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Böhnhardts Mutter im NSU-Prozess: LKA soll mit Erschießung gedroht haben

Überraschende Aussage im Zeugenstand: Laut Brigitte Böhnhardt waren ihr Sohn und Beate Zschäpe grundsätzlich bereit gewesen, sich zu stellen. Gegen die Ermittler erhebt sie schwere Vorwürfe.

Mit markigen Worten sollen Beamte des Landeskriminalamts mit der Erschießung des flüchtigen Neonazi-Trios Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe gedroht haben. Eine entsprechende Aussage machte Brigitte Böhnhardt, Mutter des mutmaßlichen NSU-Terroristen, am Dienstag vor dem Oberlandesgericht München. Ein Beamter habe ihr gesagt: "Wenn wir sie aufspüren und die zucken nur - glauben Sie mir, unsere Leute sind schneller mit der Pistole, die haben das gelernt."

Die pensionierte Lehrerin erzählte, dass sie nach dem Untertauchen des Trios noch Kontakt zu ihrem Sohn und seinen Komplizen Mundlos und Zschäpe gehabt habe. Sie hätten sich zu Telefonaten in Telefonzellen verabredet. "Wir haben vom ersten Telefongespräch an verlangt, dass sie sich stellen", sagte die 65-Jährige. Bei späteren Gesprächen seien ihr Sohn und Beate Zschäpe grundsätzlich bereit gewesen, sich zu stellen - Uwe Mundlos aber nicht.

Mutter will von Morden nichts gewusst haben

Brigitte Böhnhardts Vernehmung war in der vergangenen Woche verschoben worden. Sie hatte im Juni bereits als Zeugin im Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss ausgesagt. In einem Fernsehinterview mit dem NDR hatte sich die Mutter 2012 entsetzt über die Morde der Neonazi-Gruppe gezeigt. "Mir tun auch die Familien wirklich unendlich leid, die das erfahren mussten", hatte die ehemalige Lehrerin gesagt. Von den Morden habe sie aber nicht gewusst, bekräftigte sie damals. Stattdessem habe sie geglaubt, die drei hätten sich nach ihrem letzten Treffen 2002 ins Ausland abgesetzt.

Mundlos und Böhnhardt hatten sich am 4. November 2011 nach einem Banküberfall selbst getötet, um der Festnahme zu entgehen. Zschäpe setzte die gemeinsame Wohnung der drei in Zwickau in Brand; am nächsten Tag rief sie Brigitte Böhnhardt an und informierte sie über den Tod ihres Sohnes. Drei Tage später stellte sich Zschäpe. Dem NSU werden zehn Morde, zwei Bombenanschläge und zahlreiche Raubüberfälle vorgeworfen.

jwi/DPA/AFP / DPA