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Castor-Transport erreicht Gorleben: Teurer war keiner

Der Castor ist im Ziel: Nach mehr als fünf Tagen und immer neuen Blockaden hat der Atommüll-Transport das Zwischenlager Gorleben erreicht. Während die Gegner die Verzögerungen als Erfolg feiern, fordert die Gewerkschaft der Polizei ein politisches Nachspiel.

Unter heftigem Protest von Atomkraftgegnern ist der Castor-Transport nach mehr als fünf Tagen Fahrt im Zwischenlager Gorleben angekommen. Der Lkw-Konvoi mit hoch radioaktivem Atommüll aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague erreichte am späten Montagabend sein Ziel. Die Fahrt, die zum Großteil auf der Schiene zurückgelegt worden war, musste wegen des Widerstands Tausender Atomkraftgegner und spektakulärer Protestaktionen immer wieder unterbrochen werden.

Noch nie war ein Castor-Transport so lange in das umstrittene Zwischenlager im Wendland unterwegs, das zum Symbol für den Protest gegen die Atomkraft geworden ist. Gleichzeitig wird der 13. Transport wohl auch der bisher teuerste gewesen sein, wie Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) betonte: "Wir müssen davon ausgehen, dass er nicht günstiger wird als 2010."

Geschützt von Tausenden Polizisten hatte der Konvoi von Dannenberg aus die letzten 25 Kilometer auf der Landstraße zurückgelegt. Dabei kam der Konvoi zeitweise nur im Schritttempo voran. Trotz der hohen Sicherheitsvorkehrungen gelang es zwei Atomkraftgegnern, auf einen der Tieflader zu klettern und den Tross damit kurz vor dem Ziel noch einmal eine Stunde aufzuhalten.

Schuldzuweisungen auf beiden Seiten

Die Atomkraftgegner im Wendland bewerteten ihren tagelangen Protest als Erfolg. Einmütig forderten sie, dass die Politik den Bürgerprotest endlich ernst nehmen müsse und die Planung für ein mögliches Endlager in Gorleben sofort stoppen solle.

Der Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bernhard Witthaut, kritisierte die Proteste scharf. "Der Hass und die Gewalt, die meinen Kolleginnen und Kollegen von einzelnen autonomen Gruppen entgegenschlug, waren ohne Beispiel". Es sei bedrückend, dass sich auch Politiker und Bürgerinitiativen nicht eindeutig davon distanziert hätten. "Dieser Castor-Transport wird ein politisches Nachspiel haben müssen", sagte Witthaut.

Die Atomkraftgegner beklagten, dass durch den harten Polizeieinsatz 355 Demonstranten verletzt worden seien, davon fünf schwer. "Die Nervosität und Aggressivität bei den Polizeikräften ist größer geworden", bilanzierte die Bäuerliche Notgemeinschaft, in der sich vor allem Landwirte aus der Region gegen das Atomlager Gorleben zusammengeschlossen haben.

Niedersachsens Innenminister hofft auf Ruhe für sein Land

Die Polizei sei überzogen gegen die Blockierer vorgegangen. Bis zuletzt hatten die Einsatzkräfte Wasserwerfer gegen einzelne Demonstranten eingesetzt. Diese sollen Beamte unter anderem mit Feuerwerkskörpern und nagelgespickten Golfbällen beworfen und Strohballen angezündet haben.

Dagegen betonte Innenminister Schünemann, die Polizei habe keine Fehler gemacht. "Die Einsatzkräfte sind bei den Sitzblockaden sehr besonnen vorgegangen", sagte er. Nach ersten Schätzungen seien auch etwa 100 Polizisten verletzt worden. Sie waren an vielen Orten in schwere Krawalle mit gewaltbereiten Atomgegnern verwickelt worden.

Schünemann hofft nun auf ein Ende der Atommüll-Transporte nach Niedersachsen. "Wir gehen erstmal davon aus, dass Niedersachsen seinen Beitrag geleistet hat", betonte er. Zwar muss Deutschland noch Atommüll aus der Wiederaufarbeitung im englischen Sellafield zurücknehmen, die Kraftwerksbetreiber können aber selbst entscheiden, ob sie ihn nach Gorleben bringen.

Der Castor-Transport war der letzte mit hoch radioaktivem Müll aus Frankreich. Im Zwischenlager Gorleben stehen nun insgesamt 113 Behälter mit hoch radioaktivem Müll. Deutschland ist vertraglich verpflichtet, den Müll der deutschen Atomkraftwerke aus der Wiederaufarbeitung wieder zurückzunehmen.

jwi/DPA/Reuters / DPA / Reuters