wurden", sagte Blair in London. Indirekt machte er "Elemente im iranischen Regime" für den Bombenanschlag in der südirakischen Hafenstadt mitverantwortlich, dem die vier Briten zum Opfer fielen.

Blair: Druck auf Iran erhöhen

"Das generelle Bild ist, dass zumindest Elemente im iranischen Regime den Terrorismus im Irak unterstützen, finanzieren und bewaffnen", sagte der sichtlich bewegte Blair. Er forderte die internationale Gemeinschaft auf, den Druck auf den Iran aufrecht zu erhalten. Sie müsse "absolut standhaft bleiben bei der Durchsetzung ihres Willens, egal ob es um das Nuklearwaffenprogramm geht oder um die Unterstützung von Teilen des iranischen Regimes für den Terrorismus".

Bei den Verhandlungen über die Freilassung der 15 Marineangehörigen, so betonte Blair, sei Großbritannien sei erfolgreich "zweigleisig" vorgegangen. London habe einen bilateralen Dialog mit Teheran geführt und zugleich die internationale Gemeinschaft mobilisiert, die Druck auf den Iran ausgeübt habe.

Freigelassene Geiseln werden untersucht

Die 15 Marinesoldaten zeigten sich nach ihrer Landung auf dem Londoner Airport Heathrow mit einer Maschine der British Airways nur kurz vor den Fernsehkameras, ohne etwas zu sagen. Sie bestiegen dann Hubschrauber, mit denen sie zum Marinestützpunkt Chivenor an der Südwestküste Englands geflogen wurden. Dort sollten die Soldaten medizinisch untersucht und zu ihrer Gefangenschaft in Teheran befragt werden.

Die Briten waren am Vortag in Teheran überraschend durch den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad freigelassen worden. In Teheran hatten einige von ihnen vor Kameras des staatlichen Fernsehens in Teheran erklärt, sie seien am 23. März illegal in iranische Hoheitsgewässer eingedrungen und würden dies bedauern. Nach iranischen Angaben legten alle entsprechende Geständnisse ab. London hat hingegen stets erklärt, die beiden Mannschaften von Patrouillenbooten hätten sich mit klarem Mandat der UN eindeutig innerhalb irakischer Gewässer bewegt.

Ahmadinedschad: Blair solle Gerechtigkeit und Frieden unterstützen

Die Verabschiedung der Freigelassenen am Donnerstagmorgen in Teheran hatte der Iran noch einmal für eine Propagandaschau benutzt. Vor laufenden Kameras wurden ihnen Geschenke zur Erinnerung an ihren "Zwangsurlaub" überreicht. Zuvor ermahnte Ahmadinedschad nach Angaben der staatlichen Agentur IRNA "Premierminister Tony Blair, die Soldaten nicht dafür zu bestrafen, dass sie die Wahrheit gesagt haben". Blair solle "Gerechtigkeit und Frieden unterstützen, anstatt die Verbreitung von Nuklearwaffen", sagte der iranische Präsident in offenkundiger Anspielung auf Londons Pläne zur Modernisierung der britischen Atom-U-Boote.

DPA / DPA