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Castortransporte: Straßenmarathon für Atommüll

Sie rollen wieder: Sechs Castorbehälter sind auf dem Weg von Sachsen nach Ahaus in Westfalen. Bisher versuchten die Atomkraftgegner vergeblich, den Transport zu stoppen.

Unter massivem Polizeischutz ist ein Transport von Castor-Behältern aus dem sächsischen Rossendorf bei Dresden nach Ahaus in Nordrhein-Westfalen gestartet. Auf Sattelschleppern wurden am Montagmittag die ersten sechs Behälter auf die 600 Kilometer lange Reise geschickt. Zwei weitere Transporte sind geplant. Insgesamt sollen 18 Behälter mit 951 Brennelementen aus dem ehemaligen DDR-Forschungsreaktor Rossendorf in das Zwischenlager Ahaus gebracht werden.

50 Castorgegner versuchten vergeblich, die Abfahrt mit Sitzblockaden zu verhindern. Polizisten trugen mehrere Personen, die sich in die Zufahrt gesetzt hatten, von der Straße. Seit Samstag hält die Dresdner Bürgerinitiative "Castor Alarm - Tag X" eine Mahnwache vor dem Kernforschungszentrum. Auch in Ahaus und an mehreren Autobahnknotenpunkten entlang der Strecke werden Demonstrationen erwartet.

Außergewöhnlicher Einsatz

Der Sprecher der Polizeidirektion Dresden, Thomas Herbst, sagte, dies sei ein außergewöhnlicher Einsatz. Es sei das erste Mal überhaupt, dass Castor-Behälter über eine so lange Strecke auf der Straße bewegt würden. Aus Sicherheitsgründen wurden sämtliche Autobahnbrücken entlang der Strecke gesperrt. Rund 1500 Polizisten aus verschiedenen Bundesländern sicherten den Transport, der Rossendorf planmäßig um 12 Uhr verließ.

Der Konvoi legte zunächst die 15 Kilometer lange Landstraßen-Strecke bis zur Aufbahnauffahrt Ottendorf-Okrilla an der A4 von Görlitz nach Chemnitz zurück. Die Route verläuft über Dresden und Chemnitz weiter Richtung Erfurt. Am späten Montagabend sollten die Behälter in Ahaus eintreffen.

Prominente Unterstützung

Bundesweit hatten 65 Bürgerinitiativen zu Protesten aufgerufen. Die scheidende nordrhein-westfälische Umweltministerin Bärbel Höhn kündigte an, sich an den Aktionen zu beteiligen. Der Transport sei total überflüssig, sagte die Grünen-Politikerin. Statt die Castoren quer durch die Republik zu fahren, wäre es sinnvoller, die Brennstäbe in einem Zwischenlager in Sachsen unterzubringen.

Nach Angaben des sächsischen Umweltministeriums ist die Strahlenbelastung während des Castortransports sehr gering. Sie liege bei 0,35 Mikrosievert pro Stunde, sagte Ministeriumssprecherin Irina Düvel. In einem Flugzeug in 10.000 Metern Höhe betrage die Belastung ca. 3,3 Mikrosievert. Da der Atommüll aus Forschungsreaktoren stammt, ist das Strahlungspotenzial laut Experten wesentlich geringer als bei Castoren, die mit Brennstäben aus Kernkraftwerken befüllt sind.

Angeblich zu hohe Strahlenbelastung

Atomkraftgegner berichteten am Sonntag von angeblichen Problemen mit den Dichtungen der Castor-Behälter. Bei einem Behälter sei das Dreifache der zulässigen Strahlenbelastung gemessen worden, nachdem dieser nach Messungen geöffnet und wieder geschlossen worden war. Man sei sehr besorgt, ob die Castoren den Anforderungen des Autobahntransports gewachsen seien, hieß es.

Um den Transport hatte es jahrelange juristische Auseinandersetzungen gegeben. Die sächsische Staatsregierung sah keine rechtlichen Möglichkeiten, die Brennelemente in Rossendorf zu lassen. Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen hatte wegen Sicherheitsbedenken und aus Furcht vor einem Verkehrschaos auf den Autobahnen einen Schienentransport verlangt. Der Freistaat Sachsen hat nach Angaben des Dresdner Umweltministeriums die Lagerflächen in Ahaus seit Mitte der 90er Jahre angemietet. Von den sechs Millionen Euro Kosten sind demnach bereits 1,7 Millionen bezahlt.

AP/DPA/Reuters / AP / DPA / Reuters