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Bremens Bürgermeister Böhrnsen: Bundespräsident für 30 Tage

Er rückt aus dem Rathaus des kleinsten Bundeslandes unvermittelt ins Rampenlicht: Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen ist für kurze Zeit Staatsoberhaupt. Er will dabei aber nur Aufgaben übernehmen, die unbedingt nötig sind.

Er regiert bedächtig und lächelt verhalten - Jens Böhrnsen hat sich in Bremen in fünf Jahren Amtszeit als Regierungschef der leisen Töne profiliert. Zwei Wochen vor dem 61. Geburtstag kommt auf den früheren Richter und SPD-Politiker eine neue Bewährungsprobe zu: Nach dem Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler muss Böhrnsen jetzt kommissarisch zusätzlich die Amtsgeschäfte des höchsten Repräsentaten des deutschen Staates übernehmen. Es wird eine Amtszeit von höchstens 30 Tagen, denn innerhalb dieser Frist muss die Bundesversammlung zusammengerufen und ein Nachfolger für Köhler gewählt werden. Und er wird sein Amt in der kurzen Zeit ausfüllen, wie es seine Art ist: zurückhaltend. Böhrnsen wird nur unaufschiebbare Aufgaben übernehmen, Auslandsreisen wie etwa zur Fußball-WM in Südafrika schließt er aus.

Seit Oktober ist Böhrnsen Präsident des Bundesrats. Laut Artikel 57 des Grundgesetzes vertritt dieser den Bundespräsidenten "bei vorzeitiger Erledigung des Amtes". Der SPD-Politiker sagte in einer ersten Reaktion, er sei "als Bürger und Bremer" traurig über den Schritt Köhlers. Seine Rolle als Bundesratspräsident wird der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) übernehmen. Die Doppelfunktion ist nicht erlaubt.

Bremer in Reinkultur

Böhrnsen ist ein Bremer in Reinkultur: Er wurde am 12. Juni 1949 in Bremen im ärmlichen Stadtteil Gröpelingen geboren und ist in Bremen-Walle zur Schule gegangen. Er lebt heute im Stadtteil Burglesum. Bei Bürgerschaftswahl 2003 holte die SPD mit dem enorm beliebten Henning Scherf an der Spitze 42,3 Prozent. Doch im Herbst 2005 zog Scherf den Schlussstrich unter seine politische Karriere. Zwei Sozialdemokraten stritten um das Erbe: der frühere Manager des Fußball-Bundesligaclubs SV Werder Bremen und Bildungssenator, Willi Lemke, sowie Jens Böhrnsen, damals Vorsitzender der SPD-Bürgerschaftsfraktion.

Böhrnsen setzte sich in einer Abstimmung der SPD-Basis haushoch durch. Der Jurist aus ur-sozialdemokratischem Haus wusste die Partei zu begeistern. Seit 1995 war Böhrnsen in der Bürgerschaft, seit 1999 an der Fraktionsspitze und dabei nicht zimperlich im Umgang mit dem Koalitionspartner CDU. Das trug zu seiner innerparteilichen Beliebtheit bei.

Seit 2005 Bremer Bürgermeister

Am 8. November 2005 wurde Böhrnsen von der Bürgerschaft zum Bürgermeister gewählt. Anders als Scherf stoppte er den Kuschelkurs mit dem damaligen Koalitionspartner CDU. 2007 trat Böhrnsen als Spitzenkandidat an und holte mit nur noch 36,8 Prozent das zweitschlechteste Ergebnis der SPD im kleinsten Bundesland. Doch Böhrnsen bildete eine rot-grüne Koalition und regierte weiter.

Bei den Bürgern ist er anerkannt, aber nicht so geliebt wie sein Vorgänger Scherf. Politisch sind ihm die Hände gebunden durch die hohe Verschuldung des Landes, was für große Projekte kaum Raum lässt.

DSDS aus Bremer Rathaus verbannt

Die ruhige Art von Böhrnsen bedeutet aber nicht, dass er Konflikten aus dem Weg geht: 2008 trat er Schlagerproduzent Dieter Bohlen kräftig auf die Füße. Bohlen wollte für die RTL-Show "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) ein Casting im schönen alten Bremer Rathaus veranstalten. Böhrnsen lehnte ab und sagte, in der Sendung würden die Kandidaten mit Häme, Spott und Beleidigungen überzogen und lächerlich gemacht. "DSDS" sei unerwünscht. Bohlen reagierte verärgert.

Persönlich hatte Böhrnsen ein schweres Schicksal zu tragen: Seine Ehefrau war im März 2007 nach zehn Jahren Ehe überraschend an einer Hirnblutung gestorben. Anderthalb Jahre spät fand er eine neue Partnerin, eine drei Jahre jüngere Schulleiterin. Seine beiden erwachsenen Söhne studieren.

Claus-Peter Tiemann/APN / APN