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Konkurrenz für den eigenen Chef Chebli will für den Bundestag kandidieren – im selben Wahlkreis wie Bürgermeister Müller

Sawsan Chebli und Michael Müller bei einer Sitzung des Bundesrats
Sawsan Chebli und Michael Müller bei einer Sitzung des Bundesrats (Archivbild)
© Wolfgang Kumm / Picture Alliance
Staatssekretärin Sawsan Chebli will Berlins Regierungschef Michael Müller Konkurrenz um einen Sitz für den Bundestag machen. Erfolgschancen hat sie wohl kaum, zumal in der Berliner SPD viele von ihrem "Anspruchsverhalten" genervt sein sollen.

Schon länger wird darüber spekuliert, nun ist die Katze aus dem Sack: Die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli tritt gegen ihren Chef und Regierenden Bürgermeister Michael Müller (beide SPD) im Kampf um die Bundestagskandidatur im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf an. "Mein Vater ist aus einem libanesischen Flüchtlingslager nach Deutschland geflohen, damit seine Kinder eine Perspektive haben", schrieb Chebli am Donnerstag auf Twitter. Sie stehe nun der SPD und ihrer Heimat als Kandidatin für die Wahl im Herbst 2021 zur Verfügung.    

"Ich wurde gefragt, warum ich mir das antue", fügte Chebli als Andeutung auf Müllers angestrebte Kandidatur im selben Wahlkreis hinzu. Sie sei sicher, dass sie Menschen erreichen könne.

Die 42-jährige Chebli ist seit Ende 2016 in Müllers Senatskanzlei Staatssekretärin für bürgerschaftliches Engagement. Zuvor war sie unter anderem stellvertretende Sprecherin im Auswärtigen Amt.  

Cheblis "Anspruchverhalten" soll viele Parteimitglieder verärgern

Einem Bericht des "Tagesspiegel" zufolge hatte der Ortsverband Ku'damm Chebli im Vorfeld einstimmig nominiert und auch die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) soll signalisiert haben, Chebli im Falle einer Bewerbung zu unterstützen. Dennoch gilt der Gewinn der Kandidatur als unwahrscheinlich. Laut "Tagesspiegel" sollen viele Parteimitglieder von Cheblis "Anspruchsverhalten" verärgert und genervt sein. Ferner soll so mancher Genosse der Diplom-Politologin vorhalten, beim Thema Anti-Rassismus sehr monothematisch aufgestellt zu sein.  

Dem Bericht nach soll Müller in der Sitzung am Donnerstagabend dann laut Teilnehmerangaben auch den größeren Applaus für seine Kandidatenrede bekommen haben.

Michael Müller geht Kevin Kühnert aus dem Weg

Müller hatte am Montag angekündigt, in dem Wahlkreis kandidieren zu wollen. Eigentlich ist Müllers Heimatbezirk Tempelhof-Schöneberg. Wie in der vergangenen Woche bekannt wurde, will dort jedoch der scheidende Juso-Chef Kevin Kühnert kandidieren.    

Seit langem ist bekannt, dass Müller bei einem Landesparteitag Ende Oktober sein Amt als SPD-Landesparteichef an Bundesfamilienministerin Franziska Giffey und den Berliner Fraktionschef Raed Saleh abgeben will. Mutmaßlich ist mit dem Wechsel für Giffey auch eine Spitzenkandidatur für die Abgeordnetenhauswahl im Herbst 2021 verbunden. Es wird seit Monaten spekuliert, dass Müller bei der Bundestagswahl 2021 sein Amt als Regierender Bürgermeister durch ein Bundestagsmandat ersetzen will.

Quellen: AFP / "Tagesspiegel" / Twitter

mod AFP

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