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Charlotte Knobloch: Pogromnacht darf nicht vergessen werden

Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hat kritisiert, dass das Gedenken an die Reichspogromnacht am 9. November 1938 "von der Freude über 20 Jahre Mauerfall überlagert wird".

Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hat kritisiert, dass das Gedenken an die Reichspogromnacht am 9. November 1938 "von der Freude über 20 Jahre Mauerfall überlagert wird". In Zukunft müsse beider Ereignisse in angemessener Form gedacht werden, forderte Knobloch am Montag in München.

Wie die jüngsten Parolen an der Dresdner Synagoge zeigten, "sind Antisemitismus und Volksverhetzung in Deutschland nach wie vor ein ernst zu nehmendes Problem", sagte Knobloch. Braunes Gedankengut sei längst in alle Bereiche der Gesellschaft eingesickert. Allein im ersten Halbjahr seien rund 550 antisemitische Straftaten begangen worden.

Es sei in Ordnung, dass die Erinnerungskultur der Bundesrepublik dieser Tage ganz unter dem Eindruck der Wiedervereinigung stehe. Den Ostdeutschen habe der Fall der Mauer die lang ersehnte Freiheit gebracht, dem Land die außenpolitische Souveränität. Aber am 9. November habe sich nicht nur das Tor zur Freiheit geöffnet, sondern vor 71 Jahren habe sich auch das Tor nach Auschwitz abgezeichnet. Deutschland müsse zeigen, "dass es sich nach wie vor den demokratischen Grundwerten verpflichtet fühlt - im Bewusstsein der dunklen Seite seiner Geschichte", mahnte Knobloch.

Bei lokalen Gedenkveranstaltungen in Berlin und vielen Orten wurde an die Reichspogromnacht 1938 erinnert. In München, wo NS-Propagandaminister Joseph Goebbels mit einer Hetzrede den Startschuss für die blutigen Ausschreitungen im ganzen Reich gegeben hatte, nahmen rund 100 Menschen an der Verlesung der Namen der 293 Münchner Juden teil, die sich unter der NS-Diktatur das Leben genommen hatten.

Die Stadt München verbot am Montag einen von Neonazis für kommenden Samstag geplanten "Heldengedenkmarsch 2009 - Ruhm und Ehre den deutschen Soldaten". Zu der Veranstaltung waren 250 Rechtsextremisten, zu Protestkundgebungen rund 1.000 teilweise gewaltbereite Gegendemonstranten erwartet worden.

AP / AP